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Norbert Müschen
66 jecke und erfolgreiche Japstock-Jahre

Norbert Müschen: 66 jecke und erfolgreiche Japstock-Jahre
Norbert Müschen - einst jahrzehntelang der Elferratspräsident der KüKaGe. Heute führt er die stolze rot-weiße Gesellschaft als Präsident. FOTO: JÜRGEN LAASER (ARCHIV)
Erkelenz. Die KG "De Japstöck" Kückhoven feiert Geburtstag. Präsident Norbert Müschen kennt wie kaum ein anderer die wechselvolle Geschichte.

Kückhoven 6 x 11 Jahre - die Karnevalsgesellschaft "De Japstöck" Kückhoven feiert närrischen Geburtstag. Am Sonntag, 8. November, lädt die KüKaGe daher zum Jubiläumstreff ein, der um 11 Uhr in der Mehrzweckhalle, Thingstraße, beginnt. Ehe die Party steigt, schaute Präsident Norbert Müschen zurück und wagte einen Blick nach vorn.

Als waschechter Kückhovener Jung' kennen Sie die karnevalistische Tradition Ihres Heimatdorfes so gut wie kaum ein anderer. Wie kann es da sein, dass der Karneval erst vor 66 Jahren mit der Gründung der KG einen offiziellen Charakter bekam?

Müschen Das ist eine gute Frage, die selbst ich nicht schlüssig beantworten kann. Nachweislich gab es schon 1886 karnevalistisches Treiben im Ort. Dieses Brauchtum, vornehmlich Sitzungen, wurde von Gruppierungen und Vereinen veranstaltet, die gemäß Satzung keine Karnevalsvereine waren. Als Verein hat sich das Brauchtum wirklich erst 1949 organisiert. Dann aber ist Kückhoven karnevalistisch durchgestartet.

Noch heute sind die fünf Nachbarschaften des Ortes aktiv. Sind sie so etwas wie die Grundpfeiler der KG?

Müschen Wenn man sagt "Grundpfeiler des Kückhovener Straßenkarnevals" trifft es den Kern besser. KüKaGe und Nachbarschaften ergänzen sich, in dem sie unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Die Nachbarschaften stellen die Tollitäten und die Prinzengarde. Dort werden die Wagen gebaut und sie stellen die Kostümgruppen - das alles und von Anbeginn finanziell weitgehend unabhängig von der KüKaGe. Dem Verein obliegt die Organisation des Tulpensonntagszuges, der Sitzungen und der Saalveranstaltungen. Die Mitgliedschaft ist unabhängig voneinander, dabei waren und sind viele der Handelnden in beiden Gruppen aktiv. Das fördert den Informationsaustausch. Seit den 1990er Jahren haben sich die Gewichte zwischen KG und Nachbarschaften verschoben. Dominierten anfangs die Nachbarschaften, so wird seit dieser Zeit die KG stärker wahrgenommen. Durch die Gründung verschiedener Gruppen wuchs die Zahl der uniformierten Aktiven. Es folgten Gastbesuche bei Gesellschaften im Verbandsbereich und die starke Präsenz im Rosenmontagszug in Erkelenz. Aus einer Tanzgarde wurden vier weibliche Garden und eine männliche Gruppe mit äußerst professionellen Trainingsstrukturen und ständiger Turnierteilnahme. Die Rolle der Nachbarschaften hat sich nur wenig geändert. Auch wenn eine rückläufige Entwicklung zu beobachten ist, gäbe es wohl ohne die Beteiligung der Nachbarschaften keinen Tulpensonntagszug und keine Tollitäten in Kückhoven.

Eng mit dem Namen "De Japstöck" verbunden sind die Erfolge Ihrer Tanzgarden, die Ihre rot-weißen Farben bundesweit bekannt gemacht haben. Für wie entscheidend halten Sie das mit Blick auf die Zukunft?

