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Rees
Von alten Schachteln und neuen Hüften

Rees: Von alten Schachteln und neuen Hüften
Im Schatten der Empeler Burgruine trat die Kölnerin Monika Blankenberg beim Klappstuhl-Kabarett-Abend auf und philosophierte dort bissig über das Altern und seine Begleiterscheinungen. Bei den Besuchern kam das gut an. FOTO: van Offern, Markus (mvo)
Rees. Der Klappstuhl-Kabarett-Abend mit Monika Blankenberg in der Empeler Burgruine war ein voller Erfolg. Von Michael Scholten

Passender hätte die Kulisse für das neue Programm der Kabarettistin Monika Blankenberg kaum sein können: Während die Kölnerin bissig über das Altern und all seine Begleiterscheinungen philosophierte, bewies im Hintergrund die Empeler Burgruine, dass man trotz aller Jahre, Schäden und Ersatzteile noch immer höchst attraktiv und würdevoll sein kann. Als die alten Mauern schließlich im Scheinwerferlicht erstrahlten und "Oma Anna" die finale Verbalkeule gegen Jugendwahn und Schönheitschirurgie schwang, erkannte auch der letzte der 130 Besucher: Der Klappstuhl-Kabarett-Abend, den der Heimatverein Millingen-Empel einmal pro Jahr in Peter Landers' Burgruine veranstaltet, ist eine echte Bereicherung der Reeser Kulturlandschaft.

Dass Blankenberg in Empel auftrat, ergab sich durch einen Zufall: Der Heimatverein unternahm seine Jahresreise nach Regensburg, besuchte dort ein Kellertheater und war von Blankenbergs Programm so begeistert, dass die Vereinsvorsitzende Monika Michelbrink-Roth sie an den Niederrhein einlud.

Dort präsentierte sie nun bei perfektem Open-Air-Wetter das Programm "Altern ist nichts für Feiglinge Vol. II". Sie wetterte gegen die Kosmetikindustrie, ausufernde Ratgeber-Literatur und auch gegen Bauarbeiter, die heute einfach weiterarbeiten, wenn "ein Schlachtschiff wie ich" an ihnen vorbeiläuft. "Als ich jung und knackig war, gab es an jeder Baustelle ein Pfeifkonzert. Ich dachte: Mein Gott, wie primitiv, aber fühlte mich geschmeichelt." Sie sei nun in einem Alter, in dem sie Anlauf nehmen müsse, wenn sie alle Kerzen auf dem Geburtstagskuchen auspusten wolle. Und bei jeder neuen Falte, die im Spiegel sichtbar wird, frage sie sich: "Warum sind die immer im Gesicht? Ich habe doch so viel Körper!"

Frei nach dem Motto "Der Pessimist altert, während der Optimist lebt" bot Blankenberg einen kurzweiligen Streifzug durch die Jahrzehnte des Lebens, von der Wiege bis zum Sarg.

Der 30. Geburtstag sei der größte Schock für die Hälfte aller Frauen, vor allem, wenn sie bis dahin keine Karriere, keine Kinder und keinen Kerl hätten, es also "zu nichts gebracht" haben. Mit 40 Jahren gehöre man dann endgültig in den Club der alten Schachteln, aber auch der alten Säcke. Allerdings hat Blankenberg festgestellt, dass das Altern nichts für Männer ist: "Das macht meine Frau."

Wenn die männliche Selbsterkenntnis dann doch mit 60+ einsetzt, "zieht der Mann sich einen Porsche an" und setzt sich Frischfleisch auf den Beifahrersitz. Er kann sich aber auch zum faulen Gegenteil entwickeln: Dann verwachsen Männer fest mit dem heimischen Sofa, tragen Feinripphemden und zwängen sich in Jogginghosen aus den 70er-Jahren, die langsam zum Muschelsack werden. Sexualität kennen diese Exemplare nur noch aus dem Nachtprogramm der Sportsender.

Inspiriert von ihrer Oma, die immerhin 92 Jahre alt wurde, schlüpfte Blankenburg fürs Finale in Empel in die Rolle der herrlich verschrobenen Oma Anna, die morgens ihre Zähne und ihr Hörgerät finden muss, bevor sie sich fragen kann, wo bloß ihre Brille ist. Neben fünf Kindern, sechs Enkeln und drei Urenkeln hat Oma Anna ein Hüftleiden, doch leider gönnt die Politik ihr aus Kostengründen kein neues Hüftgelenk. Umso heftiger habe sie unlängst ihrem Arzt gedroht: "Herr Doktor, damit eins klar ist: Ich sterbe erst, wenn ich die neue Hüfte habe. Und der weiß, dass ich stur sein kann."

Quelle: RP
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