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Emmerich
Verblüffende Modelle aus Karton

Emmerich: Verblüffende Modelle aus Karton
Gucken, entdecken und staunen können die Besucher bei der neuen Ausstellung im Rheinmuseum. Mehr als 200 Modelle aus Pappe sind zu sehen. FOTO: Thorsten Lindekamp
Emmerich. Unter dem Titel "Alles Pappe?!" wurde gestern eine sehenswerte Ausstellung im Rheinmuseum eröffnet.

Schützend ist die "Mark Twain" hinter Glas verpackt. Es wäre auch zu schade, wenn das Modell des Mississippi-Heckraddampfers durch eine Unachtsamkeit kaputt gehen würde. Unzählige Arbeitsstunden stecken in dem Modell, das gestern viele bewundernde Blicke erntete. "Beeindruckend", "faszinierend" und "was für eine detailreiche Arbeit" waren nur einige der Aussprüche, die den Mündern der staunenden Besucher entglitten. Über 50 hatten sich gestern zur Eröffnung der neuen Ausstellung "Alles Pappe?!" im Rheinmuseum eingefunden. Wer kam, wurde belohnt. Denn dank des schier unendlichen Detailreichtums der Kartonmodelle gab es im Ausstellungsraum des Museums viel zu entdecken.

So etwa, dass das Modell der "Mark Twain" nicht nur aus den ausgeschnittenen Modellbögen besteht, sondern unter anderem auch aus 62 kurzen Stecknadeln für die Fähnchen, verschiedenen Garnen für die Kräne sowie Schaschlik-Spießen und Zahnstochern für die Fahnenmaste. Um ein solches Kunstwerk entstehen zu lassen, braucht es vor allem "eine ruhige Hand und viel Geduld", weiß Modellbauer Koen Berfelo aus Arnheim. Dessen Vater hat übrigens in den 50er und 60er Jahren die Bögen für den Kartonmodellbau in den Niederlanden gefertigt. Sein Sohn baut immer noch mit viel Freude Modelle der unterschiedlichsten Formen.

Über 200 Stück von 15 Erbauern zeigt die Modellsportgemeinschaft Duisburg in Emmerich. "Zu sehen sind nicht nur Schiffe", so Museumsleiter Herbert Kleipaß. Lokomotiven, historische Bauten und Dinosaurier aus Pappe - alle natürlich im Miniaturformat - können begutachtet werden. Seit dem 17. Jahrhundert gibt es schon den Kartonmodellbau, also die Kunst, aus einem flachen, bedruckten Bogen durch Schneiden, Knicken und Kleben ein Objekt zu erschaffen. Vor allem in den 50er und 60er Jahren war der Kartonmodellbau bei Jungen zwischen zwölf und 18 Jahren beliebt. "Damals wurden vor allem die Wilhelmshavener Schiffs- und Flugzeugmodelle gebaut, die man sich von seinem bescheidenen Taschengeld ab und zu leisten konnte", erinnert sich auch der Weseler Kartonmodellbauer Hans-Josef Krings.

Diese alten Schiffsmodelle zogen auch im Rheinmuseum die Blicke auf sich. Und ließen manchen Besucher in Erinnerungen schwelgen. Wer es noch einmal mit dem Kartonbau probieren mochte, konnte sich kostenfrei auch gleich ein paar bedruckte Bögen mitnehmen.

(seul)
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