| 00.00 Uhr

Emmerich
Zeitreise zu Bunker und Schützengraben

Emmerich: Zeitreise zu Bunker und Schützengraben
FOTO: van Offern, Markus (mvo)
Emmerich. Bei Elten gibt es die einzige deutsche Landesbefestigung aus dem Ersten Weltkrieg. Der LVR hat sie untersucht. Am Sonntag dürfen Besucher die Anlagen besichtigen. Von Sina Zehrfeld

Ein sanfter Graben schlängelt sich in engen Kurven bei Elten durch den Wald. Malerisch zwängen knorrige Bäume ihre Wurzeln durch die Spalten zwischen von Wind und Wetter rundgeschliffenen, moosbewachsenen Betonbrocken. Die Spur im Wald war mal ein Schützengraben. Die Windungen sollten verhindern, dass Feinde, sollten sie es hineinschaffen, eine Sicht- und Schusslinie zum anderen Ende hätten. Die Betonbrocken wiederum sind die Überreste von Bunkeranlagen. "Wir haben es hier mit einer Befestigung des Rheintales in Richtung Niederlande zu tun", erklärt Wolfgang Wegener vom Landschaftsverband Rheinland (LVR).

Bei Elten findet sich die einzige Landesbefestigung Deutschlands aus dem Ersten Weltkrieg. Am Sonntag, 30. März, stellt der Landschaftsverband die Anlagen bei einem Aktionstag "Deckung aus Erde und Beton" vor. Archäologen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege führen Besucher durch den Wald zu den alten Spuren und erklären vor Ort die Bedeutung der Gräben und Bunker.

"Genutzt" wurden diese Vorrichtungen nie. Es gab dort im Ersten Weltkrieg keine Kämpfe, und die Niederlande verhielten sich neutral. Aber das war den Deutschen damals nicht geheuer: Es galt, das Ruhrgebiet mit seiner Rüstungsindustrie vor einem möglichen Vormarsch der Alliierten zu schützen.

Schützengräben, Wälle und Bunker waren in drei hintereinander angeordneten Linien gebaut. In den Jahren 1916 und 1917 errichtet, erstreckte sich die gesamte Befestigung über viele Kilometer von Elten über heute niederländisches Gebiet bis zur Westspitze des Reichswaldes bei Kleve. Alles in allem war das "schon ziemlich aufwändig", so Wolfgang Wegener.

Und so wurde das Projekt wohl auch nicht überall ganz fertig – die Eltener Gräben waren zumindest teilweise nicht so tief, wie es im Lehrbuch stand. An einer geeigneten Stelle des Bauwerks haben die Archäologen einen "Einschnitt" in das Erdreich gemacht, um zu solchen Erkenntnissen zu kommen. Beim Aktionstag können die Besucher auch diese Maßnahme besichtigen und sich erklären lassen. Es ist die einzige Gelegenheit, danach wird die Grube wieder verfüllt.

Die Forscher sind auf solche Ausgrabungen, Luftbilder und Ortsbegehungen angewiesen, um die Militärtechnik von vor 100 Jahren zu verstehen. Denn schriftliche Quellen gibt es zu den Eltener Anlagen kaum. Die Grenzregion war zur Zeit des ersten Weltkrieges militärisch überwachtes Sperrgebiet: "Die Landesbefestigung war Geheimsache", erläutert Wegener. Dass es überhaupt Akten dazu gibt, liegt daran, dass die Bunker im Frühjahr 1921 gemäß Versailler Vertrag gesprengt wurden– und das wurde schriftlich festgehalten.

Der Aktionstag in Emmerich ist der Auftakt zu einer Reihe weiterer Veranstaltungen im Rheinland. Sie laufen im Rahmen des groß angelegten LVR-Projektes "1914 – Mitten in Europa" zum Ersten Weltkrieg.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Emmerich: Zeitreise zu Bunker und Schützengraben


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.