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Rees
Von Flößern und Rhinkiekern am Fluss

Rees: Von Flößern und Rhinkiekern am Fluss
Rees. Erwin Roos wurde 1931 in der Reeser Oberstadt geboren. Über die Reeser Geschichte und Geschichten führt er seit vielen Jahren akribisch Buch. Gemeinsam mit der RP blickt der Ehrenmajor des Tambourcorps Rees diesmal blickt er auf die Rheinschifffahrt und seine Erlebnisse am großen Fluss.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich meiner Mutter dabei half, die Bettwäsche am Rhein zu bleichen. Unterhalb des heutigen Kolpinghauses wurde die Wäsche auf dem Rasen ausgebreitet. Ich nahm auf einer Bank Platz und passte auf, dass nichts geklaut wurde. Damit die Textilien in der Sonne nicht verbrannten, mussten sie immer wieder angefeuchtet werden. Dafür ging ich mit der Gießkanne zum Bootssteg des Ruderclubs, schöpfte Wasser und machte die Wäsche wieder nass - bis meine Mutter kam und sie abholte.

Vor dem Zweiten Weltkrieg sah man auf dem Rhein keine Motorschiffe oder Schubverbände, aber Frachtkähne ohne Eigenantrieb, die von einem Schlepper gezogen wurden. Es waren oft fünf bis sechs Kähne, die im Schlepp hingen, verbunden von Schiff zu Schiff mit Stahltrossen.

Oben: Carl Bonnert fotografierte das frühe Nachkriegs-Rees vom linken Rheinufer.

Weil zur damaligen Zeit die Kähne noch nicht mit einer Radaranlage ausgerüstet waren, musste man bei Anbruch der Dunkelheit vor Anker gehen. Der ganze Geleitzug musste auf dem Fluss wenden, wenn er auf Talfahrt war, und nach und nach gegen den Strom Anker werfen. So konnte man im Sommer, wenn man in der Nähe des Rheins wohnte, die Ankerketten rattern hören.

Ich weiß noch, wie die Frachtschiffe am unteren Kai gelöscht wurden, zum Beispiel für die Firmen Oldenkott, Dobbelmann und Wentges. Aber auch jede Menge Kies wurde dort ausgeladen. Was in Säcken angeliefert wurde, schleppten sogenannte "Sackendräger" von den Schiffen. Dabei mussten die Heuerleute über schwankende Bretter balancieren. Mit dem Sack auf den Rücken, war das keine leichte Arbeit. Auch die Rhinkieker halfen gegen Bares beim Löschen der Ladung. Am Kai stand dann ein Pferdefuhrwerk für den Weitertransport.

Nach dem Krieg, als die Firma Wentges die Viehfutterproduktion wieder aufnahm, wurden die Frachtkähne mit einer Laufkatze entladen. Heute steht an dieser Stelle das Rheinpark Hotel.

Auf dem Rhein sah ich damals noch große Flöße. Sie bestanden aus Baumstämmen, die im Schwarzwald zusammengebunden wurden und dann flussabwärts bis Holland trieben, wo sie umgeladen wurden. Ein Schlepper zog das ganze Ungetüm, um es vorn in der Spur zu halten. Am Ende dieses schwimmenden Holzgefährts waren zwei Ruder aufgebockt, die vom Begleitpersonal bedient wurden, um das Floß in und durch die Fahrrinne zu geleiten. Eine Holzhütte auf dem Schwimmkörper diente als Wetterschutz.

Als Kinder liefen wir auf die Kribbenköpfe, um den Flößern aus der Nähe zuwinken zu können.

Die Köln-Düsseldorfer Rheindampfschifffahrtsgesellschaft hielt bis in den Krieg hinein einen Linienverkehr von Düsseldorf bis Emmerich aufrecht. Einige Tage in der Woche fuhr dieser Schaufelraddampfer diese Strecke, ich habe ihn oft gesehen. Die Abfahrt erfolgte ab dem Schlossturm in Düsseldorf um 8 Uhr, das Boot legte dann um 13.40 Uhr in Rees am Steiger an.

Im Jahr 1940 hatten meine Mutter, meine Schwester und ich selbst mal die Gelegenheit, an so einer Niederrheintour teilzunehmen. Nach dem Krieg wurde diese Linie der KD eingestellt.

Zusammengefasst von Michael Scholten

Quelle: RP
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