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Karibisches Flair am Niederrhein
Weihnachten unter Palmen - in Rees

Karibisches Flair am Niederrhein: Weihnachten unter Palmen - in Rees
Hannes Rickmann freut sich auch im Winter über die Pracht seiner Palmen. FOTO: Michael Scholten
Rees. Doch, doch. Der geschmückte Weihnachtsbaum im Wintergarten ist eine klassische deutsche Tanne. Aber ansonsten erinnert die Botanik im Garten des Einfamilienhauses am Melatenweg viel stärker an die Karibik als an den Niederrhein. Von Michael Scholten

Hannes Rickmann hat ein Faible für Palmen und zum Glück auch einen grünen Daumen, der die exotischen Gäste im Reeser Klima wachsen und gedeihen lässt. Dabei ist der mögliche Erfrierungstod nur ein Vorurteil: "Die Leute fragen mich immer, wie ich die Palmen über den Winter bringe", sagt der 62 Jahre alte Reeser und erklärt: "Sie vertragen Temperaturen von bis zu minus 17 Grad. Die Palmen kommen aus Spanien, wo es in manchen Regionen auch Frost gibt."

25 Palmen stehen heute in Hannes Rickmanns Garten. Die größten sind fünfeinhalb Meter groß. Die erste kaufte er, zweieinhalb Meter groß, im Jahr 2003 in Megchelen. Der niederländische Gärtner war quasi der einzige, der in der Region Palmen anbot. Entsprechend hoch war damals der Preis. "Inzwischen gibt es viele Anbieter, weshalb die Preise deutlich gesunken sind", sagt der Reeser. Er importiert seine großen Palmen meist aus Spanien. Wenn die Gärtner dort im Herbst ihre Lager räumen, kosten die exotischen Gewächse nur noch um 200 Euro. Dann bestellt Hannes Rickmann gleich mehrere, auch für Freunde und Bekannte, wodurch die Kosten minimiert werden.

Die großen Exemplare müssen mit dem Autokran in den Garten gehoben und in den Boden eingepflanzt werden. "Sobald die Wurzeln im Boden sind, haben die Palmen warme Füße", weiß Hannes Rickmann. Würde er den Ballen im Topf lassen - wie es manche Hobbygärtner machen - wäre der Winter tatsächlich eine Gefahr für die Palme. Das richtige Vorgehen ist jedoch, zunächst ein tiefes Loch zu bohren und eine Drainage aus Kies zu schaffen. "Die Palme mag keine Staunässe", weiß der Fachmann.

Weiße Pracht mal ganz exotisch: So sieht der Rickmann'sche Garten im Schnee aus. FOTO: Michael Scholten

Die Liebe zu Palmen hält seit fast 40 Jahren

Die Liebe zu den Palmen begann in den frühen 1980er Jahren, als die Rickmanns Urlaub in Südfrankreich machten. "Meine Frau fand die Palmen ganz wunderbar und meinte, sie hätte gern welche im Garten. Ich war aber überzeugt, dass sie den Winter nicht überstehen würden", sagt Hannes Rickmann. So dauerte es 20 Jahre, bis er sich beim Gärtner in Megchelen vom Gegenteil überzeugen ließ und die erste Palme an den Melatenweg holte. Freunde, Nachbarn und Bekannte nennen Hannes Rickmann den "Palmendoktor". Doch der gelernte Straßenbauer sieht in den Palmen nur ein schönes Hobby - so wie er ohnehin gern im Garten arbeitet. Der Rasen und die Beete sind perfekt gepflegt und mit Steinen eingefasst, ein Ziehbrunnen reicht bis zum Grundwasser.

Auch die Terrasse hat Hannes Rickmann selbst gepflastert und mit einem Wintergarten überdacht. Als er dort vor zwei Jahren seinen 60. Geburtstag feierte, glich der Garten einer Bacardi-Rum-Werbung. Seine Töchter und Schwiegersöhne hatten unter den Palmen eine Cocktailbar aufgebaut, die Gäste trugen Blumengirlanden und Strohhüte. Sogar lebensgroße Schimpansen aus Kunststoff tummelten sich in den Bäumen. "Als dann noch die Sonne schien, fühlten wir uns wirklich wie in der Karibik", erinnert sich Hannes Rickmann.

Sein Wissen über die Palmen hat er aus dem Internet oder durch eigene Beobachtungen angesammelt. Wenn er im Frühjahr die Blüten der Palmen sieht, kann er anhand der Farbe sagen, welche Palme männlich und welche weiblich ist: "Die Blüten der männlichen haben ein intensives Gelb, die weiblichen Blüten sind etwas blasser." Aus den weiblichen Blüten entwickeln sich schwarze Körner mit der Größe einer Rosine. Wenn die Bienen sie mit dem Samen der männlichen Palme bestäubt haben, wachsen daraus neue Palmen. "Es sind so viele, dass ich gar nicht alle aufsammeln kann", sagt Hannes Rickmann. "Nach vier Monaten wachsen sie dann wie Unkraut. Anfangs sind sie nur etwas härter und breiter als ein Grashalm."

Mit dem Rasenmäher gegen Palmensprösslinge

Um mittelfristig keinen Urwald im Garten zu haben, geht er mit dem Rasenmäher gegen die Palmensprösslinge vor. Einige zieht er dann aber doch im Haus groß, um sie - wenn sie ungefähr die Größe einer Fensterbank-Zierpflanze erreicht haben und noch gar nicht wie eine Palme aussehen - abzugeben. "Wenn ich im Garten arbeite, sprechen mich immer mal wieder Leute auf die Palmen an. Die sind dann überrascht, wenn ich sie frage, ob sie eine kleine Palme geschenkt haben möchten", sagt Hannes Rickmann.

Für den Sommer 2018 hat der "Palmendoktor" besondere Pläne: "Wir kennen ja alle die Bilder von diesen schief gewachsenen Palmen am Karibikstrand. So eine möchte ich auch haben." Dazu will er eine bis zu acht Meter lange Palme schräg einpflanzen, den Stamm mit Halterungen abstützen und dann warten, bis der obere Teil der Sonne entgegengewachsen ist. "Der spanische Händler meinte, auf die verrückte Idee sei noch keiner gekommen", lacht Hannes Rickmann, "aber ich bin fest entschlossen, in fünf bis zehn Jahren in meinem Garten auf so einem schiefen Palmenstamm sitzen zu können."

Quelle: RP
 
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