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Rees
Wie kam es zu dieser Schiffskatastrophe?

Rees: Wie kam es zu dieser Schiffskatastrophe?
FOTO: unknown
Rees. Am 19. März 1895 explodierten 18.960 Kilogramm Sprengstoff auf der "Elisabeth" in Höhe Salmorth. 14 Menschen starben, durch die Druckwelle barsten sogar in der Emmericher Steinstraße die Schaufenster. Von Michael Scholten

Von der Elisabeth blieb nichts mehr übrig, als sie am 19. März 1895 explodierte.

Das hölzerne Frachtschiff, das bei Salmorth, gegenüber von Emmerich, ankerte und mit 934 Kisten Sprengstoff beladen war, verschwand von der Bildfläche und hinterließ einen zwei Meter tiefen Krater im Kiesbett des Rheins. 14 Menschen starben, weitere Schiffe wurden beschädigt oder brannten aus. Die enorme Druckwelle der Explosion zog Höfe und Häuser im Umkreis von mehreren Kilometern in Mitleidenschaft. In der Emmericher Steinstraße barsten die Schaufenster, selbst auf Schloss Moyland wurden bleigefasste Fenster und ein Teil der Stuckdecke zerstört.

Oben: Bei Niedrigwasser fotografierte Helmut Heckmann 1986 das Wrack der De Hoop 1. Vom linksrheinischen Spyck aus ist die Stelle auf Stromkilometer 859,8 über einen zwei Kilometer langen Fußweg erreichbar.

Helmut Heckmann vom Geschichtsvereins Ressa erinnerte jetzt im Reeser Kolpinghaus an die verlustreichste Schiffskatastrophe am unteren Niederrhein. Mit beachtlichem Detailwissen rekonstruierte er die Chronologie der Katastrophe.

Vom 23. bis 26. Januar 1895 verluden Arbeiter einer Dynamitfabrik in Köln-Porz viele tausend Kisten Guhrdynamit und Sprenggelatine. Sie sollten in Antwerpen auf den Überseedampfer Chemnitz verladen und zu Goldbergwerken nach Afrika gebracht werden. Da die Niederlande maximal 30.000 Kilogramm Sprengstoff pro Rheinschiff zuließen, wurden die 7944 Kisten à 20 Kilogramm auf sieben kleinere Schiffe verteilt. Die De Hoop 2 übernahm nur 44 Kisten, die für das niederländische Militär bestimmt waren, und löste sich früh von der Kolonne. Die Reise der sechs anderen Schiffe wurde Mitte Februar vorzeitig bei Salmorth gestoppt. Das Treibeis auf dem Rhein drohte die Holzschiffe zu zerdrücken. Die Behörden ordneten an, dass sie im Vossegatt, einem Altrheinarm hinter der Schenkenschanz, ankerten. Die explosive Ladung sollte an Land gesichert werden. Arbeiter brachten 7900 Kisten auf Schubkarren über einen 2,6 Kilometer langen Bohlenweg bis zu einem improvisierten Lagerplatz am Schürpoll.

Erst einen Monat später galt der Rhein als eisfrei und die Dynamitfirma schickte acht Hafenarbeiter aus Porz, die mit lokalen Helfern die sechs Schiffe erneut beladen sollten. Bei drei Schiffen verlief das problemlos, doch als die Elisabeth fast beladen war, explodierte sie.

"Die Ursache konnte nie zweifelsfrei geklärt werden", berichtete Helmut Heckmann in seinem Vortrag. Entweder hat ein Arbeiter die Kisten einfach von der Schubkarre gekippt - oder andere Arbeiter hantierten verbotenerweise mit Feuer. Die Explosion des Schiffes ließ auch die Dynamitkisten auf zwei Schubkarren am Ufer detonieren. Binnen einer Sekunde flogen 948 Kisten mit 18.960 Kilogramm Sprengstoff in die Luft. Die benachbarte De Hoop 1 brannte aus und sank.

Am folgenden Tag berichteten das Emmericher Bürgerblatt, der Kölner Stadtanzeiger und sogar der britische Herald über das Unglück am Niederrhein. Fünf Witwen und neun Kinder der Opfer erhielten Geldleistungen von den Vereinigten Dynamitfabriken. Helfer wie der Schiffer Theodor Leenders bekamen für ihren heldenhaften Einsatz am Unglücksort einen Orden von Kaiser Wilhelm II. verliehen. Der Orden ist heute im Emmericher Rheinmuseum zu sehen. Dort sind auch Wrackteile der De Hoop 1 ausgestellt.

Helmut Heckmann bedauert, dass das eigentliche Schiffswrack auf Stromkilometer 859,8 nie gehoben wurde, um es in einem Museum auszustellen. Bei starkem Niedrigwasser ragt es gut erkennbar aus dem Rhein.

"So manches Stück steht heute schon im Hobbykeller von Sammlern, die unverschämterweise Planken abgebrochen und als Souvenir mitgenommen haben", beklagte Heckmann.

Quelle: RP
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