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Erkelenz
2017 "Massenaktion zivilen Ungehorsams" geplant

Erkelenz. Klimacamp in Erkelenz ist ohne weitere Vorkommnisse zu Ende gegangen. Bürger hinterfragen Müllentsorgung.

Im nächsten Jahr sollen die Klimaproteste im Rheinischen Braunkohlenrevier fortgesetzt werden. Das "Klimacamp im Rheinland", das bis gestern zehn Tage lang auf einem Feld bei Erkelenz-Lützerath stattgefunden hatte, kündigte in einer Abschlusspressemitteilung für 2017 an, "zum zweiten Mal das Bündnis ,Ende Gelände' zu einer Massenaktion zivilen Ungehorsams zu Gast zu haben".

Pfingsten dieses Jahre haben sich laut "Klimacamp im Rheinland" zu einer solchen Aktion knapp 4000 internationale Aktivisten getroffen und für mehrere Tage einen Braunkohlentagebau und ein Kraftwerk in der Lausitz stillgelegt. 2015 hatte sich "Ende Gelände" bereits am Klimacamp in Erkelenz beteiligt. Damals war es einem Tag zu teils massiven Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und Polizei gekommen. Wo das Klimacamp nächstes Jahr stattfinden soll, klären die Aktivisten im Oktober. Dazu deren Pressesprecher Milan Schwarze: "Wir werden wieder im Rheinischen Revier sein, Erkelenz ist aber nicht als Standort gesetzt." Friedlich ist das diesjährige Klimacamp, das nach Veranstalterangaben zwischen 900 und 1000 Teilnehmer hatte, zum Wochenstart zu Ende gegangen. Nach dem Großeinsatz der Polizei zogen der Aachener Polizeipräsident Dirk Weinspach und die Polizeiführer eine positives Fazit: "Den zeitweise mehr als 1000 im Einsatz befindlichen Beamten wurde nicht zuletzt wegen der Besonderheit des Einsatzraumes, der außergewöhnlich langen Einsatzdauer von zehn Tagen über je 24 Stunden sowie den Temperaturen viel abverlangt. Haupteinsatztage waren dabei die Aktionstage Donnerstag und Samstag. Sämtliche angemeldeten Demonstrationen und Mahnwachen verliefen friedlich."

Zu den über den gesamten Zeitraum in Gewahrsam genommenen 26 Personen teilte die Polizei gestern mit: "23 von ihnen hatten am Samstagmorgen widerrechtlich den Tagebau betreten. Gegen alle wird wegen Hausfriedensbruchs ermittelt. Alle wurden nachmittags nach erkennungsdienstlichen Maßnahmen wieder entlassen." Drei weitere Personen wurden am Samstagnachmittag in Gewahrsam genommen, weil sie sich der Polizei bei der Beseitigung einer Sitzblockade auf der L 241 widersetzt haben sollen (die RP berichtete). "Einer der Tatverdächtigen hatte seine Personalien nicht preisgeben wollen. Weil eine Identifizierung nicht möglich war, wurde er auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Aachen festgenommen. Nachdem er seine Personalien am Sonntag genannt hatte, wurde er aus dem Gewahrsam in Aachen entlassen", teilte die Polizei mit.

In Lützerath wurde anlässlich des Klimacamps hinterfragt, wo die dort angefallenen Fäkalien und Küchenabfälle entsorgt worden seien. Eine Anwohnerin berichtete von der Beobachtung, dass dies auf einem Feld nahe dem Laheypark geschehen sein könnte. Sie werde die zuständigen Behörden um Prüfung bitten: "Einerseits für die Umwelt kämpfen, dann aber extreme Umweltsünden selbst begehen, passt nicht zusammen." Dr. Hans-Heiner Gotzen, Erster Beigeordneter der Stadt Erkelenz, bestätigte gegenüber unserer Redaktion eine solche Bitte erhalten zu haben: "Derzeit kann ich dazu keine abschließende Stellungnahme abgeben. Wir prüfen zunächst noch die Zuständigkeit." Klar sei jedoch, dass der Sachverhalt "sauber geprüft" werden müsse.

Milan Schwarze vom Klimacamp-Presseteam erklärte auf Anfrage: "Mit einem Landwirt abgesprochen haben wir Fäkalien und Küchenreste auf einem Feld gemeinsam kompostiert. Das wurde von einem Kamp-Mitglied begleitet, das zu dem Thema forscht und eine Doktorarbeit schreibt. Alles wurde mit Gras abgedeckt, und unsere Leute prüfen über das Jahr den Kompostierungsprozess."

(spe)
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