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Emmerich
Zwei Feuerwerker für zwei Zünder

Emmerich: Zwei Feuerwerker für zwei Zünder
Der extra gelegte Sicherheitsschacht. FOTO: van offern
Emmerich. Um 11.25 Uhr gab's Entwarnung. Die Fünf-Zentner-Bombe war entschärft, es handelte sich um ein schwieriges Exemplar. Von Monika Hartjes

Dienstag um 11.25 Uhr: Entwarnung. Die Fünf-Zentner-Bombe, die auf dem Betriebsgelände von Akzo gefunden wurde, ist entschärft. Erleichterung auch bei Ulrich Runge vom Ordnungsamt: "Man weiß natürlich, da sind Profis am Werk. Trotzdem bleibt eine gewisse Spannung."

Am Montag wurde auf dem Gelände neben dem Hafen bei Sondierungsarbeiten eine amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. "Akzo will das Gelände verkaufen. Deshalb wurden alte Luftbilder ausgewertet, da ergaben sich einige Verdachtsmomente, die dann von einer Spezialfirma untersucht wurden", erzählte Frank Stetzka vom Ingenieurbüro in Wesel, das die Liegenschaft für Akzo betreut.

Kampfmittelräumer Udo Lokotsch (l.) und Uwe Palmroth mit Kopf- und Heckzünder. FOTO: van Offern, Markus (mvo)

Um acht Minuten vor 11 begannen Uwe Palmroth, seit 25 Jahren im Job und seit zwei Jahren "Feuerwerker" und zuständig für die Entschärfung, und sein Kollege Udo Lokotsch, seit 24 Jahren Munitionsräumarbeiter - beide Mitarbeiter des staatlichen Kampfmittelräumdienstes aus Düsseldorf - mit der Arbeit. "Jede Einsatzstelle ist anders, man muss sich immer wieder auf neue Situationen einstellen", sagte Palmroth. Besonders schwierig bei dieser Bombe, die vermutlich im Oktober 1944 beim großen Bombenangriff auf Emmerich fiel, war, dass sie doppelt bezündet war, das heißt über Kopf- und Heckzünder verfügte. Zudem waren der Kopfzünder und die Ladung deformiert. "Man muss sich vorstellen, dass so eine Bombe aus 8000 Metern abgeworfen wird. Wenn sie dann auf dem Kopf landet, kann so ein Zünder schon mal aufplatzen", erklärte Palmroth. So war es schwierig, diesen herauszudrehen.

Die beiden Munitionsräumfachleute lobten, dass sie von einer Fachfirma und von der Stadt Emmerich tatkräftig bei der Evakuierung unterstützt wurden. "So konnten wir in Ruhe arbeiten." Auch Feuerwehrchef Martin Bettray war vor Ort. "Ich habe einen großen Respekt vor den Leuten, die diesen schwierigen Job machen", sagte er.

Am Montag um 14.45 Uhr hatte die Stadt vom Bombenfund erfahren und begann, den Evakuierungsplan vorzubereiten, der dann am Dienstag bis 10.30 Uhr umgesetzt wurde. Das Gebiet um den Bombenfund wurde in einem Radius von 250 Metern evakuiert. "114 Privatleute und die Mitarbeiter der umliegenden Firmen waren davon betroffen", sagte Runge. Unter anderem musste Labod Maschinenbau, Glas Neumann, Bebo-Reifen und die verschiedenen Einrichtungen am Bahnhof evakuiert werden. Züge und Busse fuhren nicht. Die Mitarbeiter von Oleon - dieser Betrieb liegt auf dem Akzogelände - sammelten sich in ihrer Kantine. "Diese liegt außerhalb der Zone. Wir üben regelmäßig solche Gefahrenmomente, so dass jetzt in der Realität alles ruhig ablief", sagte Werksleiter Steffen Basmer.

"Ich bin nach Hause gegangen und habe mit meiner Frau gemütlich gefrühstückt", erzählte Büllent Arslan vom Service-Center der Bahn. Angelika Hübecker vom Bahnhofskiosk hatte erst gegen 10 Uhr erfahren, dass evakuiert wird. "Ich bin in ein naheliegendes Café gegangen", sagte sie. Zeitweise glich der Bereich um das Akzo-Gelände einer Geisterstadt, weil auch in einem Abstand von 500 Metern zum Bombenfund alle Menschen zuhause bleiben und Türen und Fenster schließen sollten.

Für alle, die keine Aufenthaltsmöglichkeit hatten, stellte die Stadt die Turnhalle der Realschule am Grollscher Weg zur Verfügung. Während an einer Seite der Trennwand der Schulsport stattfand, hatten Hausmeister Guido Herten und die Stadtmitarbeiter vom Fachbereich 3, Ignatius Haan und Ulli Tervoort, Tische und Stühle an der anderen Wandseite aufgestellt und Getränke besorgt. "Wenn es länger dauert, geben wir Essensmarken für ein Mittagessen im Krankenhaus aus", sagte Tervoort. Vor einigen Jahren habe man Pläne für außergewöhnliche Einsätze erstellt, jeder Fachbereich bekam eine besondere Aufgabe übertragen. "Wir sind für Betreuung, Unterbringung und Verpflegung zuständig", sagte Haan. So laufe alles Hand in Hand ohne große Vorbereitung. Keiner der Evakuierten nahm das Unterbringungsangebot in der Turnhalle in Anspruch.

Viele Lastwagen befuhren den Grollscher Weg, weil an der Ecke Pesthof/Großer Wall die Polizei die Straße absperrte und die Fahrer sich einem anderen Weg suchten. Insgesamt 24 Straßen-Punkte mussten gesichert werden. "Da läuft die Zusammenarbeit mit der Polizei hervorragend", lobte Runge. Nach rund einer halben Stunde waren die Strecken wieder frei, Lautsprecherdurchsagen der Feuerwehr gaben schließlich Entwarnung.

Quelle: RP
 
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