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Erkelenz
Bergschaden: Erstmals Schlichtung nötig

Erkelenz: Bergschaden: Erstmals Schlichtung nötig
Messpunkt zur Bergschadensermittlung. FOTO: Stadt Erkelenz
Erkelenz. In Holzweiler wurden in den vergangenen Jahren keine Bergschäden festgestellt, berichtete RWE im Bezirksausschuss. Einwohner sehen das anders. Erstmals wurde in diesem Jahr die Schlichtungsstelle von zwei Holzweilern eingeschaltet. Von Andreas Speen

Holzweiler ist bei tagebaubedingten Bodenbewegungen und vor allem bei Bergschäden in den vergangenen Jahren nicht auffällig gewesen. Das berichtete Markus Poths, Leiter der bei RWE Power zuständigen Abteilung, im Bezirksausschuss des Ortes. In den zurückliegenden fünf Jahren sei kein Bergschaden festgestellt worden, und in den vergangenen zehn Jahren hätten die Bodenbewegungen bei null bis fünf Zentimeter gelegen. Auch Robert Deller, der Leiter der Anrufungsstelle Bergschaden Braunkohle NRW, berichtete in der Sitzung, dass seine Institution in den vergangenen Jahren aus Holzweiler heraus nicht kontaktiert worden sei, aber: In diesem Jahr sind bei ihr erstmals zwei Fälle aus Holzweiler aufgelaufen, in denen zwischen Geschädigten aus dem Ort und dem Bergbautreibenden RWE Power zu schlichten sein wird.

Hans Josef Dederichs, der Vorsitzende des Bezirksausschusses, hatte RWE Power und die Anrufungsstelle in eine Sitzung eingeladen, damit die Einwohner über eventuelle Bergschäden in Holzweiler informiert werden und erfahren, wohin sie sich wenden können, falls sie einen solchen Schaden an ihrer Immobilie vermuten.

Einige statistische Zahlen lieferte Markus Poths von RWE. In den Jahren 2012 bis 2014 sei jeweils eine Erstmeldung aus Holzweiler über einen möglichen Bergschaden bei seinem Unternehmen eingegangen, 2016 und 2017 bisher keine. "Seit 2012 haben wir in Holzweiler keinen Bergschaden festgestellt", erklärte Poths. Es seien auch keine auffälligen Bodenbewegungen registriert worden: "In Holzweiler haben wir mittlerweile auf knapp 300 Messpunkte erhöht, die gleichmäßig über den Ort verteilt sind, um einen Überblick über Bodenbewegungen zu erhalten." Anhand dieser Punkte sei festzustellen, dass "sich die Schollenschiefstellung in den letzten Jahren fortentwickelt hat", allerdings sei dies "unterhalb von gebäudeschädlichen Größenordnungen geschehen. In den vergangenen Jahren hatten wir in Holzweiler fast keine Senkungen, sondern wenn Hebungen. Wir sehen kaum Bewegungen, vor allem keine ungleichmäßigen und schädlichen Bewegungen."

Bewohner von Holzweiler fragten nach dem sogenannten Wegberger Sprung, der wie berichtet in der Erkelenzer Innenstadt für erste Bergschäden an Gebäuden gesorgt hat. Poths versicherte, dass dieser in Holzweiler nicht aktiv sei. Das wiederum zweifelten Besucher des Bezirksausschusses an, weshalb Vorsitzender Dederichs die Stadt Erkelenz aufforderte, eine unabhängige Klärung einzuholen.

Klärend tätig ist seit 2010, dem Jahr der Gründung, auch die Anrufungsstelle Bergschaden Braunkohle NRW. Deren Leiter Robert Deller ermutigte die Gäste der Ausschusssitzung, vermutete Bergschäden zu melden: "Lassen Sie sich nicht durch die Auffassung, ich habe doch sowieso keine Chance, daran hindern, sich mit ihren Anliegen an die Schlichtung zu wenden." Auch sei die Vermutung falsch, ein solches Verfahren könne eine Privatperson finanziell zu stark belasten: "Das Verfahren und auch teure Gutachten sind kostenfrei - und ich habe schon mal Gutachten von mehreren 10.000 Euro gesehen."

Die Schlichtungsstelle versucht, Lösungen zu erzielen. Sie schaut sich bei Ortsterminen die Situation an und schaltet unabhängige, vereidigte Sachverständige ein, die nicht unbedingt aus der Region stammen, um möglichst hohe Objektivität zu erzielen. "Derzeit sind revierweit rund 20 Verfahren offen, davon zwei aus Holzweiler", berichtete Deller. Über Immobilien aus dem gesamten Erkelenzer Stadtgebiet seien in den Jahren seit 2010 sieben Verfahren geführt worden. Eine Zahl, die Markus Poths von RWE einordnete: "800 bis 900 Schadensmeldungen gehen bei uns pro Jahr aus dem Rheinischen Revier ein. Ungefähr drei Prozent davon wenden sich an die Schlichtungsstelle."

Quelle: RP
 
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