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Erkelenz
Alles da - nur die Flüchtlinge fehlen

Fotos: Turnhallen im Berufskolleg Erkelenz werden für Flüchtlinge vorbereitet
Fotos: Turnhallen im Berufskolleg Erkelenz werden für Flüchtlinge vorbereitet FOTO: Uwe Heldens
Erkelenz. Unter Hochdruck verwandelten Helfer am Wochenende die Turnhallen des Berufskollegs Erkelenz in eine Notunterkunft für 210 Flüchtlinge. Dann kam die Nachricht: Die Flüchtlinge kommen doch nicht. Von Michael Heckers

Die Nachricht der Bezirksregierung Köln ließ die Verantwortlichen des Kreises Heinsberg gestern Nachmittag ganz schön ratlos zurück. In einer beispiellosen Aktion hatten Mitarbeiter des Kreises Heinsberg und zahlreiche Helfer von Feuerwehr, vom Technischen Hilfswerk (THW), dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) und dem Malteser Hilfsdienst (MHD) die beiden Turnhallen am Willy-Stein-Stadion (Westpromenade) am Wochenende in eine Notunterkunft verwandelt. 210 Flüchtlinge sollten kommen - so hatte es die Bezirksregierung Köln erst am Freitagabend angekündigt. Gestern um 15.45 Uhr hieß es dann plötzlich ,Kommando zurück': "Wir wurden informiert, dass die Flüchtlinge nun doch nicht kommen. Mehr wissen wir im Moment auch nicht", teilte Kreispressesprecher Ulrich Hollwitz mit.

Der Kreis Heinsberg hatte am Freitagabend den Krisenstab aktiviert. Wie Landrat Stephan Pusch gestern in Erkelenz erläuterte, sollen die 210 Flüchtlinge bis zur Fertigstellung geeigneter Erstaufnahmeeinrichtungen durch den Kreis Heinsberg in der Selfkant-Kaserne Geilenkirchen-Niederheid (140 Plätze bis Ende nächster Woche) und Wegberg-Petersholz (300 bis 350 Plätze bis Ende Oktober) vorübergehend in den Turnhallen des Berufskollegs Erkelenz an der Westpromenade untergebracht werden. "Da zwischen der Benachrichtigung seitens der Bezirksregierung Köln und dem Eintreffen der Flüchtlinge nur rund 48 Stunden liegen, sah sich der Krisenstab des Kreises Heinsberg gezwungen, quasi über Nacht diese 210 Plätze zu schaffen", sagte Landrat Pusch.

FOTO: Jürgen Laaser

Seit Samstagmorgen arbeiten 40 Bedienstete des Kreises Heinsberg, darunter Verwaltungsmitarbeiter, Techniker, Hausmeister und Bauhofmitarbeiter, mit Hochdruck daran, die Turnhallen für die Erstaufnahme der Flüchtlinge bezugsfertig zu machen. Feuerwehr, THW, DRK und MHD schickten jeweils zehn bis 15 Leute nach Erkelenz.

Ob und wann die Notunterkunft nun gebraucht wird, blieb bis gestern Abend unklar. Ursprünglich sollte sie bis zum Ende der kommenden Woche von Mitarbeitern der Kreisverwaltung mit Unterstützung des DRK und des MHD betrieben. "Wir werden dann aber sicher nicht anfangen, alles abzubauen. Wir wissen ja, wie unberechenbar die Lage im Land zurzeit ist", sagte Stephan Pusch.

FOTO: Jürgen Laaser

Der Landrat und der Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen lobten die Helfer in Erkelenz ausdrücklich. "Es ist gut zu wissen, dass wir so leistungsfähig sind, auch solche Probleme zu stemmen. Wir werden alles Menschenmögliche unternehmen, um eine intakte und gut funktionierende Flüchtlingseinrichtung zu schaffen", sagte Pusch. Der Landrat bat diejenigen um Verständnis, die die Turnhalle während des Unterrichts und in ihrer Freizeit nutzen, "aber diese für Deutschland, Nordrhein-Westfalen und den Kreis Heinsberg außerordentliche Situation erfordert schnelle und wirksame Hilfe", sagte Pusch. Insgesamt leben zurzeit etwa 3000 Flüchtlinge im Kreis Heinsberg.

Quelle: RP
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