Müschen Bevor ich den Blick nach vorne wage, möchte ich unterstreichen, wie wichtig die Garden für den Status Quo der KüKaGe sind. Sehr viel, was man positiv mit der KüKaGe verbindet, ist dem Engagement der Tanzgarden geschuldet. Seit Mitte der 1990er Jahre qualifizieren sie sich regelmäßig für das Halbfinale oder Finale der Deutschen Meisterschaften. Von August bis März sind bei den Turnieren viele Eltern, Fans, Betreuer und Tänzer im Einsatz. In Summe wird mehr Zeit investiert als bei den traditionellen Aktivitäten rund um den Karneval. Abgesehen davon, dass zwei Drittel unserer Aktiven aus den Garden und dem Männerballett kommen. Zurück zur Frage lautet deshalb die Antwort: Die Tanzgruppen sind die Zukunft. Was mich optimistisch stimmt ist die Tatsache, dass wir zwischen den Tanzgruppen und den anderen fünf Gruppen ein Wir-Gefühl entwickeln konnten. Ein Grund dafür sind die manchmal kritisierten restriktiven Zugangsregeln für die Tanzgarden - bekanntlich kann nur jemand aufgenommen werden, wenn er in Kückhoven beheimatet oder dort zur Grundschule gegangen ist oder es eine enge familiäre Bindung gibt. Ein KüKaGe-Gen ist so meist vorhanden. Zum anderen müssen die Tanzgarde 1 und das Männerballett genauso wie alle anderen vor, bei und nach den Veranstaltungen arbeiten. Auf den Punkt gebracht: Kellnern, Putzen und Mobiliar schleppen. Ich verrate ein Geheimnis: Manche Mädchen sehen in der KüKaGe zum ersten Mal im Leben einen Putzeimer mit Schrubber und Aufnehmer. Das prägt nicht nur, sondern die jungen Aktiven bewegen sich so auf Augenhöhe und haben Anteil am wirtschaftlichen Erfolg unserer Gesellschaft.

Sie waren jahrzehntelang der Elferratspräsident, heute stehen Sie dem Verein als Präsident vor. Was denken Sie, wo Ihre KG in zehn Jahren steht?

Müschen Wahrscheinlich ist das die schwierigste Frage. Ich denke, dass sich das Bild wandeln wird. Wer die Veränderungen im Sitzungs- und Straßenkarneval aufmerksam verfolgt, sieht, dass die Party & Fun-Kultur auf dem Vormarsch ist. Wir registrieren ein steigendes Veranstaltungsangebot. Gleichzeitig nimmt die Bereitschaft, sich einzubringen, ab. Besonders bei einer Gesellschaft wie der KüKaGe fällt es schwerer, Ressourcen zu aktivieren. Weniger Freiwillige führen bei ungekürzten Angeboten zwangsläufig dazu, das man Serviceleistungen einkaufen muss. Damit werden finanzielle Spielräume geringer. Salopp gesagt: Karneval wird teurer. Trotzdem glaube ich, dass wir über eine sehr gute Substanz verfügen und künftig erfolgreich sind, wenn wir den Jungen eine Plattform bieten und den Generationswechsel in der KüKaGe-Führung hinkriegen.

Am Sonntag werden die 6 x 11 Japstöck-Jahre groß gefeiert. Auf was dürfen sich die Besucher freuen?

Müschen Auf eine hoffentlich tolle Party. Wir haben keine Festveranstaltung geplant und wollen locker feiern. Für Stimmung sorgen DJ's on Tour, die "Dröpkes" und die Kölner Topband Kuhl un de Gäng. Im Mittelpunkt stehen auch die Tanzgarden. Die TG 1 und 2 zeigen zum ersten Mal in Kückhoven ihre neuen Showtänze, die TG3 wird ihren neuen Gardetanz präsentieren. Und mit neuem Bühnenbild zeigen wir, dass die KüKaGe-Zukunft begonnen hat.

ANKE BACKHAUS STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
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