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Erkelenz
Amtsgerichtsdirektor tritt in Ruhestand

Erkelenz: Amtsgerichtsdirektor tritt in Ruhestand
Abitur in Erkelenz, Studium in Köln, Staatsprüfungen in Düsseldorf, Promotion in Köln, Richter unter anderen in Mönchengladbach, Düsseldorf, Grevenbroich und Erkelenz. FOTO: Renate Resch
Erkelenz. Dr. Karl-Heinz Horbach ist seit 2002 Direktor des Amtsgerichts Erkelenz. Der gebürtige Lövenicher, der seiner Heimat stets treugeblieben ist, blickt auf seine Diensttätigkeit zurück, in die der Gerichtsneubau fiel. Von Kurt Lehmkuhl

In die Ferne zu schweifen, das ist nicht das Ding von Dr. Karl-Heinz Horbach. Er ist mehr der bodenständige Typ. Die Heimatverbundenheit wird sich auch nicht ändern, wenn der scheidende Direktor des Amtsgerichts Erkelenz Ende des Monats in den Ruhestand tritt.

1952 in Lövenich geboren, hat er sich während Ausbildung und Berufstätigkeit stets in der näheren Umgebung aufgehalten: Abitur in Erkelenz, Jurastudium in Köln, Juristische Staatsprüfungen in Düsseldorf, Promotion in Köln, Tätigkeiten als Richter unter anderen am Landgericht Mönchengladbach und Oberlandesgericht Düsseldorf - und dann wieder zurück in die Heimatstadt. Nach einer Tätigkeit als Direktor des Amtsgerichts Grevenbroich von 1994 bis 2002 ist er seitdem Direktor des Amtsgerichts in Erkelenz.

Horbach macht nicht viel Aufheben um seine Person. Der verheiratete Vater zweier Töchter, der in Kleinbouslar lebt, hat seine Arbeit getan und seine Hobbys gepflegt. 1983 hat er den TC Lövenich mit gegründet, war dort lange im Vorstand aktiv und freut sich nun darauf, auf der Anlage am Hötzelenberg Tennis zu spielen. Er ist zwar in erster Linie Richter gewesen, wobei ihm das Zivilrecht näher liegt als das Strafrecht, aber er ist in seinen Jahren als Gerichtsdirektor auch immer "Bauherr" gewesen. Das war in Grevenbroich so, als in seiner Zeit der Leitung die Planung für die Erweiterung des Gebäudes anstand. "Aber als es tatsächlich gebaut wurde, war ich schon wieder in Erkelenz."

In Erkelenz hingegen war er von der ersten bis zur letzten Minute dabei, als Planung und Verwirklichung des neuen Amtsgerichts in unmittelbarer Nähe des bisherigen anstanden. "Nach außen hin war unser altes Gerichtsgebäude vielleicht noch ansprechend. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb hat aber festgestellt, dass eine Sanierung teurer käme als ein Neubau", erläutert Horbach. Das alte Gebäude hatte einige Defizite. "Unter anderen mussten Strafgefangene bei Vorführungen durch den öffentlich zugänglichen Bereich geführt werden. Das war immer mit einem Risiko verbunden."

Dieses Risiko ist im neuen Gerichtsgebäude nicht mehr vorhanden. Zustimmung findet bei Horbach der Verzicht auf eine gewerbliche Nutzung des Erdgeschosses, wie in der Ursprungsplanung vorgesehen war. Ein Geschäft und ein Gericht in einem Gebäude vertragen sich nicht unbedingt. Sinnvoll sei es hingegen, den Sozialen Dienst ins Gebäude zu integrieren. Bisher fanden die Besuche in den Büros der Bewährungshelfer irgendwo weit entfernt von der Innenstadt statt.

Über seine eigentliche Arbeit möchte Horbach gar nicht so viele Worte verlieren. Er richtet lieber in aller Bescheidenheit, und das in den vergangenen 15 Jahren in Familiensachen, und leitet das Gericht, an dem elf der zwölf Richterstellen besetzt sind. Rückblickend bleiben ihm einige wenige Dinge als spektakulär in Erinnerung. Dazu gehört ein Verfahren im Landwirtschaftsrecht. Dort musste Horbach in einem Fall richten, in dem sich Pächter und Verpächter über einen defekten Teichmönch, einer Absperreinrichtung zwischen Teichen, stritten. Der "Mönchfall" landete vor dem Bundesgerichtshof. Wie er dort ausging, weiß Horbach nicht mehr. "Ich habe meine Urteile gefällt. Wenn sie tatsächlich einmal von höheren Instanzen geändert wurden, entzieht sich das meinem Einfluss. Dass Urteile geändert werden, kann immer wieder vorkommen. Damit muss man als Richter leben, auch wenn man gewissenhaft ein Verfahren beurteilt."

Und die Verfahren werden immer aufwändiger, wenn auch nicht immer mehr. 1981 etwa, in der Zeit seiner ersten Richtertätigkeit in Erkelenz, gab es rund 1700 Familienrechtsfälle, die von zwei Richtern behandelt wurden. Im vergangenen Jahr waren es zwar nicht mehr Fälle, aber mit denen mussten sich drei Richter viel länger beschäftigen. "Es wird mehr geklagt und vor Gericht gestritten." Nahe gingen ihm bisweilen Familienstreitigkeiten, wenn Kinder betroffen sind. "Das macht schon nachdenklich, wenn diese Kinder etwa im Alter meiner fünf Enkel sind."

An eine Episode aus seiner Zeit als Direktor des Amtsgerichts Grevenbroich erinnert er sich auch heute noch gerne. Dort hatte ein Rechtsanwalt geklagt, weil er bei einer Einfahrt in eine Tiefgarage mit seinem Wohnmobil an der Decke steckenblieb. Ein Kollege hatte dazu notiert: "Der Kläger fuhr mit seinem zunächst 2,20 Meter hohen Fahrzeug in die Tiefgarage."

Zum letzten Mal verlässt Horbach sein Büro im obersten Stock des neuen Amtsgerichts an der Kölner Straße. Wer sein Nachfolger wird, ist noch nicht offiziell bekannt. "Es wird wohl eine zeitnahe, externe Besetzung geben", sagt der scheidende Direktor, der sich auf die nächsten richterfreien Jahre freut. Da bleibt mehr Zeit für die Familie und das Tennisspielen - und der Blick auf den Lambertusturm, aus dessen Schatten der heimatverbundene Mann immer nur ungern getreten ist.

Quelle: RP
 
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