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Chihuahua in Erkelenz gestohlen
Diebe nehmen Rassehunde ins Visier

Chihuahua in Erkelenz gestohlen: Diebe nehmen Rassehunde ins Visier
Der neun Jahre alte Chihuahua Lucy wurde von Unbekannten gestohlen. Die Chance, dass sein Besitzer sie wiedersieht, ist gering. FOTO: privat
Erkelenz. Unbekannte haben einem 76-Jährigen in Erkelenz beim Spaziergang seinen Hund entrissen. Kein Einzelfall: Immer wieder verschwinden Rassehunde spurlos. Tierschützer vermuten, dass professionelle Tierfänger am Werk sind. Von Jessica Kuschnik und Christian Schwerdtfeger

Wie jeden Tag ist Georg S. auch am Ostermontag mit seinen beiden Chihuahuas Lucy und Sam zum Spaziergang unterwegs. Als plötzlich zwei Männer mit ihrem Motorrad neben ihm anhalten, um einen der beiden Hunde zu streicheln, denkt sich der 76-Jährige nichts dabei. "Sie haben kurz 'Warten Sie' gesagt und sich dann vom Motorrad gebückt", erzählt er. Doch plötzlich hebt einer der Männer die Hündin hoch, reißt dem Erkelenzer die Leine aus der Hand, schubst den 76-Jährigen zu Boden und fährt davon. "Mein Opa hat sofort die Polizei gerufen, aber bisher fehlt jede Spur von Lucy", erzählt seine Enkelin Nathalie S.

Die Chance, dass der Hund wieder auftaucht, schätzt die Polizei als gering ein. "Bisher haben wir keine neuen Erkenntnisse", sagt eine örtliche Sprecherin der Kreispolizei Heinsberg. "Wir ermitteln in alle Richtungen. Tathintergrund kann in solchen Fällen sowohl eine persönliche Auseinandersetzung als auch ein gezielter Diebstahl sein."

Das Geschäft mit den kleinen Hunderassen boomt

Solche gezielten Diebstähle sind keine Seltenheit, wie der Tierschutzbund berichtet. "Immer wieder erreichen uns Meldungen von verzweifelten Hunde- und Katzenbesitzern, deren Tiere ohne einen Hinweis auf den möglichen Verbleib verschwunden sind", sagt eine Sprecherin. Manchmal verschwinden gleich mehrere Tiere aus ein und derselben Region. "Dann kommt schnell der Verdacht auf, dass hier potenzielle Tierfänger am Werk sein könnten."

Denn das Geschäft mit den gestohlenen Hunden ist sehr lukrativ. Chihuahuas etwa kosten beim Züchter zwischen 1000 und 1600 Euro, erklärt Peter Dombrowski vom Verband Deutscher Kleinhundezüchter NRW. "Wir raten jedem, der bei uns einen solchen Hund kauft, ihn auf keinen Fall unbeaufsichtigt zu lassen oder vor einem Geschäft anzuleinen", sagt er. Zu begehrt seien die kleinen Rassen.

Verbleib der Hunde oft ungewiss

Die Polizei kennt das Phänomen und beobachtet seit Jahren, dass immer wieder gezielt Hunde gestohlen werden. Eine Statistik darüber wird aber nicht geführt. Die Polizei schätzt, dass in NRW jedes Jahr im Durchschnitt 90 bis 100 Rassehunde entwendet werden. "Ich kenne leider keinen einzigen Fall, bei dem die Besitzer ihren Hund wiedergesehen haben", so ein Polizeisprecher. Zwar sind die meisten Rassehunde gechipt, jedoch überprüft etwa der Tierarzt nicht, ob Hund und Besitzer auch zusammengehören, sagt Peter Dombrowski. "Außerdem liegt der Chip unter der Hautoberfläche. Profis haben kein Problem damit, den Chip einfach zu entfernen."

In der Regel versuchen die Hundediebe das Risiko, ein beaufsichtigtes Tier zu stehlen, zu vermeiden. "Nur wenn sie anderswo nicht fündig werden, greifen sie zu diesem Mittel", sagt der Polizeisprecher. "Dann aber sehr rabiat." Meistens halten die Kriminellen vor Supermärkten, Geschäften und Restaurants Ausschau nach angeleinten Hunden.

Strenge Regeln für die Hundezucht

Die Nachfrage nach Trendhunden wie Chihuahuas und Französischen Bulldoggen sei derzeit derart hoch, dass die seriösen Züchter diese nicht bedienen könnten. "Es gibt nur ein begrenztes Angebot", so Kopernik. Denn die Hündinnen von VDH-Züchtern dürfen nur einmal im Jahr werfen. Und auch nicht jeder Hund wird zur Zucht zugelassen. "Außerdem müssen die Hündinnen mindestens 15 Monate alt sein und nicht älter als acht Jahre."

Die Enkelin von Georg S. vermutet, dass die Hündin ihres Opas vielleicht gestohlen wurde, weil die Diebe dachten, dass sie trächtig sei. "Lucy ist etwas dicker, aber sie ist schon neun Jahre alt und daher für die Zucht ungeeignet", sagt sie. Geht man davon aus, dass ein Chihuahua im Schnitt drei Jungen pro Wurf bekommt, so ist ein trächtiges Weibchen auf dem Schwarzmarkt mindestens 3000 Euro wert. Ob die gestohlenen Hunde innerhalb Deutschlands verkauft werden oder ob sie als Zuchttiere ins Ausland gebracht werden, darüber gibt es keine Erkenntnisse. "Über das tatsächliche Schicksal dieser Tiere können nur Vermutungen angestellt werden", sagt der Tierschutzbund.

Lucy braucht ärztliche Behandlung

Die Besitzer von Lucy machen sich große Sorgen um die Gesundheit ihres gestohlenen Hundes. Der Chihuahua leidet unter einer schweren Milbenallergie, benötigt dringend Spritzen vom Tierarzt. Zudem verträgt Lucy kein Trockenfutter. Auch Chihuahua Sam leidet darunter, dass Lucy nicht mehr da ist. "Die beiden waren ein Herz und eine Seele. Das ist so traurig", sagt Nathalie S. Sie bittet den Dieb inständig, den Hund zurückzugeben.

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