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Emmerich
"Wo ist nur die Zeit geblieben?"

Emmerich: "Wo ist nur die Zeit geblieben?"
Miriam und Linda Rozendaal sorgten auf Querflöte und Klarinette für die musikalische Unterhaltung der Feierstunde im voll besetztem Rheinmuseum. FOTO: Markus van Offern
Emmerich. Der Geschichtsverein, beging jetzt im Rheinmuseum sein 40-jähriges Bestehen. Was einst mit 17 Mitgliedern begann, ist längst zu einem der größten Vereine der Stadt geworden. Mitgliederwerbung ist dennoch ein wichtiges Thema. Von Monika Hartjes

Die Heimat und deren Geschichte zu erforschen und in schriftlicher Form festzuhalten, das ist das Anliegen des Emmericher Geschichtsvereins. Seit 1977 sind über 50 Bücher und fast 50 Broschüren verfasst worden. Das 40-jährige Bestehen feierten die Mitglieder und einige Gäste am Dienstag im vollbesetzten Rheinmuseum. Miriam und Linda Rozendaal sorgten auf Querflöte und Klarinette für die musikalische Unterhaltung.

17 Emmericher Bürger gründeten am 4. Oktober 1977 in der Societät den Geschichtsverein. Von den 17 Gründern leben heute nur noch fünf: Herbert Kleipaß, Winfried Berkowicz, Pfarrer Paul Seesing, Johannes Korth und Gaby Boch. "Dass diese Vereinsgründung in eine Marktlücke gestoßen ist, kann man an der Mitgliederanzahl erkennen: Innerhalb von vier Jahren stieg die Anzahl auf rund 200", sagte der Vorsitzende Walter Axmacher in seiner Festrede. 1994 übernahm der Verein die Trägerschaft des Rheinmuseums, als aus Kostengründung die Schließung drohte. "Seit damals wurden regelmäßig fünf bis sechs Ausstellungen je Jahr im Rheinmuseum organisiert, jährlich wurde eine Tagesfahrt zu Städten diesseits und jenseits der Landesgrenze veranstaltet, seit 1981 fast 30 Besichtigungen bedeutender Denkmäler oder Unternehmungen sowie seit 28 Jahren das Wochen-Seminar in Stapelfeld organisiert und durchgeführt. Dass das alles möglich wurde, haben wir dem Fleiß und der Beharrlichkeit der forschenden und schreibenden Mitglieder, Ihrer Treue und Ihrer finanziellen Beiträge für die Vereinsarbeit zu verdanken", sagte Axmacher, der zum 40-jährigen Bestehen des Emmericher Geschichtsvereins eine Vereinschronik verfasste, die allen Mitgliedern im Dezember kostenlos zugehen wird. Ein besonderes Dankeschön galt auch seinem langjährigen Vorgänger im Amt, Hubert Meenen. Eigentlich übernehme der Verein auch Aufgaben der Stadt. "Doch wir alle sind Bürger der Stadt, helfen Sie deshalb mit, dass wir noch viele Jahre stolz auf unseren Geschichtsverein sein können."

Bürgermeister Peter Hinze lobte die ehrenamtliche Arbeit über Jahrzehnte. "Der Geschichtsverein mit seinen rund 650 Mitgliedern hat sich zu einem der stärksten Vereine der Stadt entwickelt." Er dankte für das erfolgreiche Wirken in Sachen Heimatgeschichte. "Ihnen ist bewusst, dass wir die Gegenwart nur verstehen, wenn wir etwas über die Vergangenheit wissen", so Hinze, der "alles Gute für die nächsten 40 Jahre" wünschte.

Hans-Gerd Kersten, Vorsitzender des Kreisverbandes für Heimatpflege, dem der Emmericher Geschichtsverein angehört, beantwortete die Frage, ob man im Computerzeitalter, wo man alles googlen kann, noch solche Vereine brauche, mit einem klaren "Ja". "Die Erforschung der eigenen Geschichte ist viel zu bedeutsam, um sie dem worldwide Web zu überlassen. Es geht nicht nur um Geschichte, sondern um die Geschichten, die dahinter stehen." Das könne besser von Menschen erforscht werden, die mit der Stadt und seinen Bewohnern emotional verbunden sind. Museumsleiter und Gründungsmitglied Herbert Kleipaß fragte: "Wo ist nur die Zeit geblieben?" Er blickte auf die Aktivitäten des Geschichtsvereins zurück, schlug aber auch nachdenkliche Töne an. "Der demografische Wandel macht sich auch bei uns bemerkbar. 920 Mitglieder hatten wir in den besten Jahren, jetzt sind es rund 300 weniger." Es sei immer schwieriger, junge Leute für die Erforschung der Geschichte zu gewinnen. Deshalb sei Mitgliederwerbung wichtig.

Nach den Festreden wurde zu einem gemütlichen Ausklang bei Getränken und Snacks eingeladen.

Quelle: RP
 
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