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Ein Tag Mit Volkmar Reitzenstein
Bau - wo jeder Millimeter entscheidet

Ein Tag Mit Volkmar Reitzenstein: Bau - wo jeder Millimeter entscheidet
Volkmar Reitzenstein beobachtet die Abläufe auf einer Baustelle sehr genau. FOTO: RENATE RESCH-RÜFFER
Erkelenz. Ein Tag auf der Baustelle - für Volkmar Reitzenstein ist das im Grunde Routine. Und doch geht nichts über Qualität. Der Handwerksmeister führt seit 2009 erfolgreich das nun 111 Jahre alte Erkelenzer Unternehmen H.-K. Jansen GmbH & Co. KG. Von Renate Resch-Rüffer

Erkelenz Es herrscht geschäftiges Treiben um 8 Uhr auf der Baustelle. Obwohl es regnet, sind die Männer beschäftigt. Einige verbinden Metallstangen miteinander, die das Grundgerüst für die Betonwände bilden, die später gegossen werden, andere platzieren die Schalungen für die späteren Wände. Im Bauwagen, der auf dem Gelände steht, hängen die Pläne des Architekten an der Wand. Die exakten Zeichnungen zeigen den Bauingenieuren die genauen Maße und Standorte für die einzusetzenden Teile. Genauso exakt müssen die Arbeiten dann umgesetzt werden.

Volkmar Reitzenstein baut mit seinem Unternehmen H.-K. Jansen GmbH & Co. KG Häuser in und um Erkelenz, bis ins Münsterland oder in die Eifel. Eines seiner Projekte befindet sich in Mechernich. Eine Maschinenhalle für ein dort ansässiges Unternehmen wird gefertigt. Durch die weite Strecke ist die Baustelle aufwändiger zu betreiben. Sein Polier, der bereits mehrere Jahre für H.-K. Jansen arbeitet, betreut die Bauarbeiten in Mechernich und fährt jeden Tag die Strecke von Erkelenz und zurück. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, auch auf diese Distanzen, übernehmen manche Bauabschnitte Subunternehmer, die vor Ort ansässig sind.

Auch das ist wichtig: Die Wartung des Baggers gehört auch zu den Aufgaben, die auf Baustellen erledigt werden müssen. FOTO: Renate Resch-Rueffer

Reitzenstein schaut regelmäßig auf den Baustellen vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Er geht mit dem zuständigen Polier die weiteren Abläufe durch, bespricht, wann welche Abschnitte betoniert werden oder wann welche Geschosse und Wände fertig sein sollen. Er bestellt selbst die notwendigen Materialien und weiß deshalb auch, dass die benötigten Dinge zur rechten Zeit vor Ort sind - eine wichtige Vorraussetzung für ein pünktliches Fertigstellen des Hauses. Alle Arbeitsabläufe müssen gut aufeinander abgestimmt sein, wie ein Zahnrad greift ein Ablauf in den Nächsten: Ohne die fertige Stahlkonstruktion können die Schalen für den Betonguss der Wände nicht angebracht werden. Ohne die fertigen Wände kann die Decke nicht darauf gesetzt werden. Anhand der Pläne des Architekten erklärt der Bauunternehmer die Bauabschnitte, die nötig sind, um ein Gebäude zu erstellen.

Begonnen wird mit dem genauen Ausmessen der Begrenzungen des zukünftigen Hauses - das übernehmen die Vermessungsingenieure. Entsprechend der gesetzten Marken wird ein Schnurgerüst erstellt, das dem Grundriss des Gebäudes entspricht. Die Fundamente werden angezeichnet und von einem Bagger ausgeschachtet. Auf die erste, eine fünf Zentimeter dicke Schicht, werden die Eisen gestellt, die einbetoniert werden. Das Fundament reicht etwa 80 Zentimeter in den Boden, zur Frostsicherheit. Der Gründungsplan des Architekten zeigt die genaue Position der Eisen, die einbetoniert werden und die Grundlage für das Eisenkonstrukt der Betonwände bilden. Dieser Arbeitsschritt wird von einem Statiker überprüft und abgenommen. Erst mit seiner Freigabe kann weitergearbeitet werden. Die Rahmenschalung für das Betonieren der Wände wird gesetzt. Der Beton wird eingefüllt und verdichtet, damit keine Luftbläschen zurückbleiben. Einige Stunden dauert es, bis der Beton fest ist. Die Trommelwagen, die den flüssigen Beton anliefern, müssen rechtzeitig vor Ort sein, um eine gleichmäßige Wand zu gießen. Je nach Größe sind mehrere Wagenladungen Beton für eine Wandschalung nötig.

