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Erkelenz
200 Jahre Schule in Gerderath gefeiert

Erkelenz. "Schule früher, heute und morgen" hieß das Motto, unter das die Grundschule Gerderath ihr Schulfest gestellt hatte. Schüler zeigten, wie Schule früher ablief und wie sie in Zukunft ablaufen könnte - ihr Fazit: Schule heute ist schöner. Von Natalie Urbig

Streng sieht die Lehrerin zu Johanna. "Es wird in ganzen Sätzen geantwortet", ermahnt sie ihre Schülerin, die sich sogleich verbessert. "Zwei und fünf sind sieben, Fräulein Lehrerin." Dann darf Johanna sich setzen. Der Ton im Klassenraum der 3A ist ungewöhnlich rau. Die sind Regeln strikt: "Gerade sitzen, die Füße stehen parallel auf dem Boden, die Hände liegen gefaltet auf dem Tisch, es wird nicht getuschelt, nicht gelacht. Der Blickkontakt gilt ausschließlich Fräulein Lehrerin."

"Schule früher, heute und morgen" heißt das Motto, unter das die Gemeinschaftsgrundschule Gerderath ihr Schulfest gestellt hat. Bewusst ist ein Thema gewählt, bei dem ein Rückblick auf vergangene Zeiten möglich ist, erzählt Schulleiterin Monika Natrup. Denn in diesem Jahr knüpft das Schulfest an ein Jubiläum an: "Seit 1816, das heißt seit 200 Jahren, gibt es Schule in Gerderath." Für das Schulfest hat jede Klasse mit Unterstützung der Eltern einen Beitrag erarbeitet. So hat sich das Klassenzimmer der 3A in einen Unterrichtsraum wie vor gut 100 Jahren verwandelt, mit alten Landkarten und einem hölzernen Pult vor der Tafel. An den Seiten des Raums liegen alte Zeugnishefte, Schulbücher, Federkiele und Schiefertafeln aus. Sogar einige der Schulbänke sind Originale, die über 100 Jahre alt sind, wie Klassenlehrerin Sonja Braun erzählt. Drei Unterrichtsstunden im Stil der alten Schule können die Besucher des Schulfests hier miterleben. Inspirationen dafür wurden zuvor bei einem Schulausflug in das Freilichtmuseum in Kommern gesammelt. Das passende Kostüm für die Schulstunde gibt es im Klassenraum der 3B - Rüschenblusen, Kniestrümpfe und Röcke für die Mädchen sowie Hemden, Lederhosen oder Matrosenanzüge für die Jungs. Auch die Namen werden zeitgerecht angepasst, und so wird aus der neunjährigen Amy einen Tag lang Johanna, die in einem blau-weißen Kleid und geflochtenen Haaren die Sütterlinschrift übt. Die Kleidung findet die Neunjährige schön, trotzdem ist sie froh, dass sie in der heutigen Zeit zur Schule geht: "Damals wurde den Mädchen auf die Finger und den Jungs auf den Po gehauen. Und sie mussten nach der Schule auf dem Feld helfen."

Auf dem Schulfest können die Kinder unter anderem Buttons und Schiefertafeln selbst gestalten. In zwei weiteren Klassenzimmern erfahren sie, wie Kinder in vergangenen Zeiten gespielt haben. Während Pausenspiele wie Knickern oder Gummitwist bei den meisten Eltern noch in Erinnerung sind, haben viele Kinder sie während der Festvorbereitung zum ersten Mal ausprobiert - und, so erzählt Klassenlehrerin Christiane Herrmann, sogleich in ihr Pausenspiel übernommen.

Im Raum der 4A zeigen Schüler, wie sie sich die Schule der Zukunft vorstellen. Lehrer gibt es nicht mehr. Aufgaben werden von einem Beamer vorgerechnet, menschliche Maschinen passen auf die Kinder auf und jeder Schüler hat ein eigenes Tablet, mit dem er lernt. "Jetzt finde ich die Schule schöner", gesteht die zehnjährige Sarah. "Wenn man was nicht verstanden hat, kann man den Lehrer fragen. Mit Robotern reden, das wäre komisch."

Außerhalb der Klassenzimmer rundet ein Bühnenprogramm das Fest ab, das Schulchor und Trommlerkorps eröffnen. Die Judo AG zeigt ihr Können, Tanzeinlagen gibt es von der Klasse 2B, der türkischen Tanzgruppe und dem Teilstandort Schwanenberg. Die Kinder des OGS haben ein Musical vorbereitet. Und in einer Modenschau zeigen die Schüler selbst entworfene Outfits.

Quelle: RP
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