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Erkelenz
Auf winterliche Zeitreise gehen

Erkelenz: Auf winterliche Zeitreise gehen
Am Samstagabend bot die mittelalterliche Zeltstadt an der Burgmauer ein malerisches Ambiente, das die Besucher anzog, leider beeinträchtige gestern das Regenwetter die Atmosphäre. FOTO: Jörg Knappe
Erkelenz. Rund um die Burg wurden Besucher am Wochenende in eine mittelalterliche Zeltstadt eingeladen, in der nach historischen Vorgaben gelebt und gearbeitet wurde. Die "Freunde der Burg" hatten dies zum vierten Mal organisiert. Von Philipp Schaffranek

Rund um die Burg sind Zelte aufgeschlagen. Es ist schon dunkel und vor den Zelten brennen kleine Feuer. Um diese herum sitzen Menschen, in Umhänge gehüllt. Gerade kochen sie. Es gibt Leber- und Grießknödel. Ein Rezept aus dem Buch der guten Küche - eines der ersten mittelalterlichen Kochbücher. Es ist das Jahr 1310. Das Spätmittelalter hat gerade begonnen. Seit zehn Jahren hat das Papier das Pergament abgelöst. Das römisch-deutsche Reich ist zurzeit königslos.

"Wir versuchen, alles bis ins kleinste Detail nachzubilden", sagt Alexander Simon. Der mittelalterliche Name des 30-Jährigen ist Alexander von Duisdorf. Gemeinsam mit sieben Freunden aus Bonn, Gelsenkirchen und Erftstadt bildet er die Gemeinschaft "Rubicundi Rheni" (Die Roten vom Rhein). Sie sind zu Gast auf dem mittelalterlichen Adventsmarkt, den die "Freunde der Burg" veranstalten. "Es geht darum, das Lebensgefühl nachzuempfinden", sagt die 27-jährige Katharina von Duisdorf (Cat Schumacher).

2010 gründete sich die Gruppe. Seitdem besuchen sie pro Jahr bis zu 16 Mittelaltertreffen. Indem sie damals 700 Jahre zurückrechneten, kamen sie auf das Jahr 1310. Dieses stellt die Gruppe nun nach. Sie machen die Geschichte dieser Zeit wieder erlebbar - Living Histroy nennt sich die Bewegung. Dabei handele es sich um eine spannende Zeit. "Es fand ein richtiger Modewandel statt", sagt Katharina. Die Kleidung wurde mit den ersten Knöpfen ausgestattet.

Das Inventar der Gruppe ist möglichst originalgetreu. Möbel, Besteck, Trinkgefäße - alles mittelalterlich. Die Kleidung ist handgemacht und zum Teil pflanzlich gefärbt. Und obwohl es auf den Winter zugeht, zeltete die Gruppe. Mit Wolldecken und Schafsfellen sei das möglich. Auf den Wegen zwischen den Zelten und im Burghof herrschte am Samstag reges Treiben. Viele Besucher guckten sich die mittelalterliche Welt ganz genau an und befragten die Darsteller. Auf dem Burghof spielte die Mittelalter-Band "Die Galgenvögel". Ritter, Spielleute, Gaukler und viele weitere Menschen in mittelalterlicher Kleidung tanzten gemeinsam dazu. Am Samstagabend gab es ein Feuerwerk. Zuvor begeistere eine Feuershow die Besucher.

An den einzelnen Ständen konnten Schmuck, Deko, Holzarbeiten, Körbe, Felle und Spirituosen erworben werden. Zum Essen gab es Gegrilltes, Flammkuchen und Stockbrot. Bei Michael Voncken (33) gab es neben Schmuck auch Rüstungen. Der Siegburger stellt einen Panzermacher dar.

Seit 12 Jahren macht er das hobbymäßig. "Ich arbeite authentisch", sagt er und blickt dabei auf ein Kettenhemd. Die Ketten sind vernietet und verschweißt, wie im Mittelalter. Für ein normales Kettenhemd brauche er rund 200 Arbeitsstunden. Er stellt seine Produkte ganz klassisch auf dem Amboss her.

Quelle: RP
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