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Emmerich
Verein plant Freilichtmuseum in Diersfordt

Emmerich: Verein plant Freilichtmuseum in Diersfordt
FOTO: bRUNS zEITSPRÜNGE
Emmerich. Der Weseler Peter Bruns will mit dem Verein Zeitsprünge ein Museumsprojekt realisieren. Jetzt geht er an die Öffentlichkeit. Von Sebastian Peters

Es wäre die erste Freilicht-Ausstellung aus frühmittelalterlicher Zeit am Niederrhein: Der Weseler Peter Bruns plant ein Open-Air-Museum zur Geschichte der frühmittelalterlichen Besiedlung am Niederrhein. Bruns ist Vorsitzender des Weseler Vereins Zeitsprünge. Bei einer Tagung am Freitag, 8. September (16.45 Uhr, vor dem Frühmittelalter-Markt Schloss Diersfordt) will Bruns seine Idee präsentieren. "Das Freilichtmuseum soll das rechtsrheinische Pendant zum Römermuseum in Xanten werden", sagt der 47-Jährige, der als Heilpädagoge arbeitet und in seiner Freizeit archäologisch tätig ist. Dafür ist er schon mit dem Rheinland-Taler ausgezeichnet worden.

Peter Bruns hat die Kosten überschlagen und rechnet in seinem vorgelegten Exposé mit 665.000 Euro Investitionen. Das Freilichtmuseum soll in Nachbarschaft des Schlosses Diersfordt in Form einer frühmittelalterlichen Hofanlage mit Handelsplatz und Bootsanlagesteg entstehen. Als Standort ist eine 20.000 Quadratmeter große, zur Kiesabgrabung vorgesehene Ackerfläche vorgesehen. Bis 2018 will Bruns die Genehmigung haben, Ende 2023 könne das Projekt abgeschlossen sein.

Basis seiner Idee ist das 1966 entdeckte Gräberfeld aus frühmittelalterlicher Zeit in Bislich. Von 1972 bis 1974 konnten dort 800 Gräber aus dem fünften bis neunten Jahrhundert freigelegt werden, schreibt Bruns in seinem Exposé. Es ist eines der größten Gräberfelder im Rheinland, von Wert sind besonders die Grabbeigaben, die dokumentieren, das die Beigesetzten Mitglieder der Oberschicht waren. "Obwohl schon vor 50 Jahren entdeckt, wird das Gräberfeld erst in den nächsten Jahren wissenschaftlich aufgearbeitet", sagt Bruns. Bisheriger Forschungsstand sei, dass nach dem Verschwinden der Römer am Niederrhein die kleinen fränkischen Fürsten nicht mehr von Xanten (Colonia Ulpia Traiana), sondern von Bislich aus die Region verwaltet hätten. Der germanische Stamm der Franken wurde europäische Großmacht, aus ihm gingen letztlich auch Deutschland und Frankreich hervor. Bei Bislich müsse es sich um den untergegangenen Ort Lippeham handeln, der in den fränkischen Reichsannalen wiederholt erwähnt wird. Weiter soll im Freilichtmuseum das Wirken der Friesen und der Wikinger am Niederrhein dargestellt werden.

Oben: Szene aus dem Buch "Römer und Franken am Niederrhein". Rechts: Die Karte zeigt den Standort des geplanten Museums am Waldsee, wie es sich Hobbyarchäologe Peter Bruns vorstellt. FOTO: Exposé/Reichmann

Peter Bruns glaubt, mit seinen Plänen in eine Lücke zu stoßen: "Bisher gibt es im Rheinland zur Geschichte der Römer das Freilichtmuseum in Xanten, zur Geschichte des Spätmittelalters die Freilichtmuseen in Kommern und Grefrath. Zur Geschichte der Franken am Niederrhein gibt es aber im Rheinland bisher nichts." Das nördliche Stadtgebiet von Wesel bilde ideale Voraussetzungen für eine Präsentation dieser Zeit. Bruns weist auch auf die zeitlich günstigen Umstände hin: Im Jahr 2021 würden das römische Marschlager im Flürener Feld und das frühmittelalterliche Gräberfeld in Bislich zum Unesco-Welterbe gehören. Beides biete Anknüpfungspunkte für die Veranschaulichung in einem Freilichtmuseum, sagt Bruns, der damit nicht zuletzt auch ein geschäftlich-strategisches Interesse verfolgt: Am Schloss Diersfordt organisiert er den jährlichen Frühmittelaltermarkt, der am 9. und 10. September wieder über die Bühne geht.

Mit der Politik in Wesel hat Bruns Gespräche geführt. Ebenso wie vom Landschaftsverband Rheinland gebe es positive Signale. Bruns plant mit vier Säulen der Finanzierung: Durch ehrenamtliche Arbeit des Vereins sollen 10.000 Arbeitsstunden geleistet werden, durch den Frühmittelaltermarkt sollen 60.000 Euro zusammenkommen. Mit Fundraising will er 20.0000 Euro einsammeln. Er denkt auch an Kulturfördermittel vom LVR und der Leader-Region und bewegt sich hier im Rahmen von 140.000 Euro.

FOTO: Bosmann Jürgen
Quelle: RP
 
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