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Rees
Tischlerbetrieb mit hohen Ansprüchen

Rees: Tischlerbetrieb mit hohen Ansprüchen
Tischlermeister Richard Iding (l.) bildet seit 1. September den Niederländer Tom Sanner (2.v.l.) aus. Auch Steven Hübers und Jan Aengenvoort absolvieren eine dreijährige Lehre in der Werkstatt an der Empeler Straße. FOTO: Michael Scholten
Rees. Drei Gesellen, drei Azubis - darunter ein Niederländer - und drei Aushilfen arbeiten für Richard Iding. Von Michael Scholten

Tischlermeister Richard Iding stellt hohe Ansprüche an jedes Produkt, das seinen Betrieb an der Empeler Straße 121 verlässt: "Qualität ist das, wenn der Kunde wiederkommt und nicht das Produkt" steht auf einem Schild, das hoch über den Maschinen und Regalen angebracht ist. Drei Gesellen, drei Auszubildende und drei Aushilfen arbeiten für den 52-jährigen Bocholter, der 1990 nach Rees kam und die Tischlerei Erich Thissen an der Gartenstraße übernahm. 2002 erfolgte der erste Spatenstich für die großräumige Werkstatt mit Büros und Ausstellungshalle im Gewerbegebiet, gleich neben dem Kreisverkehr nahe der B 67.

Hohe Ansprüche stellt Richard Iding an seine Auszubildenden - und das beißt sich immer öfter mit dem Bildungsniveau und dem Arbeitswillen vieler Schulabgänger. Bei praktischen und theoretischen Tests, die er seine Bewerber absolvieren lässt, zeigt sich nicht selten, dass Schulnoten stark an Aussagekraft verloren haben: "Ich kann mir nicht erklären, dass jemand eine Drei in Mathematik hat, aber an einer simplen Bauzeichnung scheitert", sagt der Tischlermeister.

Schon jetzt sucht Richard Iding auf seiner Internetseite tischlerei-iding.de nach einem Auszubildenden für den 1. August 2017. Die Bewerbungen sollten idealerweise bis Januar 2017 verschickt werden, doch Iding ist inzwischen gewohnt, dass viele Entlasssschüler nicht vor Mai aktiv werden. Als Motivation für den Berufswunsch Tischler werden dann mitunter lapidare Gründe angeführt wie "Ich habe meinem Vater mal geholfen, Laminat zu verlegen, das hat Spaß gemacht."

Der Westfale erwartet aber mehr von seinen künftigen Mitarbeitern: "Beruf kommt von Berufung. Da muss man selbstständig denken und arbeiten können und eine schnelle Auffassungsgabe besitzen", sagt Richard Iding. Am 1. September hat er einen jungen Mann eingestellt, der diese Kriterien erfüllt. Das Besondere an Tom Sanner ist, dass er aus Eindhoven kommt. "Obwohl wir in der Grenzregion leben, ist es nach wie vor selten, dass ein Niederländer seine Ausbildung in Deutschland oder ein Deutscher seine Ausbildung in den Niederlanden macht", sagt Iding. Erleichtert wird Tom Sanners Ausbildung dadurch, dass er im August mit seiner Freundin nach Kleve gezogen ist und nun unter einer deutschen Adresse gemeldet ist.

Da die Tischlerei Iding viele Kunden im Nachbarland hat, bildet der Chef den jungen Niederländer umso lieber aus und möchte ihn nach der dreijährigen Ausbildung gern behalten. Alle Gesellen und Aushilfen, die heute für Iding arbeiten, hat er selbst ausgebildet. Drei weitere seiner bislang 21 Azubis sind heute selbst Tischlermeister oder stehen als Gesellen ihren Mann. Auch Idings Sohn Alexander (19) absolviert derzeit eine Ausbildung, allerdings nicht im väterlichen Betrieb, sondern bei der Reeser Tischlerei Elbers an der Weseler Landstraße.

"Schon mein Berufsschullehrer hat mir gesagt, dass wir in einem der schönsten, aber auch schwersten Berufe arbeiten", sagt Iding, der nicht nur Tischlermeister ist, sondern auch Betriebswirt des Handwerks. Sein Studium an der Akademie Raesfeld schloss er 1991 ab. Gern motiviert er auch Abiturienten, ihre Karrierechancen in Handwerksberufen zu nutzen. "Einen meiner Azubis habe ich vom Studium weggeholt", lacht der Meister. "Er finanzierte sich sein Studium als Aushilfe bei uns und merkte schnell, dass ihm die Arbeit deutlich besser gefällt als sein Studium. Der Ausbildungsplatz war zwar schon vergeben, aber für ihn habe ich gern einen zweiten Platz geschaffen."

Die Tischlerei stellt nicht nur Möbel und Inneneinrichtungen her, sondern übernimmt auch besonders kreative Aufträge für Ladenbau, Küchenbau und Messebau. Aktuell entsteht in der Werkstatt ein bayrisches Wirtshaus aus rustikaler Eiche, in Auftrag gegeben von einer Möbelhauskette, die ab 2017 in Köln neue Wege in der Kundengastronomie gehen will. Auf Reeser Boden hat die Tischlerei Iding zuletzt am Umbau des Halderner Depots mitgearbeitet, in dem mittelfristig mehrere hundert Flüchtlinge untergebracht werden sollen.

Iding ist sich unsicher, ob diese Flüchtlinge künftig den Fachkräftemangel im deutschen Handwerk ausgleichen können: "Da sehe ich eher Chancen in der Industrie und Fließbandarbeit. Denn ein kleiner Handwerksbetrieb wie wir lebt vom engen Kontakt mit den Kunden. Da ist die Sprache genauso wichtig wie das Handwerk selbst."

Quelle: RP
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