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Emmerich
Über das große und kleine Glück

Emmerich. Präses Manfred Rekowski predigte in der St. Martinuskirche Elten.

Ökumene wird in der St.-Vitus-Gemeinde groß geschrieben. Sie konnte nach Nikolaus Schneider 2012 mit Manfred Rekowski nun den zweiten Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland begrüßen. Rekowski predigte in der gut gefüllten St. Martinus-Kirche über Psalm 73,28a "Gott nahe zu sein, ist mein Glück".

Die Vesper mit Rekowski und Pfarrer Theo van Doornick war ein Highlight innerhalb der Ökumenischen Glaubenstage 2016 und wurde musikalische umrahmt vom Musikverein Elten unter der Leitung von Horst Derksen. Als der letzte Akkord des Bläck-Fööss-Hits "Du bess die Stadt" verklungen war, bestand im Pfarrheim die Gelegenheit, mit dem prominenten Gastredner ins Gespräch zu kommen, zu dem Gregor Pollmann vom Sachausschuss Ökumene und Liturgie auch den "kompletten evangelischen Hochadel" begrüßen konnte, darunter Superintendent Thomas Brödenfeld (Wesel).

Auch in der Gesprächsrunde ging es - unter anderem - um den aktuellen Stand in Sachen Ökumene. Und um die ist es gar nicht so schlecht bestellt bei allen Differenzen in der Lehre. Praktische Schritte brächten beide Konfessionen näher zusammen. Als Beispiel nannte Rekowski ein gemeinsames Hospizprojekt in seinem Wohnort Wuppertal, das Stadt und beide Kirchen alleine finanziell nicht hätten stemmen können. Solche gelebte ökumenische Praxis stimmt Rekowksi optimistisch über die weitere Zukunft der Ökumene: "Wir werden vielleicht überrascht werden."

In seiner Predigt hatte der 58-Jährige zuvor vor überzogenen Erwartungen an das ganz große Glück gewarnt. Die Ratgeberliteratur fülle ganze Regalmeter: "Das ist eine ganze Branche." In der Gesellschaft nehme der Druck zu, dauerhaft glücklich sein zu müssen mit Beruf, Ehe oder Körper. Dadurch würde auf viele Menschen ein regelrechter "Glücksdruck" ausgeübt, der ebenso schädlich sei wie zu hoher Blutdruck. Es gebe sogar so etwas wie eine "Diktatur des Glücks", die Menschen zu Getriebenen mache. Dem stellte er das Glaubensglück entgegen. In der Bibel werde Glück als "Nähe Gottes gut für mich" umschrieben. Dieses Glück führe nicht garantiert zu Erfolg und Gesundheit, vielmehr gelte: "Auch am Ende, wenn die Kräfte des Leibes und des Gemütes zerbrechen oder sogar auseinanderfallen, gibt es noch Bleiberecht und Wohnung, gibt es Asyl bei Gott für die, die auf der Flucht sind oder was auch immer." Es sei ein Glück trotz manch schwerer Lebenserfahrung, es sei ein Dennoch-Glück.

Die Ökumenischen Glaubenstage 2016 zum Thema "Macht Gott glücklich? - der Mehrwert des Glaubens" klingen heute um 19 Uhr aus mit dem ökumenischen Kreuzweg als Abschlussgottesdienst in der Hüthumer St.-Georg-Kirche.

(nk)
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