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Erkelenz
Bewegender Abschied in den Ruhestand

Erkelenz: Bewegender Abschied in den Ruhestand
Der entpflichtete Pfarrer Wolfgang Döring gab seinen Anstaltsschlüssel endgültig an den Leiter des allgemeinen Vollzugsdienstes der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aachen, Dieter Heinen (re.), ab. Jetzt steht die Familie an erster Stelle. FOTO: JVA
Erkelenz. Raumgestalter-Lehre, Ausbildung zum Diakon, acht Jahre Heinsberg, 15 Jahre Hückelhoven, 20 Jahre Gefängnispfarrer: Es ist ein reiches Arbeitsleben, das Pfarrer Wolfgang Döring jetzt mit einer Feierstunde in der JVA Aachen beendet hat. Von Gabi Laue

Die Hand auf dem Plakat "Hände weg von Sophia-Jacoba" ist seine. Im Arbeitskampf der Kumpel war er Sprecher des Bürgerkomitees, an der Bergberufsschule gab er Religionsunterricht. Jetzt sang noch einmal der Schachtchor für ihn: Pfarrer Wolfgang Döring wurde in der Justizvollzugsanstalt Aachen, letzte Station seines Berufslebens, in den Ruhestand verabschiedet. Nach seinen 15 Jahren in der evangelischen Kirchengemeinde Hückelhoven war Döring 20 Jahre lang "Seelsorger und Anwalt" für die Gefangenen.

"Mit großen Emotionen" habe er den Gottesdienst in der JVA erlebt, sagt Döring, in dem ihn der Aachener Superintendent Hans-Peter Bruckhoff entpflichtete, und die Ansprachen nach 50 Jahren und vier Monaten Berufsleben. In Aachen hinterlässt er etwas Bleibendes: den nach seinem Entwurf gebauten Glockenturm. Die Glocke läutete jetzt Hans Hartmut Waldhausen, sein letzter Kirchmeister in Hückelhoven. Freunde aus Hückelhoven und Heinsberg, Kollegen und Kolleginnen waren gekommen. Mit Anekdoten gespickt war die Abschiedsrede von Dieter Heinen, dem Leiter des allgemeinen Vollzugsdienstes, für den Sohn eines Bergmanns, einen Mann der Tat. "Er fand schnell den Draht zu den Inhaftierten und auch zu uns", hob Heinen hervor. Döring freute sich über "ein Feuerwerk an Überraschungen". Er wünschte sich für die Jungs in der JVA einen Nachfolger, "der sich in die Arbeit reinkniet, für die Gefangenen da ist".

Pfarrer Döring fand den Abschied von den Gefangenen ergreifend: "Die Jungs kamen alle zu mir, haben mich umarmt, viele haben geweint. Ein ganz alter Insasse spielte Mundharmonika." Viel hat er erlebt und bewirkt in der JVA: Gruppen- und Freizeitangebote, Bibelgespräche, Lebenskundlicher Unterricht, Kino im Knast, Tombola, Partnerbegegnung, in der sich auch seine Frau Gundi engagierte, die Kleiderkammer, Begleitgänge, Sonderbesuche sind nur einige Streiflichter.

Künftig will Wolfgang Döring allenfalls in seiner Heimatgemeinde Baesweiler aushelfen. Er will nun seiner Familie mehr Zeit schenken, die er, wie er sagt, stark vernachlässigt habe, die ihn aber stets unterstützt habe. Er ist stolz auf die erwachsenen Kinder, Tochter Yvonne und Sohn Thomas sowie Enkelin Lisa. Mehr Zeit bleibt jetzt für Camping in Belgien oder Mopedtouren. Sicher wird Wolfgang Döring mit seiner Frau Gundi zuweilen in seiner "eigenen Kneipe" im Keller sitzen und in Erinnerungen schwelgen. Wie in einem kleinen Museum gibt es dort aus der Hückelhovener Zeit eine Feuerwehr-Ecke und eine Bergbau-Ecke - mit einem Bild von Schacht 3 und Franz-Josef Sonnen.

Quelle: RP
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