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Emmerich
Trauer um Manfred Otten

Emmerich. Der Ur-Emmericher ("Mannis Kleines Museum") starb am Samstag im Alter von 81 Jahren. Von Markus Balser

Wenn es jemanden gibt, auf den der Begriff "Emmericher Urgestein" zugetroffen hätte, dann wäre es wohl Manfred Otten gewesen. Otten, geboren 1934, war Emmericher durch und durch, ein stadtbekanntes Original. Man bezeichnete ihn auch als das Gedächtnis der Stadt, weil er jahrzehntelang leidenschaftlich und mit viel Akribie Zeitungsausschnitte und Bilder über seine Heimatstadt sammelte, die größtenteils schon historischen Wert haben.

"Manni", wie er von allen genannt wurde, die ihn kannten, war aber nicht nur Sammler, sondern auch selbst als Chronist seiner Heimatstadt aktiv. Kaum ein Ereignis in Emmerich fand ohne ihn statt. Stets bewaffnet mit seiner Kamera hielt er das Geschehene für die Nachwelt fest. Vom Karneval bis zum Stadtfest, vom Abriss eines alten Gebäudes bis zur Einweihung eines neuen - wo in Emmerich was los war, da war auch der Heimatforscher aus Leidenschaft mit seiner Minolta nicht weit.

Um die 500 Ordner, gefüllt mit Zeitungsartikeln und Fotografien, standen in Schränken und Regalen in seinem Wohnzimmer und Keller, bevor sie vor drei Jahren an der Steinstraße 9 untergebracht wurden. "Mannis Kleines Museum" war geboren. Mit Hilfe des ehemaligen Bürgermeisters Johannes Diks und des Ex-Sparkassen-Chefs Horst Balkmann konnte sich Manni Otten diesen späten Lebenstraum erfüllen. Und auch vielen anderen weiterhelfen. Denn wer Historisches über seine Heimatstadt entdecken möchte, ist hier nach wie vor richtig. Das Museum wird bereits seit einiger Zeit von ehrenamtlichen Helfern geführt.

Otten, der im Jahr 2010 die Ehrenplakette der Stadt Emmerich verliehen bekam, organisierte aber auch viele Ausstellungen, vor allem im Willibrord-Spital, veröffentliche gemeinsam mit Bernd Schugt das unterhaltsame Buch "Gaststätten in Emmerich", in dem das Leben im "alten Emmerich" noch einmal aufblüht und war ein passionierter Vereinsmensch: Der pensionierte Gärtnermeister war unter anderem Mitglied in drei Schützenvereinen, bei der KAB St. Martini, beim Männergesangsverein, Geschichtsverein, Geflügelzucht- und Reiterverein bei Rheingold, in der CDU und nicht zuletzt beim GECK.

Eine besondere Verbindung pflegte Otten auch zum Emmericher Krankenhaus. Zahlreiche Erkrankungen und große Operationen führten ihn durch fast alle Abteilungen des Hauses. Über 30 Klinikaufenthalte ließ er allein hier über sich ergehen. Und nahm es immer mit Humor, denn Otten war auch ein leidenschaftlicher Witze-Erzähler. "Ein Tag, an dem man nicht lacht, ist ein verlorener Tag", sagte er einmal der RP, die er oft mit historischen Geschichten über Emmerich versorgte.

In den letzten Jahren spielte dann die Gesundheit jedoch immer weniger mit. Vor kurzem erkrankte er schwer und kam nicht mehr auf die Beine. Am Samstag ist er im Alter von 81 Jahren gestorben. In wenigen Tagen, am 6. September, hätte Manfred Otten seinen 82. Geburtstag gefeiert. Und auch da hätte es bestimmt wieder einiges zu lachen gegeben. Jetzt wird er wohl an diesem Tage beerdigt.

Quelle: RP
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