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Erkelenz
Brandaktuelles Theaterstück

Erkelenz: Brandaktuelles Theaterstück
Die jugendlichen Schauspieler Oscar Kafsack (Alan), Louise Buhl (Naomi), Benedikt Lewalter (Shaun) und Gustavo Maia Jochen (Condello) gingen in ihren Rollen - neben Jan Herrmann, Andrea Brunetti und Gisela Hoensch - auf. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Bisweilen atemlose Spannung und unheimliche Stimmung herrschten in der Erkelenzer Stadthalle: Das Junge Theater Bonn führte "Geheime Freunde" von Rudolf Herfurtner nach dem Roman "Der gelbe Vogel" von Myron Levoy auf. Von Kurt Lehmkuhl

Das Junge Theater Bonn hätte bei der Aufführung des Theaterstücks "Geheime Freunde" in der Erkelenzer Stadthalle mehr Zuschauer verdient gehabt. Diejenigen, die gekommen waren, sparten nach dem Ende nicht mit Beifall und applaudierten den zum Teil sehr jungen Akteuren stehend.

Das Theaterstück "Geheime Freunde", das Rudolf Herfurtner nach dem Roman "Der gelbe Vogel" von Myron Levoy verfasst hat, gehört schon seit 2010 zum Repertoire des Jungen Theaters Bonn. Der Roman von 1977, der ursprünglich als Jugendroman für Furore sorgte, beschäftigt sich mit dem Erwachsenwerden in einer schwierigen Zeit, handelt von Jugendlichen, die in einem Armenviertel von New York in der Zeit des Zweiten Weltkrieges leben und die nicht nur mit den Irrungen und Wirrungen ihrer Pubertät, sondern auch mit den Auswirkungen des Krieges und religiösen Verblendungen aufwachsen. Der jüdische Junge Alan, befreundet mit dem katholischen Shaun und im ständigen gewalttätigen Clinch mit dem Judenhasser Condello, wird zum "geheimen" Freund der traumatisierten Naomi. Sie hatte die Ermordung ihres Vaters durch Nazi-Schergen miterleben müssen und findet auch nach der Emigration nach New York nicht ihren Seelenfrieden. Erst Alan gelingt es, ihr wieder einen Zugang zur Welt zu verschaffen.

Durch die Freundschaft mit Naomi leidet seine Freundschaft mit Shaun, dem Alan die freundschaftliche Beziehung zu Naomi verschwiegen hat. Zugleich strebt Alan nach Selbstbestimmung und muss doch immer wieder erkennen, dass er so handelt, wie es ihm die Eltern auferlegen. Wissen es die Eltern immer besser als ihre heranwachsenden Kinder? Kann die Freundschaft ein Trauma überwinden? Wie weit geht Freundschaft, und wodurch zeigt sich Freundschaft? Viele Frage, die richtigerweise unbeantwortet blieben, weil auch das Ende nicht eitel Sonnenschein versprach. Es bleibt nur bei allen die Hoffnung.

Bisweilen atemlose Spannung und unheimliche Stimmung herrschten im Saal und auf der Bühne beim Spiel der Akteure. Beeindruckend war nicht nur das Bühnenbild, bei dem es gelungen war, die Wohnung von Alans Familie, Naomis Schlafzimmer und das triste Leben auf der Straße gleichermaßen darzustellen, beeindruckend war auch das schauspielerische Können der noch jugendlichen Darsteller. Der 2003 geboren Oscar Kafsack ging in der Rolle von Alan vollkommen auf, Louise Buhl, 2002 geboren, überzeugte als gebrochene Naomi. Benedikt Lewalter, der als Shaun agierte, und Gustavo Maia Jochen, der als Condello auftrat, sind 2001 geboren. Die Jugendlichen ergänzten sich perfekt zu den Schauspielern Jan Herrmann als Alans Vater, Andrea Brunetti als Alans Mutter und Gisela Hoensch als Mrs. Liebmann, die Naomi beherbergt.

Nach dem Stück blieben das Bedauern, dass es zu wenig Besucher hatte, und die Erkenntnis, dass "Geheime Freunde" mehr ist als nur ein Stück, das Vertreibung und Judenhass in Kriegszeiten thematisiert. Es ist mit seiner Thematik brandaktuell, und es ist dem Jungen Theater Bonn zu danken, dass es das Stück nach wie vor aufführt, wenngleich die jugendlichen Darsteller immer wieder altersbedingt durch jüngere ausgetauscht werden müssen.

Quelle: RP
 
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