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Erkelenz
Auf Spurensuche des jüdischen Lebens

Erkelenz: Auf Spurensuche des jüdischen Lebens
Schüler aus dem französischen Cluny im Alten Rathaus: Bürgermeister Peter Jansen (2.v.r.) empfing die Gruppe, die zu Gast waren am Cusanus-Gymnasium, in der guten Stube der Stadt. FOTO: JÖRG KNAPPE
Erkelenz. Schüler aus Cluny zu Gast in Erkelenz: Die Schüler des Lycée La Prat's waren in Erkelenz in besonderer Mission unterwegs. Von Anke Backhaus

Hubert Rütten bekannte am Ende seines umfassenden Vortrages: "Ich habe selten so engagierte Schüler gesehen, die das Thema ,Jüdisches Leben' so intensiv in ihren Projektarbeiten bearbeitet haben." Der Leiter des Arbeitskreises "Erforschung und Darstellung der Geschichte" im Heimatverein der Erkelenzer Lande bekam es nun mit den Schülern des Lycée La Prat's aus Cluny zu tun. Sie waren zu Gast am Erkelenzer Cusanus-Gymnasium, und zwar schon zum wiederholten Mal.

Cluny - die Kleinstadt im französischen Département Saône-et-Loire in der Region Burgund zählt nur rund 5000 Einwohner. Das Städtchen war in Frankreich eine kleine Zone, die nicht besetzt war. Ein guter Ort also, um jüdische Menschen vor der Verfolgung zu verstecken. Die Familie Oferman-Rotbart war eine Familie, die in Cluny Zuflucht fand - und dennoch später deportiert wurde.

Obwohl es in Cluny keine jüdische Gemeinde gab, haben die Schüler im Lycée dennoch einen Schwerpunkt auf die Erforschung des jüdischen Lebens in ihrer Heimat gesetzt. Bei den Recherchen ist man auf Erkelenz gestoßen, weil hier längst Stolpersteine verlegt wurden, die an das jüdische Leben erinnern. Dafür verantwortlich zeichnet der Kölner Künstler Gunter Demnig, der europaweit die Stolpersteine verlegt - nun eben auch in Cluny.

Jetzt stand also der Besuch in Erkelenz an. Übrigens nicht zum ersten Mal, denn beide Schulen pflegen bereits länger die Schulpartnerschaft. Die französischen Schüler zwischen 14 und 17 Jahren wurden von Bürgermeister Peter Jansen begrüßt, der stets betont, "dass der Austausch der Erkelenzer Schulen mit ausländischen Schulen sehr bereichernd für die Stadt Erkelenz ist".

Und dann machten sich die Cusaner, auch 14 bis 17 Jahre alt, und ihre Gäste aus Frankreich auf. Mit Hubert Rütten hatten sie einen idealen Partner, denn der hat sich umfassend mit der jüdischen Geschichte der Stadt Erkelenz auseinandergesetzt. Er führte die Schüler zu einigen Stolpersteinen, die in der Innenstadt verlegt sind und die an die jüdischen Menschen erinnern. Rütten führte sie zu der Stelle, wo früher die Synagoge stand. Klar, dass die französischen Schüler, die von ihrer Lehrerin Madame Catherine Girbig begleitet wurden, einige Fragen auf Lager hatten, die Rütten zu beantworten wusste. Insgesamt staunten die Gäste, wie viele Stolpersteine in Erkelenz verlegt sind. Hubert Rütten kombinierte seine Stadtführung dann auch mit der Route gegen das Vergessen.

Die Franzosen hatten ein anstrengendes Programm in Deutschland zu absolvieren. Neben der Teilnahme am Unterricht im Cusanus-Gymnasium standen auch Ausflüge nach Xanten und Bonn auf dem Plan. Schon bald gibt es ein Wiedersehen: Wie die Cusanus-Lehrer Thorsten Odenthal und Maria Jorias sagten, findet der Gegenbesuch schon Anfang Juni statt.

Quelle: RP
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