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Erkelenz
Bollwerk gegen den Tagebau

Erkelenz: Bollwerk gegen den Tagebau
Prost: Aufs 250-Jährige stoßen von der Bürgerinitiative an (v.l.): Hans-Josef Dederichs, Matthias Jansen und Willi Büschgens. FOTO: RPO
Erkelenz. Die Bürgerinitiative "Stop Rheinbraun" gibt es seit 25 Jahren – morgen seit genau 250 Jahren die Gaststätte Bruns in Venrath. Diese gehört der Initiative seit 1988. Im Innenhof der Gaststätte sind deren Aktivitäten dokumentiert. Von Mario Emonds

Die Bürgerinitiative "Stop Rheinbraun", ein eingetragener Verein, feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Hängt man an diese Zahl eine Null dran, hat man exakt das Alter der Venrather Gaststätte Bruns. "Gerades Thomas und Petronella Coenen erbauten dieses Haus zur Ehre Gottes, 4. July 1759", steht dort geschnitzt auf einem Holzbalken.

Die Bürgerinitiative (BI) und die Gaststätte eint freilich nicht nur ein "rundes" Jubiläum. Die Verbindung ist viel, viel enger. Denn im November 1988 hat die Bürgerinitiative die Traditionsgaststätte, die seit jeher im Besitz der Familie Bruns war, gekauft. "Als Zeichen für den Widerstand gegen Rheinbraun, sozusagen als Bollwerk dagegen", sagt Matthias Jansen von der BI.

Deren Vorsitzender ist Hans-Josef Dederichs. "Mittlerweile ist diese Gaststätte die einzige im Ort, die regelmäßig geöffnet ist. Wir wollen sie als Dorfmittelpunkt erhalten." Dederichs kommt zwar aus Kuckum, doch dort gibt es schon lange keine Kneipe mehr. "Wir Kuckumer gelten hier als Wirtschaftsflüchtlinge", sagt er schmunzelnd.

Im Unterschied zu Kuckum bleibt Venrath von der Umsiedlung verschont – entgegen dem ursprünglichen Plan. Der sah nämlich auch den Abbau von Venrath, Kückhoven, Katzem und Wanlo vor.

Willi Büschgens, der die Festivitäten am Wochenende federführend organisiert hat, kann sich durchaus vorstellen, dass "Stop Rheinbraun" mit seinen Protestbekundungen zur Verkleinerung beigetragen hat. Vor allem an zwei Aktionen denkt er gerne zurück: "'85 und '87 haben wir Fackelketten über 33 Kilometer entlang des Abbaugebiets organisiert. 4000 Menschen haben da mitgemacht."

Von den Aktivitäten der BI zeugen zahlreiche Plakate und Zeitungsausschnitte, die im Innenhof der Gaststätte ausgestellt sind. Vor fünf Jahren wurde dort ein neu gestalteter Biergarten in Betrieb genommen. Pächter ist die Familie Kluth – der vierte, seitdem die Kneipe im Besitz der BI ist. Der Kredit, den der Verein damals zur Finanzierung aufgenommen hat, wurde in diesem Jahr getilgt. "Die Pachteinnahmen investieren wir vor allem in Renovierungs- und Erhaltungsmaßnahmen. Bei so einem Altbau fällt immer was an", sagt Büschgens.

Aktuell zählt die Bürgerinitiative 112 Mitglieder – es waren auch schon mal über 200. "Viele sind in der Zwischenzeit gestorben", sagt Dederichs. Gerade mal sechs Euro beträgt der Mitgliedsbeitrag im Jahr. In der letzten Jahresversammlung kam die Frage auf, ob der Verein überhaupt weiter bestehen sollte – jetzt, wo der Tagebau nicht mehr aufzuhalten ist. "Doch der allgemeine Tenor war, dass wir weitermachen sollten. Wir wollen stets daran erinnern, was hier passiert", bekräftigt Dederichs.

Quelle: RP
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