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Emmerich
Wenn im Kurhaus Blau auf Musik trifft

Emmerich: Wenn im Kurhaus Blau auf Musik trifft
Stephen Prina im blauen Raum: "Der zweite Satz von allem, was ich lese, bist Du". FOTO: eve
Emmerich. Große Installationen bestimmen die neue Ausstellung mit Arbeiten des Amerikaners Stephen Prina. Von Matthias Grass

Es ist ein helles, in sich irgendwie schmutziges Blau auf der Leinwand. Monochrom Blau mit Tendenz ins Graue, könnte man sagen. Im selben Blau sind große Flächen der Wand gehalten. Hier umschließt die Farbe ein Schriftband, das sich auf den weißen Flächen der Wand ins Nichts aufzulösen scheint. Die Schrift erzählt von den Dingen, die Felix vergaß, zu erzählen. So steht es geschrieben auf der Wand inmitten der hellen blauen Farbe.

Auf der Erde schlucken hellblaue, flauschige Teppichfliesen den Klang der Schritte. Über all dem Blau liegen Gitarrenakkorde, ein bisschen poppig, der Sound, der aus den grob an die Wand gehängten und verkabelten Lautsprechern kommt. Stephen Prina hat den Primärfarben Blau, Gelb und Rot jeweils einen Raum gewidmet. Ein Raum, der einlädt, in diese Farbe zu tauchen, den Dreiklang von Musik, Malerei und Architektur zu erleben. Und etwas tun zu dürfen, das sonst in Museen strengstens untersagt ist: Die Kunst anzufassen. Mehr noch: Man darf bei Prina sogar darauf sitzen.

Zumindest in Teilen. Denn die monochrome Malerei auf Leinwand ist zugleich Bild und Sitzkissen in der Installation, liegt auf den Kisten in denen das Werk ansonsten verstaut ist. Mit Lautsprechern, Verstärkern, Einbauten und all den anderen Dingen, die nötig sind, um sie aufbauen. Wieder errichtet, sind die Räume zugleich fertig und unfertig. Denn Malerei wie Fliesen wie Raumarchitektur werden immer in den Formaten der ersten Installation aufgebaut. Ist der Raum kleiner, werden die Teppichfliesen gestapelt, ist er größer, wie beim Blauen Raum in Kleve, bleiben halt Flächen frei. Und alle Teile der Installation tragen die Spur der Besucher - indem sich der Schmutz im Teppich sammelt, die Farbe der Kissen leidet, die Einrichtung ihre Unfertigkeit präsentiert. Damit wird der Besucher dann Teil des Ganzen, hinterlässt seine Spuren im Werk. Prina bricht mit der Installation zugleich mit der so hochgehaltenen Reinheit der Farbe - sein Blau ist kein tiefdunkles Ives-Klein-Blau, sein Rot ist eher Pink, sein Gelb strahlt auch nicht wirklich. In Kleve sind alle drei Räume des Amerikaners erstmals in einer Ausstellung gleichzeitig zu sehen.

"Stephen Prina, galesburg, illinois+" titelt die Ausstellung, die zusammen mit dem Kunsthaus St. Gallen entwickelt wurde und vom Niederrhein aus nach Neapel gehen wird. Es ist spannend, in die Farbwelten des Amerikaners einzutauchen, es ist aber ebenso spannend, die rätselhafte Welt seiner Heimat Galesburg über Querverweise auf die Künstlerin Dorothea Tanning, auf Abraham Lincoln oder John Cage zu erforschen. Und dann gab's da noch den "Harbor Lights Supper Club" in dem Prina mit der Band "Jeannie and the Alladins" auftrat. Ein Streichholzheftchen, eine Getränkemarke und ein Penny sind im "Heiligen Gral" (so Prina gestern beim Presserundgang) dieser mehrere Räume umfassenden Installation vereint. Das Motiv des Heftchens wird zum Leitmotiv - gewebt im kostbaren Haute-Couture-Textildesign in St. Gallen.

Extra für Kleve entstanden ist eine Serie von 19 Marmortafeln, die im Katharina-von-Kleve-Saal liegen werden. Auf dem weißen Marmor formuliert Prina rhythmisch schwarze Tusche.

In allen Ausstellungen reagiert der Amerikaner auch auf die Werke der Sammlung - in Kleve hat sich Prina wunderbare Beuys-Zeichnungen und Drucke gesucht, die mit zwei Glasschlacken und einem Podest für die Keramik von Werner Steinecke konfrontiert werden.

Nicht zu vergessen schließlich die Bilder "Manets": Prina malt alle Gemälde Manets. Gemein haben sie die originale Größe. Das Bild ist geschriebene Farbmalerei von Prina (er bemalt die Bilder wie schreibend von links nach rechts in Zeilen). Irgendwann will er alle Manets so fertig haben. Eine Reihe ist in Kleve zu sehen . . .

Stephen Prina "galesburg, illinois+" Museum Kurhaus Kleve . Ein Katalog folgt.

Quelle: RP
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