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Erkelenz
6000 Menschen zeigen Grenze für Tagebauloch

Erkelenz: 6000 Menschen zeigen Grenze für Tagebauloch
Mit Transparenten und Fahnen reihten sich die menschlichen Glieder der Protestkette kilometerweit auf. Die Veranstaltung blieb friedlich. FOTO: JÜRGEN LAASER
Erkelenz. "Nicht weiter!" - eine imaginäre Grenze für Braunkohlebagger markierten rund 6000 Kohle-Protestler aus drei Kontinenten zwischen Keyenberg und dem gigantischen Loch des Tagebaus Garzweiler. Nach 7,5 Kilometern schloss sich die Menschenkette. Von Willi Spichartz

Hand in Hand zum Tagebaurand. So lässt sich beschreiben, was sich am Samstag zwischen Keyenberg und dem Aussichtspunkt "Skywalk" für den Tagebau Garzweiler bei Pesch/Jackerath abspielte. Um 14 Uhr war die "Anti-Kohle-Kette" geschlossen, die 6000 Menschen gebildet hatten, um der (Energie-)Politik zu zeigen, was sie von weiterem Braunkohleabbau halten: "Bis hier und nicht weiter!"

Die Autobahn 61 soll nach dem Willen der rund 6000 aus der Rheinischen Region, der Braunkohlenregion Lausitz, aus Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden, Belgien, Polen, Kolumbien, weiten Teilen Deutschlands, aus Australien und den USA Angereisten die Grenze als No-Go-Area für die Riesenbagger von RWE Power sein.

Bei der Abschlusskundgebung in Immerath dankte Dirk Jansen den Teilnehmern. Das sterbende Dorf wurde für ein paar Stunden zum (Energie-)Marktflecken. FOTO: Laaser, Jürgen (jl)

Wegen der groß angelegten Protestaktion waren Ortsdurchfahrten der tangierten Dörfer und ein Teilstück der Landstraße 277 gesperrt. Weil die Menschenkette und möglichen Einschränkungen im Vorfeld hinreichend bekannt gemacht worden waren, kam es nach Polizeiangaben nur zu geringfügigen Verkehrsbehinderungen.

Bunter als die Regenbogenflagge, als Symbol für Toleranz und Frieden auch dabei, zeigten sich die Ketten-Glieder aller Altersstufen sowohl in Kleidung und den im Wind und bei zeitweiligem Regen flatternden Fahnen, fantasievollen Bannern und selbstgebastelten Plakaten. Am Ende der Kette, am Skywalk von RWE als Aussichtsplattform am Tagebaurand, öffnete sich ein Luftcontainer, um mehrere hundert schwarze Luftballons in die Atmosphäre zu entlassen, die damit um genau 14 Uhr zeigten, dass das große Ziel, eine geschlossene Menschenkette von Keyenberg her über 7,5 Kilometer zustande zu bringen, erreicht war.

Größte Menschenkette gegen Tagebau im Rheinland FOTO: Jürgen Laaser

Dazu waren die 6000 mit 50 Bussen und zahlreichen Fahrrädern und energiesparenden Kraftfahrzeugen oder einfach zu Fuß an verschiedenen Haltepunkten eingetroffen, um sich aufeinander zuzubewegen und einander die Hand zu reichen. Menschen gegen Bagger - dazu hatten auch eine ganze Reihe von Landwirten ihre Traktoren gegen die Riesen-Bodenfresser gerichtet. Das Gebrumm der Landwirtschaftsmaschinen konkurrierte mit Musik aus Beschallungsanlagen oder mobilen Musikinstrumenten.

Im kleinen Lützerath war eine Art Feld- oder Wiesenlager aufgeschlagen, wo die Protest- und Ketten-Jugend übernachten und an Workshops teilnehmen konnte. In Immerath-Alt bot sich ein Anblick, wie es ihn wohl noch nie gegeben hat und auch nie mehr geben wird: Zwei Dutzend Stände machten das sterbende Dorf zum Marktflecken für Informationsangebote zu Energie und alternativen Lebensformen. Fahnen und Kleidung für Protestler für viele Gelegenheiten - Bionade als Standardgetränk, die VoKü "Likendeeler" sorgte für schad- und zusatzstofffreie Ernährung. Die "Volksküche" aus Köln als Gleichteiler - letzteres bedeutet Likendeeler auf Hochdeutsch, so nannten sich die kultigen Kapersegler um Klaus Störtebecker im Hamburg des 14. Jahrhunderts.

Menschenkette gegen Braunkohletagebau in Garzweiler FOTO: dpa, obe cul

Auf der Bühne auf dem Profi-Event-Truck zeigte sich ein (früher) bekanntes Gesicht: "Purple Schulz", der Popsänger aus Köln, der sich als Unterstützer der Organisation Campact outete. Mehr Beifall strich die Internationale Truppe "Hop Stop Banda" aus Köln ein, die jazzig-balkanisch sogar leicht müde Ketten-Glieder zum Tanzen brachte. Straßen-Tanz - auch das dürfte es in Immerath-Alt nie mehr geben.

"Die Aktion verlief ohne größere Zwischenfälle und wurde gegen 17.15 Uhr beendet", zog Polizei-Pressesprecher Karl-Heinz Frenken Bilanz. Allerdings: "Von 20 Personen wurde die Identität festgestellt und ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Hausfriedensbruchs eingeleitet.

Quelle: RP
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