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Rees
Vollschranken sind sicherer

Rees. Aus einer Statistik des TÜV Süd im Auftrag der DB Netz AG geht hervor, dass sich an Halbschrankenanlagen mehr Unfälle mit Fußgängern als an vollbeschrankten Bahnübergängen ereignen. Von Markus Balser

Das Unglück, bei dem am Montag vergangener Woche eine 41-Jährige in Millingen getötet wurde, sorgt immer noch für Gesprächsstoff. Wie berichtet, hatte die Joggerin die geschlossene Halbschranke am Bahnhof umlaufen und war von einem Zug erfasst worden. Die Frage, die sich viele in diesem Zusammenhang stellen: Ist die Unfallfgefahr an Halbschrankenanlagen generell größer als von vollbeschrankten Bahnübergängen?

Nein, sagt die Bahn, doch eine Statistik, die der TÜV Süd aus München im Jahr 2007 im Auftrag der DB Netz AG erstellte, gibt darauf eine andere Antwort. Das Papier liegt der RP jetzt vor. Gleich zu Beginn heißt es dort: "Bei der Sicherungsart Halbschranken haben sich die Unfallzahlen gegenüber zum Vorjahr um ca. zehn Prozent erhöht; gleichzeitig ist die Zahl der Halbschrankenanlagen nahezu konstant geblieben."

Unfälle enden meist tödlich

Aufschlussreich sind dabei auch Zahlen, die sich speziell mit Unfällen von Fußgängern befassen. Sie ereigneten sich demnach am häufigsten an Halbschrankenanlagen. In 2007 gab es zwölf derartige Unfälle, nur zwei hingegen an Bahnübergängen mit Vollschranken. In der Regel endeten sie alle tödlich.

Was der Bericht auch feststellt: In der überwiegenden Mehrzahl der Unglücke – zu 98 Prozent – haben motorisierte Verkehrsteilnehmer, Radler oder Fußgänger den Unfall selbst verursacht. "Hierbei handelt es sich um ein Fehlverhalten der Straßenverkehrsteilnehmer", urteilt der TÜV. Ein "Fehlverhalten", das durch die Art des Bahnübergangs provoziert wird?

Bahnsprecher Gerd Felser glaubt das nicht. "Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nirgends", sagte er gestern der RP. Er hält dagegen, dass auch an Vollschranken Unfälle möglich seien, die es aber an Halbschranken nicht geben könne. Zum Beispiel dadurch, dass Verkehrsteilnehmer, die bei schließenden Schranken den Bahnübergang auf den letzten Drücker passieren wollen, eingeschlossen würden. Wo welche Sicherungsart der Übergänge zum Einsatz käme, regele das Eisenbahnkreuzungsgesetz. "Da geht es um Verkehrsströme, die den Übergang passieren und die Frequenz von Zügen", so Felser.

Außerdem, so der Bahnsprecher weiter, seien die Schließzeiten an Vollschranken aus technischen Gründen länger und ihr Bau teurer. So koste eine durchschnittliche Vollschrankenanlage etwa eine Million Euro, ein halbbeschrankter Bahnübergang nur die Hälfte.

Quelle: RP
 
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