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Erinnerungen Teil I
Vom Leben auf dem Bauernhof

Erinnerungen Teil I: Vom Leben auf dem Bauernhof
FOTO: Clemens Reinders
Emmerich. Johanna Köster erzählt vom Landleben in der Bauerschaft Wittenhorst bei Haldern. Ihre Erinnerungen sind ein wehmütiger, aber kein verklärter Abgesang auf das bäuerliche Leben in den 1930er und 1940er Jahren am Niederrhein. Von Clemens Reinders (Text und Fotos)

Haldern "Wir sind die letzten jener Generation, die noch als Kinder das bäuerliche Leben vor dem Zweiten Weltkrieg miterlebt haben", beginnt Johanna Köster ihren Aufsatz. Als die heute 86-jährige Haldernerin im Sommer 2012 zur Feder greift, ist dies ihr Debüt als Autorin. Nie zuvor hat sie geschrieben. Doch jetzt verspürt sie Lust, ihre Erinnerungen mit anderen zu teilen und der Welt etwas zu hinterlassen. "Wenn wir uns mit allen Sinnen noch einmal die Vielzahl der Eindrücke ins Bewusstsein zurückrufen", schreibt Johanna Köster, dann tauchen unvergessliche Momente auf: Bilder, Geräusche, Klänge und Gerüche von damals. "Dann erinnere ich mich an den Anblick des metallisch schillernden Fasanenhahns am Feldrain, an die mit purrendem Geräusch auffliegenden Rebhuhnketten, an das Rasseln der Ketten, wenn die Kühe sich im Stall wiederkäuend in das frisch aufgeschüttete Stroh zur Ruhe legten, an den Duft frisch gemähten Grünfutters, den Duft des Klees und an jenen des zum Heuen gemähten Grases, an die zwitschernden Schwalben im Schweine- und Kuhstall und an das Rauschen, wenn der Regen im Garten auf die großen Stangenbohnenblätter fiel."

Ihr Text ist ein wehmütiger Abgesang auf das bäuerliche Leben in den 1930er und 1940er Jahren. Allerdings hat Johanna Köster nicht den verklärenden Blick eines außenstehenden Betrachters, wie man argwöhnen könnte. Nein, sie ist selbst ein Bauerkind, aufgewachsen auf einem kleinen Gehöft in der Wittenhorst, sechs Kilometer vom Dorfkern Halderns entfernt. Im Vorderhaus lebt das Bauernpaar, dazu ein Bub und zwei Mädel. Unter demselben Dach im Hinterhaus hält man vier bis fünf Kühe, acht Schweine, rund 30 Hühner.

Die Familie hat ein gutes Auskommen; für Müßiggang und Schwärmereien allerdings bleibt kaum Zeit. Dass die Kinder schon früh auf dem Hof mit anpacken ist eine Selbstverständlichkeit.

Beim Rübenvereinzeln legt Vater Heinrich Köster großen Wert darauf, dass die Reihe der Feldarbeiter immer in gerader Front über das Feld robbt. Rüben vereinzeln, Getreide-Garben binden, die Pferde vor der Mähmaschine steuern, das sind Feldarbeiten, die auch die heranwachsenden Mädchen schon übernehmen müssen. Ansonsten bleibt für die Schwestern Hedwig und Johanna jede Menge in Haus und Garten zu tun: vor allem Kartoffeln schälen für mittags und abends, den Tisch decken, abräumen und spülen, jeden Samstag die Küchenschränke mit frischem Papier auslegen, den Kohlenkasten unterm Herd auffüllen, Kleinholz hacken für den Herd, die Wasserkübel in den Weiden vollpumpen und vieles mehr.

"Tiere füttern brauchten wir Mädchen nicht", erzählt Johanna Köster, "nur einmal, ich kann mich gut daran erinnern, dass unsere Kühe Maul- und Klauen-Seuche hatten. Und wir waren so erzogen worden, dass wir unsere Tiere liebhaben mussten. Das haben unsere Eltern uns vorgelebt, und wir haben das ganz selbstverständlich übernommen. Da wurden dann lange schmale Rübenstücke geschnitten, und wir haben sie den Kühen weit hinten ins Maul geschoben, dorthin wo sie noch kauen konnten."

NACH DEM AUFSATZ: "KINDHEITSERINNERUNGEN AN DAS LANDLEBEN IN DER WITTENHORST" VON JOHANNA KÖSTER (FOTO), HALDERN, 2012. CLEMENS REINDERS FÜHRTE ZUDEM MEHRERE TONBANDINTERVIEWS MIT DER HEUTE 86-JÄHRIGEN.

Quelle: RP
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