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"Alltagsmenschen"
Zwei Figuren sollen in Rees bleiben

"Alltagsmenschen": Zwei Figuren sollen in Rees bleiben
"Wir werden uns immer an die Eröffnung bei dichtem Schneetreiben erinnern", sagte Bürgermeister Gerwers. Recht hat er. Aber genau weil die Figuren von Christel Lechners für das Unperfekte stehen, war das Aprilwetter vielleicht genau richtig. FOTO: Markus van Offern
Rees. Die 66 "Alltagsmenschen" stehen noch bis zum 24. Juli in der Reeser Innenstadt. Die Volksbank möchte mit einer Crowdfunding-Aktion dafür sorgen, dass ein bis zwei Figuren dauerhaft in Rees bleiben können Von Michael Scholten

Man nehme: 66 Alltagsmenschen, mehrere hundert Besucher und schreckliches Aprilwetter. "Egal, was mit dieser Ausstellung noch passieren wird, wir werden uns immer an die Eröffnung bei dichtem Schneetreiben erinnern", scherzte Bürgermeister Christoph Gerwers, während der Schneeregen gleichermaßen auf Christel Lechners wuchtige Betonfiguren und die vielen Kunstfreunde auf dem Marktplatz niederprasselte.

Es kann halt nicht immer alles nach Plan laufen - und für genau dieses Unperfekte stehen auch die "Alltagsmenschen" der Wittener Bildhauerin. Bis zum 24. Juli werden sie in Rees verweilen. "Die Figuren machen die Innenstadt nicht nur bunter und attraktiver, sondern sorgen auch dafür, dass noch mehr Menschen Rees besuchen und fotografieren", sagte Gerwers. Der Bürgermeister zitierte aus dem Schreiben einer Reeser Bürgerin: "Es ist so, als ob man sich als Kind auf Weihnachten freut - und das ist schon lange her."

Christel Lechner wünschte sich, dass die Alltagsmenschen allen Bürgern und Besuchern beim Spaziergang durch die Stadt - "auch im Regen" - ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Alle Sponsoren und Helfer, darunter die Volksbank Emmerich-Rees, der Energiekonzern RWE, das Hotel Rheinpark, der Verkehrs- und Verschönerungsverein, die Reeser Werbegemeinschaft und der Ingenieurbetrieb Biermann, erhielten für ihre Unterstützung je einen 33 Zentimeter kleinen Alltagsmenschen oder einen Bildband.

Die Volksbank, deren Vordach in der Dellstraße vom Figurenduo "Ernst des Lebens" geziert wird, möchte ab Juni mit einer Crowdfunding-Aktion dafür sorgen, dass ein bis zwei Alltagsmenschen dauerhaft in Rees bleiben. Dazu erklärte Kulturamtsleiter Ludger Beltermann: "In der ersten Juni-Hälfte können alle Reeser ihre Lieblingsfigur wählen und für deren Anschaffung 10 oder 20 Euro auf ein Konto überweisen. Kommen 6000 Euro zusammen, wird eine Figur gekauft, außerdem spendiert die Volksbank eine weitere Figur."

Falls der Genossenschaftsgedanke nicht funktioniert und der nötige Betrag nicht zusammenkommt, wird die Volksbank das Geld an die Spender zurück überweisen. Bei einer Führung zu ausgewählten Ausstellungsstücken erzählte Christel Lecher - nun wieder bei schönstem Sonnenschein, aber dafür bei ausgefallener Mikrofontechnik - die Geschichten hinter den Werken.

Die drei Tänzer auf dem Marktplatz stehen für den traditionellen Tanz in den Mai. Eigentlich sollte sich ein vierter Tänzer zu ihnen gesellen, doch der ist noch unvollendet im Atelier. Per Bewegungsmelder und Zeitschaltung erklingt von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr auch Musik. Nur wenn Markt ist, bleibt es still, um die Nerven der Marktbeschicker zu schonen. In der Hohen Rheinstraße wartet unter anderem die "Jubelpfanne" auf Besucher. "Der Ausdruck aus dem Ruhrgebiet bezeichnet eine Frau, die ein bisschen pfundiger ist, aber trotzdem Spaß am Leben hat", erklärte Lechner. "Sie ist nicht schön, aber sie ist lustig."

So geht es auch dem "Schwimmreifenmann" im Froschteich an der Stadtmauer. "Normalerweise steht der Rettungsring für Panik, aber dieser Mann, den ich Paul nenne, hat überhaupt keine Panik, sondern genießt das Leben." Als "Herzstück meines Schaffens" bezeichnete Lechner die aus 18 Figuren bestehende "Polonaise" vor dem Bürgerhaus. Einst sei sie mit Freundinnen in einem Münchner Lokal gewesen, als eine Polonaise an ihrem Tisch vorbeilief.

"Wir fanden das total bescheuert, aber dann überzeugten mich die Leute, mitzumachen. In der zweiten Runde lief ich an meinen Freundinnen vorbei. Die fanden das noch immer bescheuert, aber ich hatte großen Spaß und weiß seither: Man genießt das Leben am besten, indem man ein bisschen über sich selbst lachen kann."

Quelle: RP
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