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Emmerich
Taucher suchen in Kleve nach vermisstem Jungen

Emmerich. Der 16-Jährige war am Wochenende nach einer Feier im Radhaus verschwunden. Die Polizei geht davon aus, dass er auf dem Heimweg in den Spoykanal gestürzt ist. Die Suche blieb am Donnerstagvormittag aber vorerst vergeblich. Von Ludwig Krause

Bahn für Bahn zieht das Polizeiboot seine Runden auf dem Spoykanal. Vorne an Deck der "Seehund 2" sitzt Leichenspürhund Fine. Gespannt, aber ruhig. Immer wieder halten Studenten an. Sie kommen aus Vorlesungen, sind auf dem Weg zur Mensa. Machen Fotos, sprechen die Polizisten an. Fine bleibt ruhig - während des gesamten Einsatzes schlägt der Hund nicht einmal an.

Wo ist Robert P.? Die Polizei geht fünf Tage nach dem Verschwinden des 16-Jährigen davon aus, dass er tödlich verunglückt sein könnte. "Für uns gibt es derzeit keine andere vernünftige Möglichkeit, als dass er hier zu Tode gekommen ist", sagte Polizeisprecher Achim Jaspers gestern bei dem Einsatz am Ufer des Spoykanals auf dem Hochschulgelände. Dementsprechend groß war das Aufgebot der Einsatzkräfte: Neben Polizeitauchern aus Bochum waren auch zwei Boote mit Sonar und ein Hund im Einsatz, der auf das Aufspüren von Leichengeruch an der Wasseroberfläche trainiert ist. Dennoch blieb die Suche vorerst erfolglos. Der spezialisierte Leichenhund, der extra aus Bielefeld gekommen war, hatte nicht angeschlagen, zwei verdächtige Stellen, die auf dem Sonar aufgefallen waren, entpuppten sich nach dem Einsatz zweier Taucher als Fehlalarm. "Wir werden uns jetzt neu beraten und die Suche womöglich noch ausdehnen", sagte Achim Jaspers. Darüber werde heute entschieden.

Der 16-Jährige war am Samstagabend zunächst im Klever Jugend- und Kulturzentrum Radhaus feiern gewesen. Auf der dort stattfindenden Elektroparty "Beatamin" dürfen Jugendliche ab seinem Alter bis 24 Uhr bleiben. Zwischen 23 Uhr und 23.30 Uhr soll Robert P. dann das letzte Mal von Freunden gesehen worden sein. "Torkelnd und strauchelnd auf dem Hochschulgelände am Rande des Spoykanals", sagt Polizeisprecher Jaspers. Vermutlich sei er betrunken gewesen.

Der Spoykanal ist auf dem Campus der Hochschule Rhein-Waal nicht mit einem Geländer abgesichert, das Wasser dort ist ungefähr 1,80 Meter tief. Zwischen Wasseroberfläche und der rettenden Uferböschung liegt außerdem ein Höhenunterschied von rund 60 Zentimetern. Strömung gibt es praktisch nicht.

Um 0.15 Uhr hat ein Freund noch versucht, Robert P. auf dessen Handy zu erreichen. Das Telefonat sei zwar durchgegangen, abgenommen habe der Jugendliche aber nicht. Als die Polizei 24 Stunden später alarmiert wurde, dass Robert immer noch nicht zurückgekehrt sei, war das Handy bereits abgeschaltet. Auch eine Standortbestimmung mithilfe des Netzbetreibers blieb ohne Ergebnis.

Seit Dienstag sucht die Polizei mit einem Foto öffentlich nach dem Jungen. Robert ist etwa zwei Meter groß, er hat dunkles mittellanges Haar und eine schlanke Statur. Zuletzt trug er einen langen schwarzen Mantel, eine dunkle Hose und Turnschuhe. Dass die Beamten erst seit gestern mit Spürhunden und Tauchern nach dem Jungen suchen, begründet die Polizei mit den umfangreichen Ermittlungen in der Zwischenzeit. Freunde, Bekannte und Partygänger seien vernommen worden. So wollten die Ermittler ausschließen, dass der Junge weggelaufen, bei Freunden untergekommen oder durchgebrannt ist. "Dafür gibt es derzeit aber überhaupt keine Ansatzpunkte", sagt Jaspers.

Dass der aufsehenerregende Mordfall an einem 77-Jährigen in Elten die Kräfte gebunden habe und daher erst jetzt intensiv nach dem Jungen gesucht werden kann, das weist die Polizei vehement zurück. Zumal der Mordfall von der Kommission aus Kalkar geleitet wurde, die Suche nach dem Jugendlichen in Kleve koordiniert wird.

Der 16-Jährige lebt im SOS-Kinderdorf in Materborn und besucht das Berufskolleg, seine getrennten Eltern wohnen nicht im Kreis Kleve und haben Hilfe vom Opferschutz der Polizei angeboten bekommen. Unklar ist auch, ob der Jugendliche noch am Abend der Feier zurück zum Kinderdorf in Materborn - zu Fuß immerhin fünf Kilometer - wollte, oder ob er mit dem Fahrrad unterwegs war. Die Polizei bittet nach wie vor Personen, die Angaben dazu machen können, wo sich Robert P. aufhält, sich zu melden.

Die Ermittler sind erreichbar unter der Telefonnummer 02821 5040.

Quelle: RP
 
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