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Emmerich
Wartet hier ein gutes Geschäft?

Emmerich: Wartet hier        ein        gutes   Geschäft?
RP-Foto: Christian Hagemann FOTO: Hagemann
Emmerich. Um den neuen Standort der Emmericher Rettungswache hat sich hinter den Kulissen ein Tauziehen entwickelt. Es geht auch um finanzielle Interessen. Von Christian Hagemann

Ein Standort für die Rettungswache ist bislang offiziell beraten worden: die Fulkskuhle. Seit Bekanntwerden der Betuwe-Pläne vor mehr als 20 Jahren ist die Fläche planerisch totes Land. Die Nähe zur Bahn machte eine Bebauung beinahe unmöglich.

Bis jetzt.

Denn jetzt tauchte der Vorschlag auf, die Emmericher Rettungswache dorthin zu verlegen. Der Kreis Kleve ist auf der Suche nach einer neuen Fläche, um die Rettungwache größer zu bauen. Das muss geschehen, weil die Arbeit der Rettungskräfte deutlich zugenommen hat.

So sind für die Emmericher Rettungswache für die Zukunft 40 Stellen eingeplant. Dafür braucht es entsprechende Gebäude und Grundstücke. Das gibt es an der Fulkskuhle, 4000 Quadratmeter stehen dort zur Verfügung.

So kam es vor einigen Wochen zu einer Vorlage im Ausschuss für Stadtentwicklung mit dem Vorschlag Fulkskuhle. Eigentlich eine gute Idee, könnte man meinen. Für eine andere Nutzung käme das Areal wohl kaum in Frage. Und günstig wäre es für die Stadt ebenfalls. Der Preis wird mit 35 Euro pro Quadratmeter berechnet. Für die Stadt wäre das eine vergleichsweise günstige Möglichkeit, dem Kreis eine Fläche zur Verfügung zu stellen.

Doch die Diskussion ging in eine andere Richtung. Während der Betuwe-Bauzeit sei das Überqueren des Bahnübergangs an der 's-Heerenberger Straße nicht möglich. Danach gebe es vermutlich gar keinen mehr. Das könne doch keine schnelle Erreichbarkeit aller Ortsteile oder auch des Krankenhauses bedeuten. Die Bürgergemeinschaft Emmerich (BGE) jedenfalls bat darum, noch nicht zu entscheiden. Man habe weiteren Beratungsbedarf.

Guter Tradition folgend stimmten die anderen Fraktionen im Ausschuss dieser Pause zu. Was in der öffentlichen Sitzung nicht gesagt wurde: Es gibt politische Kreise, die das Gelände der Sparkasse Rhein-Maas gegenüber von "Trinkgut" gerne an den Kreis geben wollen. Der Bereich liegt beinahe nur einen Steinwurf von der derzeitigen Wache entfernt.

Über die Vor- und Nachteile dieses Standortes ist offiziell noch gar nicht gesprochen worden. Klar ist allerdings, dass es für die Sparkasse von Vorteil wäre, diese Fläche an die Stadt verkaufen zu können. Es geht um 3000 Quadratmeter, ein Quadratmeter soll 90 Euro kosten.

Die 270.0000 Euro sollen es CDU und BGE wert sein. Nicht nur, um dem kommunalen Geldinstitut zu helfen, sondern auch der Emmericher Baugenossenschaft (EBG). Die soll daran interessiert sein, für kleines Geld ein großes Grundstück kaufen zu können: die Fulkskuhle eben. Auch in der SPD gibt es Stimmen für ein solches Projekt.

Das Kalkül dabei: Gibt es an der Bahnstrecke erst einmal Lärmschutz, der mit dem Bau des dritten Gleises installiert werden soll, ist eine Bebauung kein Problem mehr. Sozialer Wohnungsbau könnte dort entstehen. Schließlich ist preiswerter Wohnraum in Emmerich knapp.

Wie der Kreis auf die Emmericher Gedankenspiele reagiert, ist nicht öffentlich geworden. Dem Vernehmen nach sind die Verantwortlichen im Kreishaus allerdings sauer, dass die Emmericher die Fulkskuhle nicht zur Verfügung stellen wollen.

Quelle: RP
 
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