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Gedanken Zu Den Kartagen Von Pfarrer Achim Roscher
Das Kreuz mit dem Kreuz

Gedanken Zu Den Kartagen  Von Pfarrer Achim Roscher: Das Kreuz mit dem Kreuz
Pfarrer Achim Roscher betreut die Gemeinde in Dalheim. FOTO: JL (Archiv)
Erkelenz. Der Umgang mit diesem alten christlichen Symbol scheint problematisch geworden. Nicht nur aus Schulzimmern, sondern auch aus manchen Kirchen und einem großen Teil unserer Gräber haben wir die Kreuze verbannt.

Liegt es daran, dass sie uns vor allem an Tod und Sterben erinnern und wir deshalb lieber einen großen Bogen darum schlagen? Oder wollen wir im Gottesdienst, gerade bei feierlichen Anlässen, nicht immer wieder auf zwei Holzbalken blicken, die einen Menschen trugen, der unter Schmerzen hingerichtet wurde, und von dem es heißt, dass er Folterung, Verspottung und Tod letztlich für uns auf sich nahm? Sind sie nicht Ausdruck des Scheiterns menschlicher (und göttlicher?) Versuche dieser Welt mehr Gerechtigkeit zu bringen?

Wahrscheinlich kommen viele Faktoren zusammen, die uns einen positiven Zugang zum Symbol des Kreuzes erschweren. Trotzdem fordern uns die Schriften des Neuen Testaments dazu heraus, gerade im Kreuzestod Jesu den entscheidenden Grund unseres christlichen Glaubens zu sehen.

Die ersten Christinnen und Christen betrachteten den Tod ihres Herrn nicht als Scheitern seines Wirkens, denn von Ostern, von der Auferweckung des Gekreuzigten her, erkannten sie, dass jener furchtbare Tod am "verfluchten Holz" kein Zufall gewesen war. Gott hatte sich auch im Leiden zu Jesus bekannt, war jenen Weg ins Sterben hinein mitgegangen, und das gab ihnen die Hoffnung, dass er sich auch mit ihrem Leiden solidarisieren würde. Gerade hier, auf Golgatha, wurde für sie deutlich, wie sehr sich Gott mit dem Schicksal der Menschen verbunden und unser Schicksal zu seinem Schicksal gemacht hatte. Gott steht auf der Seite der Leidenden und Schwachen; wie viel Sprengkraft in dieser Aussage auch heute noch steckt, erfahren die Kirchen in den Ländern des Südens tagtäglich. Wo Menschen wissen, dass ihr Leid von Gott nicht übersehen wird, da wird Energie freigesetzt, um selbst gegen Ungerechtigkeit und Unfrieden anzugehen. Überall wo Menschen unter dem Schatten des Kreuzes darauf hoffen, dass Gott in ihrem scheinbar aussichtslosen Kampf auf ihrer Seite steht, da erhält dieses Zeichen ein Stück seiner ursprünglichen Bedeutung und Tiefe zurück.

Kreuze, egal, ob auf Gräbern, in Kirchen, am Wegrand oder anderswo, sind auch in unserer Gegenwart ein sichtbares Zeichen dafür, dass sich Gott nicht mit den Ungerechtigkeiten und todbringenden Mächten dieser Welt abgefunden hat. Nicht sein Scheitern, sondern unser Versagen, der Welt ein menschlicheres Antlitz zu verleihen, steht uns am Karfreitag vor Augen - und das sollte uns motivieren, sein Kreuz auf uns zu nehmen und uns schon heute mit ihm auf den Weg der Versöhnung und Gerechtigkeit zu machen, an dessen Ende Ostern - das Leben - stehen wird.

DER AUTOR IST PFARRER DER EV. GEMEINDE WASSENBERG-DALHEIM.

Quelle: RP
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