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Erkelenz
"Das hat mir die Augen geöffnet"

Erkelenz: "Das hat mir die Augen geöffnet"
Rund 150 Schüler der Höheren Berufsfachschule für Wirtschaft und Verwaltung sind für gestern und heute zu einer von anderen Schülern vorbereiteten Ausstellung über Demokratie und Rechtsextremismus eingeladen. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Zur aktiven Auseinandersetzung mit rechtem Gedankengut lädt eine Ausstellung am Berufskolleg Erkelenz ein. Von Andreas Speen

Jugendliche sind nicht politikverdrossen. Manche sicherlich. Aber nicht die Mehrheit. Verena Gahr ist Lehrerin am Berufskolleg in Erkelenz und hat sogar festgestellt, dass sich junge Erwachsene wieder stärker politischen Themen zuwenden. Erreichen lassen sie sich über das Internet und da vor allem über die sozialen Netzwerke. Gahr bewertet das grundsätzlich als positiv - dass sich daraus aber auch Gefahren ergeben, haben ihre Schüler für eine Ausstellung herausgearbeitet, in der sie Rechtsextremismus aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.

Aufbauend auf fünf Ausstellungstafeln der Friedrich-Ebert-Stiftung hat die Oberstufe der Höheren Berufsfachschule für Wirtschaft und Verwaltung im Politikunterricht ein erweitertes, eigenes Ausstellungskonzept entwickelt. Angesprochen als Besucher werden zunächst die Schüler der Unterstufe, die gestern und heute als Klassenverband jeweils eine Doppelstunde in der Ausstellung verbringen. Angeregt werden sie dort dazu, mit einer Smartphone-App an einem selbst gestalteten Quiz zum Thema teilzunehmen oder sich mit Stammtischparolen auseinanderzusetzen. Sie können sich von den Oberstufenschülern über Rechtsextreme in den nordrhein-westfälischen Kommunalparlamenten aufklären lassen oder einen Songtext mit rechtem Gedankengut so lange umtexten, bis er einem demokratischen Verständnis entspricht. "All diese Möglichkeiten, sich mit dem Thema zu beschäftigen, haben die 28 Schüler seit den Sommerferien in Gruppen selbst erarbeitet", berichtet Verena Gahr. Dabei habe sie als Politiklehrerin feststellen können, dass "die Schüler dabei ihre Augen immer stärker für das Thema geöffnet haben". Und so bestätigen es auch Albina Zejnula und Jacqueline Trautrims. "Wir selbst bekommen Rechtsextremismus in unserem täglichen Leben nicht mit. Ich hätte es deshalb ganz anders eingeschätzt, in wie vielen Stadtparlamenten Rechtsextreme sitzen - das hat mir die Augen geöffnet", sagt Zejnula, und Trautrims erklärt: "Ich wollte mich unbedingt mit deren Musik beschäftigen, weil sie Jugendliche in unserem Alter ansprechen soll. Meist wird die wohl im Internet heruntergeladen. Einige Songtexte habe ich mir durchgelesen. Ich fand die so heftig, dass ich gar kein Interesse hatte, mir die Musik auch noch anzuhören. Ich habe für mich die Gefahr erkannt, wie sich rechtes Denken über Musik verbreitet."

Politiklehrerin Verena Gahr sieht ihre Schüler als Multiplikatoren an, die jetzt zwei Tage lange jüngere Schüler informieren und demnächst vielleicht auch noch junge Erwachsene aus anderen Bildungsgängen des Berufskollegs Erkelenz. Dass deren Ausstellung an einer Stelle fast gescheitert wäre, erzählt sie am Rande des Ausstellungsbesuchs mit Stolz: "Als ich in einem Erkelenzer Copy-Shop eine Ausstellungstafel zum Rechtspopulismus farbig ausdrucken lassen wollte, wurde mir das zunächst verweigert. Man teile diese politische Meinung nicht, wurde gesagt - das war eine gute Erfahrung."

Quelle: RP
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