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Emmerich
Zahl der Flüchtlinge kann auf 1000 steigen

Emmerich: Zahl der Flüchtlinge kann auf 1000 steigen
Emmerich. Bildungsabend der Kreis Klever SPD in den Räumen des alevitischen Vereins. Bürgermeister Peter Hinze rechnet mit weiteren Zuweisungen für Emmerich. Diskutanten beklagen fehlende Koordination staatlicher Stellen. Von Christian Hagemann

In Emmerich leben derzeit etwa 450 Flüchtlinge. Bürgermeister Peter Hinze rechnet damit, dass sich die Zahl dieser Menschen bis Jahresende auf 1000 erhöhen könnte. Hinze sagte das am Donnerstagabend auf einem Bildungsabend der Kreis Klever SPD, der in den Räumen des alevitischen Vereins in Emmerich an der Dederichstraße stattfindet.

Der Verein, der die Aleviten unter den türkischstämmigen Emmerichern vertritt, hat seine Räume in Teilen der alten Feuerwehrwache.

Hinze bezog sich bei seiner Vermutung auf eine Informationsveranstaltung in Düsseldorf mit NRW-Innenminister Jäger, bei der Flüchtlingszahlen für NRW und die Kommunen genannt wurden.

"Ob es nun 1000 sind oder mehr, kann man nicht sagen", so Hinze. Der Grund sei die Lage in verschiedenen Ländern, aus den die Menschen fliehen. 45 Prozent der Flüchtlinge in Emmerich beispielsweise stammen aus Syrien.

Der Abend im Haus der Aleviten beschäftigte sich nicht nur mit den Ursachen von Flucht, sondern auch mit der Frage, wie eine Einbindung von Menschen gelingen kann, die nach ihrer Flucht in einem Land ankommen, in dem Demokratie herrscht sowie Meinungs- und Religionsfreiheit. "Das ist etwas, was diese Menschen möglicherweise in ihrem Land nicht kennengelernt haben, weil es eine Diktatur ist. Oder weil diese Gesellschaft von religiöser Gesetzgebung dominiert wird", sagte Ron Manheim. "Aber das heißt noch lange nicht, dass diese Menschen deswegen unsere Demokratie nicht wollen." Manheim war stellvertretender künstlerischer Direktor im Museum Schloss Moyland. Heute engangiert er sich in der Flüchtlingshilfe in Kleve.

Er machte einen interessanten Vorschlag, wie Demokratie von Beginn an eingeübt werden könnte, selbst wenn die Menschen noch in Sammelunterkünften leben. Möglich sei es, dass die Menschen unterschiedlicher Herkunft jeweils einen Sprecher für ihre ethnische oder nationale Gruppe wählen. Dieser vertrete dann ihre Interessen, gemeinsam mit den anderen Vertretern der anderen ethnischen Gruppen. Dabei könne es um die Belange in der Wohnunterkunft ebenso gehen wie um den Umgang mit Behörden.

Thomas Ruffmann (VHS Kleve), der ebenfalls auf dem Podium saß, ergänzte, dass diese Idee in Kranenburg bereits umgesetzt worden sei. Bürgermeister Hinze machte sich daraufhin eine Notiz. Dieses Verfahren gibt es in Emmerich nicht.

Prof. Dr. Hasan Alkas, der an der Hochschule in Kleve lehrt und Mitglied der SPD-Arbeitsgemeinschaft "Migration und Vielfalt" ist, schilderte seine Sicht der Dinge als "jemand mit zwei Nationalitäten". "Eben als Deutscher und Türke und nicht, wie viele hier im Raum, als ,Bio-Deutscher'". Für seine augenzwinkernde Wort-Neuschöpfung erntete er zustimmendes Gelächter, aber er mahnte zur Sachlichkeit: "Wir Migranten wissen, wie wichtig es ist, von Anfang in einer Gesellschaft willkommen geheißen zu werden. Aber was im vergangenen Jahr als Willkommenskultur in Deutschland gefeiert wurde, fand ich übertrieben. Jetzt kippt die Stimmung so langsam, dabei sind die Probleme durch Flüchtlinge in Deutschland beherrschbar. Es geht um eine sachliche Auseinandersetzung mit den Herausforderungen."

Das - und das ist wohl das Fazit dieses Abends - geschieht in Deutschland derzeit nicht gut, weil es an staatlichen Lösungen mangelt. Zum Beispiel, weil es sich nicht um eine geplante Einwanderung handel. Beispielhaft wurde die gelungene Integration von hunderttausenden Spätaussiedlern aus Russland genannt, die innerhalb kürzester Zeit unter der Regierung Kohl nach Deutschland kamen. Zudem stehen die unterschiedlichsten behördlichen Zuständigkeiten einer gezielten und raschen Hilfe entgegen. Dies hat auch Auswirkungen bis nach Emmerich.

Quelle: RP
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