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Emmerich
Weniger Frauen wollen abtreiben

Emmerich: Weniger Frauen wollen abtreiben
Lisa Rötters ist seit Januar Beraterin bei der AWO. FOTO: Lörcks
Emmerich. Die Schwangerschaftsberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Kreis Kleve hat ihren Jahresbericht 2016 vorgestellt. Mehr als 600 Personen wurden im vergangenen Jahr beraten - auch geflüchtete Frauen. Von Milena Reimann

Soll ich das Kind bekommen oder abtreiben? Mit dieser Frage kamen im Jahr 2016 insgesamt 201 Frauen aus dem Kreis Kleve in die Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (Awo) vom Kreisverband Kleve. Damit ist die Nachfrage um etwa 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. In ganz NRW sei die Zahl der Beratungen in den vergangenen Jahren zurückgegangen, weiß Nicole Saat, die die Beratungsstelle leitet. Nun auch im Kreis Kleve. Von den 201 Frauen, die zur Abtreibungsberatungen kamen, waren acht minderjährig.

Wer in Deutschland abtreiben will, ist zu einem Gespräch bei einer staatlich anerkannten Beratungsstelle verpflichtet. Betroffene können sich die Beratungsstelle aussuchen, im Kreis Kleve gibt es neben der Awo Beratungsangebote zum Beispiel von donum vitae, dem Diakonischen Werk oder beim Sozialdienst katholischer Frauen (SFK). Die Beratungsgespräche dauern eine Stunde, am Ende bekommen die Frauen eine Bescheinigung.

"Oft haben die Frauen Angst vor einem Seelen-Striptease", weiß Nicole Saat. Dabei gehe es in den Beratungen nicht darum, die Abtreibung auszureden. "Letztendlich entscheidet die Frau, nicht wir", sagt Saat. Die Beratungsstellen müssen jedoch Wege aufzeigen, wie die Schwangerschaft doch noch ausgetragen werden könnte. Denn oft, sagt Saat, hätten die Frauen finanzielle Sorgen. Und da kann die Beratungsstelle helfen. Denn häufig wüssten die Frauen nicht genug über Eltern- und Kindergeld und andere Fördermöglichkeiten. Bei der Awo können zum Beispiel seit 2015 Fördergelder von der Bundesstiftung Mutter und Kind beantragt werden. Mit diesen Geldern können Mütter unterstützt werden, die zwar keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld II haben, jedoch nicht genug verdienen, um sich und das Kind mit dem Nötigsten auszustatten. 85 Frauen konnten 2016 im Kreis Kleve von den Geldern profitieren. "Es ist wirklich enorm, wie viele Frauen in diese Lücke fallen", sagt Saat.

Neben der Pflichtberatung bei geplanten Schwangerschaftsabbrüchen kümmert sich ihr Team auch um Aufklärung in Schulen. 850 Schüler und Schülerinnen wurden im Jahr 2016 erreicht. Immer häufiger findet die Beratung in Grundschulen statt. "Wir nennen die Dinge beim Namen", sagt Beraterin Andrea Twele. Themen wie Verhütung und das erste Mal würden aber erst in den weiterführenden Schulen angesprochen. Zwar würden Kinder immer früher mit Sexualität konfrontiert, vor allem über Inhalte im Internet. Das erste Mal finde aber im Schnitt mit 17 Jahren statt - eine Zahl, die sich laut Awo in den letzten 20 Jahren kaum geändert habe.

Ein neues Projekt hat die Awo im vergangenen Jahr begonnen: Die Beraterinnen sprechen in Flüchtlingsunterkünften mit den Frauen über Verhütung und Liebe. Die Gespräche finden zum Beispiel in Kranenburg alle 14 Tage statt, in diesem Jahr soll das Projekt auf andere Städte ausgeweitet werden. Denn die Erfahrungen sind gut: "Die Frauen sind unheimlich interessiert", sagt Beraterin Milena Wehren. Es gebe zum Beispiel afrikanische Frauen, die sich gut mit natürlicher Verhütung auskennen. Dass Spermien aber tagelang im weiblichen Körper überleben, wüssten viele nicht. "Sie wollen dann alles ganz genau wissen", sagt Wehren.

Seit Januar 2017 gibt es bei der Awo eine neue Beraterin. Lisa Rötters kommt aus der Elternzeit und war vorher ebenfalls bei der Awo im Kinderpflegedienst beschäftigt. Die Schwangerschaftsberatung der Awo gibt es im Kreis Kleve seit rund 36 Jahren. Sie wird zu 80 Prozent vom Land NRW finanziert und zu 20 Prozent vom Kreis. Beraten wird auch zu Themen wie Geburt und Partnerschaft. Neben dem Hauptsitz an der Klever Lindenallee können auch Termine für Beratungsgespräche in Emmerich, Rees oder Geldern gemacht werden.

Quelle: RP
 
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