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Hüthumer Geschichten (teil 4)
Zum Telefonieren ging es zu "Thed" Lueb

Emmerich. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im Haus Lueb getanzt. Heute feiern die St. Georg-Schützen dort ihr Schützenfest. Von Norbert Loose und Monika Hartjes

HÜTHUM Am Weg in Richtung Elten, gleich hinter dem Hinweisschild, das den Weg in Richtung Spyck und nach Borghees anzeigte, lag auf der rechten Seite gegenüber der alten Schmiede Kerst das Anwesen der Familie Theodor Lueb. Hier wurde neben der Landwirtschaft auch eine Schankwirtschaft betrieben. Das Haus stammte aus der Zeit Ende des 18. Jahrhunderts. Im oberen Stockwerk befand sich ein Saal mit mehreren Alkoven, die früher als Schlafstätten gedient hatten. Im Volksmund bezeichnete man daher die Gastwirtschaft "Bej Lueb in de Beddekast".

Bei Tanzveranstaltungen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts dort stattfanden, wurde der Boden unterstützt mit Holzbalken, die unter der Balkendecke im Erdgeschoss aufgestellt wurden, um die oberen Lasten etwas abzufangen. In den ehemaligen Bettkästen wurde dann das kalte Buffet aufgebaut mit geräuchertem Schinken, luftgetrockneter Mettwurst, Sol-Eiern, deftigem Roggenbrot und guter Butter.

Neben der Gast- und Landwirtschaft gab es im Hause Lueb auch eine Poststelle, die ebenfalls von der Familie betrieben wurde. Eine wichtige Einrichtung war dabei das Telefon, das zur damaligen Zeit noch wenig verbreitet war. Wer etwas zu telefonieren hatte, der ging zu "Thed Lueb in de Postkamer" - und konnte so die nützlichen Dinge mit den angenehmen verbinden.

1932 brannte das Haus mitsamt den Stallungen bis auf die Grundmauern nieder. Dabei vermochte die Familie lediglich ihr Leben zu retten, alles andere wurde ein Raub der Flammen. Hilfreiche Nachbarn halfen über das Schlimmste hinweg und boten den Obdachlosen Unterkunft. 1934 zog man nach Fertigstellung des neuen Hauses zurück auf die heimatliche Scholle und setzte die alte Tradition fort.

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Haus recht glücklich, die Gaststätte konnte weitergeführt werden. Auch profitierte man von der Bundesstraße sowie vom zunehmenden Fracht- und Reiseverkehr. An Feiertagen gab es kilometerlange Autoschlangen vom damaligen Grenzübergang an der Wild bis zur Ziegelei Terwindt & Arntz. Einfallsreiche junge Leute, in deren Familie es schon ein Auto gab, betätigten sich als Lotsen, indem sie gegen kleines Entgelt Gruppen aus der endlos langen Autoschlange zu anderen Grenzübergängen leiteten. In den 1960er Jahren übernahm Lueb den Zeltbau zur Kirmes, auch der Kirmesplatz mit seinen Fahrgeschäften befand sich nun auf der großen Wiese hinter dem Haus.

Doch das Fest wurde zusehends mehr ein Opfer der Zeit und das wohl berühmteste Volksfest Hüthums geriet allmählich in Vergessenheit.

Familie Lueb aber übernahm ebenfalls in den 1960er Jahren den Betrieb des Schützenfestes und so blieb die Tradition des Zeltbaus bis heute erhalten.

Später errichteten die St. Georg-Schützen längs der großen Wiese eine neue Schießsportanlage, wo im Hüthumer Festzelt noch immer äußerst pläsierig und deftig gefeiert wird.

Heute wird in dem Haus ein griechisches Restaurant betrieben, aber das Schützenfest der St. Georg-Schützen findet immer noch hinter dem Haus auf der großen Wiese statt.

Quelle: RP
 
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