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Rees
Weg frei für mehr Sicherheit am Rhein

Rees: Weg frei für mehr Sicherheit am Rhein
Vertragsunterzeichnung (v.l.) Deichgräf Herbert Scheers, NRW-Umweltminister Johannes Remmel, Bürgermeister Christoph Gerwers und der geschäftsführende Gesellschafter der Firma Hülskens, Werner Schaurte-Küppers. FOTO: Scholten
Rees. NRW-Minister Remmel unterzeichnet Vertrag im Reeser Rathaus. Für 40 Millionen Euro soll am Rhein zwischen den Ortsteilen Haffen und Mehr in den kommenden zehn bis 15 Jahren eine Überflutungsfläche geschaffen werden. Von Michael Scholten

Seine durch Staus verursachte Verspätung bei der Anreise nach Rees wertete NRW-Umweltminister Johannes Remmel als Sinnbild für die geplante Erweiterung des Polders Lohrwardt: "Was lange währt, wird endlich gut." Auch Bürgermeister Christoph Gerwers erinnerte an "zähe Tage" bei den Verhandlungen der letzten Jahre, die nun mit der Vertragsunterzeichnung im Reeser Rathaus endeten. Neben Minister Remmel und Bürgermeister Gerwers unterzeichneten auch Deichgräf Herbert Scheers und Werner Schaurte-Küppers, geschäftsführender Gesellschafter des Hülskens-Firmenverbandes, die Vereinbarung.

Für 40 Millionen Euro, die von der Landesregierung gezahlt werden, soll am Rhein zwischen den Ortsteilen Haffen und Mehr in den kommenden 10 bis 15 Jahren eine Überflutungsfläche geschaffen werden. Diese soll bei extremem Rheinhochwasser bis zu 26 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. So soll der Wasserstand in der direkten Umgebung um bis zu 30 Zentimeter gesenkt werden können, bis in die Niederlande hinein sei eine Senkung von bis zu acht Zentimetern erwartbar.

"Das Projekt hat eine überregionale Bedeutung für den Schutz vor extremem Hochwasser", betonte Minister Johannes Remmel bei seinem Besuch in Rees. Daher habe auch die Bundesregierung beschlossen, den Polder Lohrwardt in das nationale Hochwasserschutzprogramm aufzunehmen.

Anfang 2017 will die Firma Hülskens mit der vertragsgemäßen Verfüllung des Abgrabungsgebietes Reckerfeld beginnen. Dafür sind zehn Jahre angesetzt. Nach langen Engpässen bei der Beschaffung von Füllmaterial sei dieses nun wieder verfügbar, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Werner Schaurte-Küppers. So kann die Firma Hülskens auch darauf verzichten, ihren drei Kilometer lange Ringdeich abzubauen, dessen Material zunächst für die Verfüllung vorgesehen war. Der Deich wird nun dem Deichverband kostenfrei überlassen.

Laut Wolfgang Spittka, Prokurist der Firma Hülskens, sparen der Deichverband und das Land NRW dadurch zehn Millionen Euro.

Parallel zur Verfüllung der Auskiesungsfläche Reckerfeld, die danach in den Polder Lohrwardt integriert wird, will der Deichverband die optimale Nutzung der Flutungsfläche planen und in Auftrag geben. "Dies wird in enger Abstimmung mit der Bevölkerung geschehen", sagte Deichgräf Herbert Scheers.

Seit 1995 sind die Deiche am Rhein auf einer Länge von 225 Kilometern saniert worden oder befinden sich gerade im Bau. Aktuell stehen noch 84 Kilometer aus, bei 33 Kilometern mit vergleichsweise jungen Anlagen wird geprüft, ob eine Sanierung erforderlich ist. Die Landesregierung hat das Ziel, alle Hochwasserschutzanlagen am Rhein zwischen Düsseldorf und Emmerich bis zum Jahr 2025 technisch zu optimieren. Darüber hinaus wurden entlang des Rheins sechs großräumige Deichrückverlegungen fertiggestellt oder befinden sich im Bau. "Wo es möglich ist, geben wir den Flüssen mehr Raum", sagte Minister Remmel in Rees und nannte den Polder Lohrwardt ein gutes Beispiel für diese Regel.

Laut Deichgräf Herbert Scheers ist ein "gesteuerter Polder" geplant, der zum Beispiel durch die Öffnung eines Tores geöffnet und geflutet werden kann. "Ich habe schon darum gebeten, dass ich das machen darf", warf Bürgermeister Christoph Gerwers in die Runde. "Aber ich hoffe, dass es nie die Notwendigkeit dafür geben wird."

Quelle: RP
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