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Erkelenz
Burg wird vom Gerüst befreit

Erkelenz: Burg wird vom Gerüst befreit
FOTO: Klapproth Ruth
Erkelenz. Die letzten Sanierungsarbeiten laufen. Das neue Schutzdaches lässt die Oberflächentemperatur um bis zu 50 Grad sinken. Von Andreas Speen

99 Stufen und ein wunderbarer Blick über Erkelenz - künftig darf die Burg Erkelenz als Aussichtsplattform genutzt werden. Es ist fünf Jahre her, da kamen die ersten Ideen auf, wie dieses Wahrzeichen saniert werden könnte, um das Mauerwerk vor eindringendem Regen zu schützen und somit zu erhalten. Nachdem vor zwei Woche das neue Schutzdach aufgesetzt worden war, wird in diesen Tagen die Sanierung abgeschlossen. Gestern wurden das Gerüst abgebaut und der Blick auf die sanierte Burg wieder freigegeben.

"Dank einer neu angebrachten Absturzbrüstung darf der Burgturm in Zukunft von Besuchern betreten werden. Damit haben wir in Erkelenz zum ersten Mal eine Aussichtsplattform", sagt Bauleiter Heinz-Peter Dahmen von der Schleiff Denkmalentwicklung GmbH und spricht einen schönen, aber letztlich nur einen Nebenaspekt der Sanierung an. Tatsächlich ging es um das bisherige Flachdach und ins Mauerwerk eindringendes Regenwasser. "Die Betonplatte hier oben auf dem Turm dehnte sich bei Hitze um bis zu eineinhalb Zentimeter aus und arbeitete gegen das Mauerwerk", berichtet Hochbaumatsleiter Martin Fauck bei einem Ortstermin. Dabei seien Risse entstanden, durch die der Regen in das Gebäude eindrang. Über die bei der Sanierung aufgedeckten Schäden sagt Dahmen: "Bis ins Erdgeschoss haben wir Wasser im Mauerwerk. Es wird fünf Jahre dauern, bis alles trocken ist."

Das aufgesetzte Schutzdach ist eher ein Sonnenschirm, denn ein Regenschirm. Dahmen erklärt das so: "Früher hatten wir auf dem Dach bei sommerlicher Hitze 80 bis sogar 88 Grad Celsius messen können. Die Betonplatte dehnte sich dann gegen das Mauerwerk aus - in den vergangenen Tagen haben wir jetzt erneut gemessen: 28 Grad Celsius, wo früher 80 waren!" Eine bis zu 50 Grad Celsius niedrigere Oberflächentemperatur zeige, dass ein Dach für die Burg die genau richtige Entscheidung gewesen sei.

Letzte Arbeiten sind in den nächsten Tagen zu leisten, bevor das Erkelenzer Wahrzeichen zur Burgkirmes am übernächsten Wochenende eingesegnet wird. Von vier neuen horizontalen Masten werden dann die Fahnen wehen. Beendet wird die Sanierung der Burg aber auch dann nicht sein, lassen Fauck und Dahmen durchblicken. Beispielsweise wolle die Stadt weiter am Mauerwerk arbeiten.

Schon in den vergangenen Wochen wurde die Gunst genutzt, dass für die Arbeiten am Dach ein Gerüst aufgebaut werden musste. Die Stadt ließ die Fugen im oberen Turmbereich erneuern, tauschte an einer Stelle das äußere Mauerwerk sogar komplett aus. Dazu erklärt Fauck, der Hochbauamtsleiter und oberster Erkelenzer Denkmalschützer zugleich ist: "Der denkmalpflegerische Ansatz ist es, möglichst viel Substanz zu erhalten und nicht das Gebäude schönzumachen. Deshalb wurden nur die Fugen erneuert, die mussten." Dies mache das Erscheinungsbild zwar etwas unruhiger, "aber dass man die Unterschiede sieht, ist in Ordnung: Ein Denkmal erzählt eine Geschichte, hier zum Beispiel, dass die Fugen teils schlecht waren und ein Schutzdach nötig geworden war."

Repariert worden sind auch die Fenster der Burg. Zwei mussten ausgetauscht werden. Diese und andere Arbeiten, wie das Wegschaffen von Schutt, hat der Verein "Freunde der Burg" übernommen. Die Leistung von dessen Mitgliedern, die "Ideengeber und Triebfeder zugleich sind", könne Erkelenz gar nicht hoch genug einschätzen, sagt Bauleiter Dahmen mit einem Blick den Burgturm hinauf: "Die muss man einfach loben."

Quelle: RP
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