Jeder Millimeter ist entscheidend: Volkmar Reitzenstein (r.) überzeugt sich von den Leistungen seiner Mitarbeiter. Reitzensteins Unternehmen ist zwischen dem Münsterland und der Eifel tätig. FOTO: Renate Resch-Rueffer

Sind alle tragenden Wände des Gebäudes gegossen, kann die Decke darauf gesetzt werden. Auch dafür werden Schalungen angelegt. Fenster und Türen werden entsprechend in den Schalungen angelegt und ausgespart. Sie werden abgenagelt und beim Befüllen mit Beton zusätzlich verdichtet, damit sich keine Holräume bilden. Wirklich ausgehärtet ist der Beton nach 28 Tagen, doch so lange kann mit den weiteren Arbeitsschritten nicht gewartete werden, keine Baustelle würde so fertig werden. Tragfähig ist die gegossene Wand oder Decke nach drei bis vier Tagen. Meist hat sie dann noch mehre Tage Stützen oder Schalungen zur Verstärkung.

Um auf der Baustelle zu arbeiten, bedarf es schon eines guten Maßes an Robustheit. Auch bei Regen, Hitze oder Kälte wird im Freien gearbeitet. Die Metallstangen werden auch bei Frost zusammengebunden - wohl mit Handschuhen - aber doch stundenlang am kalten Metall. Regen macht dem Beton nichts aus, im Gegenteil. Bei Hitze und praller Sonne muss der Beton sogar gewässert werden, damit er nicht spröde wird oder sich Risse bilden. Im Winter macht man sich die Eigenheiten des Materials zu Nutze. Die zum Abtrocknen entwickelte Eigenwärme des Beton, wird mit Strohmatten oder Folien gehalten und dieser so vor Frost geschützt, bis er ausgehärtet ist.

Als Besucher empfindet man die Baustelle interessant und spannend. Beim Betreten der noch nicht fertigen Hallen stößt man auf hohe, rohe Betonwände, deren schlichte Raumgröße und kahle Wände beeindrucken. Die Räume, an denen noch gearbeitet wird, sind durch Holzstützen von der Decke zum Boden abgestützt. Stapel mit Steinen für die Nichttragenden Wände stehen darin. Die Treppen sind noch Betonschrägen mit Eisenbügeln, an deren Wände die Treppen angezeichnet sind. Eine nüchterne, schlichte Atmosphäre, die durchaus malerische Züge aufweist. Für die Bauarbeiter nichts besonderes, sie betreten sie ja täglich und ihr Bestreben ist, das Gebäude möglichst schnell fertigzustellen. Eine Treppe ist schon begehbar, ringsum die Wände sind mit Holzverstrebungen abgestützt. Der Bauhelm schützt davor, sich beim Erklimmen des nächsten Stockwerkes nicht am Kopf zu stoßen. Im oberen Stockwerk stehen die Wände noch unter freiem Himmel. Hier kann der Kran das Material problemlos direkt auf dem rohen Boden ablegen, damit es verwendet werden kann. Die Geräusche des fahrenden Krans, das Klingen der montierten Eisenstäbe und das Hämmern an den Stellwänden begleiten die Arbeiten.

Schon viele Jahre ist Reitzenstein im Baugewerbe tätig. Für ihn sind die Arbeitsabläufe Routine. Sie sind ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Seiner Ausbildung und Berufserfahrung folgte der Besuch der Meisterschule in Köln, die er mit der Prüfung vor der Handwerkskammer 1998 abschloss. 2009 übernahm der Handwerksmeister das Familienunternehmen H.-K. Jansen und führt es erfolgreich mit 26 Mitarbeitern. Im Juni dieses Jahres feierte das Unternehmen sein 111-jähriges Bestehen, das in den neuen Räumen im GIPCO in festlichem Rahmen zelebriert wurde. Das Fest war mit einer Spendenaktion für alle Besucher verbunden und über den Lions Club Selfkant initiiert. Statt Geschenken spendeten die Gäste für ein Kühlaggregat, das der Erkelenzer Tafel zugute kommt, um künftig auch tiefgekühlte Produkte und Milcherzeugnisse transportieren zu können.

Für die Zukunft wünscht sich der Unternehmer weiter eine gute Zusammenarbeit mit den ansässigen Firmen und Architekten. Dort ist er mit seinen Leuten bekannt für gute und pünktliche Arbeit. Eine Herausforderung bleibt es, stets die Balance zu halten zwischen dem Einholen ausreichender Projekte, um all seine Leute beschäftigen zu können und gleichzeitig nicht zu viel Baustellen zu betreuen, um ein problemloses Handling zu gewährleisten. Unternehmerisches Können ist dabei gefragt ebenso wie Erfahrung und oft auch Risikobereitschaft.

Quelle: RP
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