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Die Bürgermeister-Kandidaten
Zielorientiert ins Rathaus

Die Bürgermeister-Kandidaten: Zielorientiert ins Rathaus
FOTO: van Offern, Markus (mvo)
Emmerich. Joachim Sigmund geht für die BGE ins Rennen. Er hofft auch auf die Stimmen der Politikverdrossenen.

Joachim Sigmund geht mit der Zeit. Der 58-Jährige hat das Smartphone immer am Mann, auch sein I-Pad ist stets griffbereit. Dass er ein Wahlkampfvideo von sich ins Netz stellte - auch das ein Zeichen seiner Affinität zur Technik. "Mit Block und Bleistift kann ich aber auch noch gut umgehen", versichert der Bürgermeisterkandidat der Bürger Gemeinschaft Emmerich (BGE) mit einem Lächeln.

Sigmund, erst der zweite Kandidat, der für die BGE ins Rennen um die Bürgermeisterwahl geht, ist ein politischer Quereinsteiger und vielleicht auch ein Querdenker. Der Referent im Landeskommando NRW der Bundeswehr kommt manchmal eher "robust rüber", wie er selbst einräumt. "Aber wer mich näher kennt, weiß, dass ich mein Herz am rechten Fleck habe."

Politisch aktiv ist der Kandidat erst seit drei Jahren, politisch interessiert war er aber schon immer. Als besonders prägendes Ereignis bezeichnet er einen Auslandseinsatz, an dem er 1999 als stellvertretender Bataillonsleiter im Kosovo teilnahm. "Da habe ich viel Leid gesehen." Christliche Werte und die Familie sind aber nicht erst seitdem für ihn ein hohes Gut.

Emmerich kennt der gebürtige Baden-Württemberger, der seine Kindheit in Duisburg-Walsum verbrachte, bestens. Von 1977 bis 1979 leistete er hier seinen Grundwehrdienst ab, war vom Jahr 2000 bis 2003 Standortältester der Moritz-von-Nassau-Kaserne und lebt seit 15 Jahren in der Rheinstadt. "Hier fühlen wir uns wohl", sagt Sigmund, der jedoch die Entwicklung des Emmericher Einzelhandels in den letzten Jahrzehnten als "katastrophal" bezeichnet. Das sei für ihn unter anderem auch ein Grund gewesen, in die Politik einzusteigen. "Ich wollte nicht nur kritisieren, sondern mich auch einbringen."

Einen Erfolg hat der Oberstleutnant bereits erzielt: Bei der letzten Kommunalwahl im vergangenen Jahr war er der einzige, direkt in den Rat gewählte BGE-Vertreter.

Sigmunds politischer Schwerpunkt ist ganz klar die Entwicklung der Innenstadt. Hier sieht er Emmerich als "Großbaustelle", und hier sieht er auch den größten kommunalpolitischen Dissens, der zwischen der BGE und den etablierten Parteien besteht. "Die Politik muss für Rahmenbedingungen sorgen, Investoren nach Emmerich zu holen und sie nicht zu strangulieren." Genau dies passiere aber derzeit. Als Beispiel nennt er die vom Rat gestoppten Erweiterungspläne von Aldi und Lidl. "Aldi braucht Emmerich nicht, aber Emmerich braucht Aldi", sagt er dazu.

Auch beim Thema "Neumarkt" sieht er noch lange kein Licht am Ende des Tunnels und bleibt weiter skeptisch: "Die Entwicklung müssen wir erst einmal abwarten."

Neben einer attraktiven und lebendigen Stadt mit funktionierendem Einzelhandel setzt sich Sigmund in seinem Fünf-Punkte-Programm für eine solide Finanzpolitik, eine gezielte Wirtschaftsförderung, ein Miteinander der Generationen und Kulturen sowie eine Verbesserung von Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung ein.

Umsetzen will er das mit den Fähigkeiten, die er sich in seiner langjährigen Karriere bei der Bundeswehr angeeignet hat. "Ich weiß, wie man Projektpläne macht und sie steuert." Zielorientiertes Arbeiten hält Sigmund daher auch für eine seiner Stärken - und vermisst genau das beim amtierenden Bürgermeister: "Der Bürger will Ergebnisse sehen und nicht nur Ankündigungen und Versprechen."

Sollte Sigmund gewählt werden, will er Bürgermeister für alle sein, unabhängig davon, welcher politischen Couleur sie angehören. "Mir ist wichtig, die Bürger zu beteiligen und nicht Politik an ihnen vorbei zu machen." Das sei etwa in der Frage der Grundschule Elten, aber auch beim Neumarkt geschehen.

Neben Politik, Familie und Beruf ist für den ehemaligen Leistungssportler auch körperliche Fitness wichtig. Die holt er sich beim Kieser-Training, Radfahren oder Wandern. Genießen kann er aber auch: ab und zu ein Pfeifchen und dann natürlich seine Lieblingsschokolade - die gute Lohmann ist eine seiner Schwächen. Eine andere: "Ich bin kein Entertainer. Witze kann ich nicht erzählen."

Dass Sigmund bei der Wahl am Ende tatsächlich vorne liegen könnte, hält er jedenfalls für alles andere als einen Witz. Er sieht seine Chance: "Mir muss es gelingen, die jungen Wähler und Politikverdrossenen anzusprechen, und ihnen klar zu machen, dass ich eine Alternative zu Johannes Diks bin. Bei der Wahl geht es um die Frage, ob alles so bleibt wie es ist, oder ob sich etwas ändern soll", sagt Sigmund.

VON MARKUS BALSER

Quelle: RP
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