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Erkelenz
Auf dem Erkelenzdamm in Berlin

Erkelenz: Auf dem Erkelenzdamm in Berlin
Der Erkelenzdamm in Berlin ist 760 Meter lang und bietet Wohnraum in 69 Mehrfamilienhäusern. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Straße zu ihrem heutigen Namen, der mit der Stadt Erkelenz aber nichts zu tun hat. FOTO: anek
Erkelenz. Mitten in Berlin gibt es eine Straße, die "Erkelenz" in ihrem Namen trägt. Besucher der Hauptstadt fällt das beim Blick auf den Stadtplan auf und sie fragen sich, ob damit ihre Heimat gemeint ist: Ist sie nicht. Von Philipp Schaffranek

An einem Tag mitten im Oktober herrscht Trubel am Erkelenzdamm. Das Parken ist an vielen Stellen verboten, große Technikfahrzeuge stehen auf der Straße. Für den "FilmMittwoch" in der ARD verfilmt eine Produktionsfirma gerade das Buch "Unterwerfung" des französischen Schriftstellers Michel Houellebecq. Drehort ist ein kleines Restaurant namens "picoteo", in dem sonst spanisch-portugiesische Küche angeboten wird. Edgar Selge spielt die Hauptrolle in dem Film, der davon handelt, dass ein islamischer Präsident in Frankreich an die Macht kommt. Auch Matthias Brandt spielt mit.

So viel Trubel direkt vor ihrer Haustür kennen die Bewohner der 69 Mehrfamilienhäuser, die am Erkelenzdamm ihre Heimat haben, normalerweise nicht. Eigentlich ist die 760 Meter lange Straße eine ruhigere Ecke Berlins, obwohl es zu Fuß nicht einmal fünf Minuten sind bis zum Kottbusser Tor, einem Verkehrsknotenpunkts des Berliner Stadtteils Kreuzberg, der oft wegen Drogenhandel und Kriminalität in den Schlagzeilen ist. An den Erkelenzdamm hingegen grenzt ein kleiner Park, der aktuell ein bisschen umgestaltet wird.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Straße zu ihrem heutigen Namen. Am 31. Juli 1947 wurde sie nach dem deutschen Gewerkschafter und Politiker Anton Erkelenz benannt. Zwei Monate zuvor war Erkelenz, der in Neuss geboren wurde, gestorben. Ursprünglich war die Straße nach Königin Elisabeth von Preußen benannt gewesen. Bis die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Aus dem Elisabethufer wurde der Hoffmanndamm. Die Nationalsozialisten wollten an Hans Hoffmann erinnern. Ein Mitglied der Hitlerjugend, der Berichten zufolge im Jahr 1931 im Alter von 17 Jahren von anderen Jugendlichen aus der kommunistischen Bewegung attackiert worden war. Er starb an den Folgen eines Bauchschusses. Nach dem Krieg sollte nichts mehr auf diese Weise an die Nationalsozialisten erinnern. Die Straße, die in Westberlin lag, brauchte einen neuen Namen.

In dem kleinen Restaurant "picoteo" wird ein Film für die ARD gedreht. FOTO: Schaffranek Philipp

Neben Altbauten säumen moderne Neubauten den Straßenrand. Einige der Häuserfassaden sind mit Graffiti beschmiert. Viele Initialen, wie "baat", "NSK." und "PAN" sind dort angesprüht. Es lässt sich nur mutmaßen, ob mit "R3US" der heutige Dortmunder, früher Mönchengladbacher Fußballspieler gemeint sein soll. Andere Häuser sind unbemalt, haben sogar einen kleinen Vorgarten. Das ist nicht so üblich, mitten in Berlin.

Obwohl es eine eher ruhige Straße ist, gibt es eine Handvoll Restaurants und Bars. Im Obermaier werden Tiroler-Spezialitäten gekocht, in einer ehemaligen Apotheke, deren Ambiente aufrechterhalten werden soll, werden Kuchen und Gerichte aus Bio-Produkten serviert und das Restaurant "Viasko" bietet ausschließlich veganes Essen an. So ist Berlin eben. Dazu passt auch, dass gleich neben dem angesiedelten Gewerbehof mit Tischler und Buchverlag eine Yoga-Schule ihr Kursprogramm anbietet. Auf Englisch.

FOTO: Schaffranek Philipp

Simon Dammer, der gerade vom an den Erkelenzdamm grenzenden Fraenkelufer kommt, gefällt die Gegend: "Es ist nicht ganz so wuselig, aber trotzdem spiegelt die Gegend rund um den Erkelenzdamm Berlin irgendwie wieder." Außerdem sei es sehr grün, was für eine Großstadt nicht selbstverständlich sei. "Gerade an schönen, sonnigen Tagen bin ich hier gerne unterwegs."

Quelle: RP
 
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