| 00.00 Uhr

Erkelenz
"Beim Laufen kann ich wieder Mensch sein"

Erkelenz: "Beim Laufen kann ich wieder Mensch sein"
In einheitlichen T-Shirts sind die Damen flott unterwegs. Am Ziegelweiher trainieren sie und genießen dabei die frische Luft und Natur. Für den "LEX-Spendenlauf" recken die Läuferinnen den Daumen nach oben. FOTO: JÖRG KNAPPE
Erkelenz. Die Joggerinnen von der Selbsthilfegruppe "Rosa Schleife" sind am Erkelenzer Ziegelweiher längst aufgefallen. Die Frauen laufen zum Spaß - und im Kampf gegen den Krebs. Von Jessica Balleer

Das Lauftempo ist so angenehm, dass man sich mühelos unterhalten kann. Es wird viel geflachst. Mit jedem Meter auf der Ziegelweiherrunde spüren die zehn Frauen zwar die Anstrengung, in atemloses Schnaufen gerät aber keine. "Jetzt pocht das Herz, ist das nicht großartig?", sagt Bernadette Pikola. Als es gegen 19 Uhr langsam dämmert und man das feuchte Grün der Parkanlage riechen kann, gibt die 60-Jährige ganz vorne das Tempo vor. Und das, obwohl sie eine körperliche Tortur hinter sich hat: Operation, Chemo, Reha. Hier aber sind Pikola und die neun anderen Frauen keine Brustkrebs-Patientinnen, sondern Joggerinnen. Wie zum Beweis tragen sie knalliges Rosa, statt Weiß.

Fakten: Die zehn größten Krebs-Mythen und ihre Wahrheit FOTO: Shutterstock/ Juan Gaertner

Im April 2014 hatte Bernadette Pikola die Diagnose erhalten. Ihre letzte Chemo im Juni fiel mitten hinein in das Projekt, das Lauftherapeutin Silke Gilljam, Elke Arndt ("Rosa Schleife") und das Erkelenzer "BrustCentrum" angestoßen hatten. Schmerzen, Schwäche, Geschmacks- und Geruchsverlust sind damals nur einige Nebenwirkungen der starken Medikamente. Wie schwer ist das wohl, den so stark geschwächten Körper wieder zu fordern? "Das Laufen im Ziegelweiher bringt mir viel mehr, als Reha-Sport", sagt Pikola. Kein stupides Gehen im Kreis. Keine stickige Hallenluft. "Die Natur stärkt Seele und Geist. Und das Gruppengefühl ist unbeschreiblich", sagt auch Brigitte Strux (51). Sie läuft am Schluss der Gruppe, betont aber, nicht die Letzte zu sein: "Hier ist keine Erste oder Letzte, weil wir ein Team sind."

Das Zusammenstehen im Ziegelweiher beginnt beim Aufwärmritual: Körperstrecken, Hüftenkreisen und Armeschwingen, erst danach geht es auf die Laufrunde. Es ist ein langsames, gesundheitsorientiertes und kommunikatives Laufen. Gehpausen machen sie längst nicht mehr. "Das Laufen kann Nebenwirkungen wie chronische Müdigkeit oder Knochenschmerzen lindern", sagt Dr. Brigitte Königs-El Amrawy. Auch die Oberärztin vom Hermann-Josef-Krankenhaus Erkelenz läuft mit. Auch sie hat das pinke Trikot zur schwarzen Laufhose kombiniert: "Die Bewegung stärkt Körperbewusstsein und Wohlbefinden, gerade in der Nachsorge ist das wichtig." Vor 15 Jahren hatte Königs-El Amrawy die Selbsthilfegruppe "Rosa Schleife" mitbegründet, aus der sich alle Frauen hier kennen. Dass alle seit fünf Monaten motiviert dabei sind, "liegt an unserer tollen Trainerin", sagt Rosemarie Hagedorn, (68).

Diese Lebensmittel schützen gegen Krebs

Selbst der ältesten Teilnehmerin scheinen die Kilometer keine große Mühe zu bereiten. Ein Verdienst von Silke Gilljam. Die angehende Lauftherapeutin hatte das Projekt im März begonnen. Schon im Mai konnten alle 30 Minuten am Stück laufen, sagt Gilljam und blickt mit Stolz auf ihr Team. Das Laufen schenke ihnen Momente, in denen sie aus dem Grübeln herauskommen. "Nach der OP fühlte ich mich schlecht, physisch und psychisch. Beim Laufen kann ich wieder ein Mensch sein", beschreibt Birgit Strux (51).

Von der ersten Minute an seien die Anfängerinnen "infiziert" gewesen. Die Eigendiagnose: akute Laufsucht. Der "LEX-Spendenlauf" ist das Etappenziel der Frauen. Der Lauftreff soll fortbestehen. Die Kilometer sind ihre Kampfansage an den Krebs.

Schnell: 25 Tipps für mehr Gesundheit im stressigen Alltag FOTO: Shutterstock.com/ Spectral-Design
Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Erkelenz: "Beim Laufen kann ich wieder Mensch sein"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.