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Erkelenz
Ablässe für 122.000 Jahre Fegefeuer

Erkelenz. Ein lebendiges Zeitbild entwarf Günther Merkens, Vorsitzender des Heimatvereins der Erkelenzer Lande, bei seinem Vortrag über Arnold von Harff in der Grablege des Pilgers-Ritters in der Lövenicher Kirche St. Pauli Bekehrung. Von Willi Spichartz

Die erhoffte Ausbeute war respektabel: 122.000 Jahre Sündenstrafen-Erlass standen am 10. Oktober 1498 in der Bilanz des Pilger-Ritters Arnold von Harff, der eine fast zweijährige Wallfahrt nach Rom, Jerusalem und Santiago de Compostela hinter sich gebracht hatte. Günther Merkens hielt nun als Vorsitzender des Heimatvereins der Erkelenzer Lande in der (vermutlichen) Grablege des Ritters, der Pauli-Bekehrungskirche in Lövenich, einen kurzweiligen Vortrag zum Leben und Pilgern des auf Schloss Harff in Bedburg geborenen frommen Mannes.

Eingangs lenkte Pfarrer Werner Rombach vor einer halben Hundertschaft interessierter Zuhörer den Blick auf die in der Kirchenkrypta stehende Grabplatte des rheinischen Ritters, die von einer Vielzahl von Wappen gekränzt ist, die ihn "als bedeutenden Menschen für Lövenich" ausweisen. Der nur 34 Jahre alt wurde.

Günther Merkens folgte der Spur des Pilgers, der seine Reise am 7. November 1496 im Kölner Dom am Dreikönigenschrein antrat, sich dort am 10. Oktober 1498 nach erfülltem Gelübde wieder einfand. Dieses Datum nutzte Günther Merkens, um eine Facette des ritterlichen Pilgers zu benennen - der des Schlingels, der auch ein Dichter war, denn er dichtete in seinem Reisebericht das Datum seiner Rückkunft auf den 10. Oktober 1499.

Historiker, zog Vorsitzender Merkens unbestechliche Zeugen heran, hätten nachgewiesen, dass von Harff tatsächlich 1498 zurückgekehrt sei.

Der Grund der Schlingelei, die vielleicht mit den 122.000 erworbenen Minderjahren im Fegefeuer abgegolten war: Neben Rom, Jerusalem und Santiago de Compostela will von Harff am Grab des Heiligen Thomas im indischen Mylapore gewesen sein. Im 15. Jahrhundert, einer absoluten Hoch-Zeit des Pilgerwesens und des damit verbundenen Erwerbs von Ablässen, stieg das Renommee eines Pilgers mit der Zahl der erreichten Stätten. Die Beschreibung des angeblichen, einjährigen Indien-Trips ist erkennbar bei Marco Polo abgeschrieben.

Ansonsten ist das Pilgertagebuch eine absolute Besonderheit, indem der gebildete und studierte Arnold einen Reisebericht in schriftlicher Form gefertigt hat, von dem zu seinen Lebzeiten etwa 25 Abschriften aufgelegt worden sind, eine existiert noch im Kloster Maria Laach und eine in England, wo laut Günther Merkens der Pilgerritter ohnehin bekannter ist als in Deutschland.

Lebendig trat der aus einer Verwaltungsdynastie stammende von Harff in Merkens' Vortrag hervor, der nicht in Pilgerkleidung, sondern in Kaufmanns-Reisetracht zu Pferd unterwegs war.

Spannend auch die lebendigen Schilderungen der Reisewege der Natur, der Städte, der Kathedralen, der Menschen und weiterer Schlingel, die der Ritter vorlegte: "Pfaffen" reklamierten das Grab des Heiligen Jakobus jeweils für sich in Rom, Toulouse und Santiago, der Heilige Matthias hat Gräber in Rom und Trier - sündenstrafen-mildernde Ablässe konnte man an allen erwerben.

Quelle: RP
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