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Erkelenz
Den Feldrand zum Blühen bringen

Erkelenz: Den Feldrand zum Blühen bringen
Thomas Croon und Vater Erwin Croon bei einem Besuch des Blühstreifens an einem Erdbeerfeld bei Katzem. Thomas Croon, der die Fachschule für Agrarwirtschaft in Köln-Auweiler besucht, hat die Streifen gesät: "Der Besatz an Unkräutern ist dementsprechend gering. Vielmehr finde ich hier Kleearten, Sonnenblumen, Buchweizen und Phacelia." FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Familie Croon aus Lövenich macht gute Erfahrungen mit Blühstreifen, die sie erstmals an zwei Erdbeerfeldern angelegt hat. Künftig wird es sie an allen geben. Sie sind allgemein gut für die Natur, machen aber auch landwirtschaftlich Sinn. Von Andreas Speen

Umdenken möchte Thomas Croon, dessen Familie vor allem für ihren Erdbeeranbau in Lövenich bekannt ist. Landwirtschaft bedeutet für ihn, verantwortungsvoll mit dem Land umzugehen, das seine wirtschaftliche Grundlage ist. Mehrere Gründe haben ihn deshalb dazu bewogen, seit diesem Jahr auf ein paar Erdbeerreihen zu verzichten und stattdessen Blühstreifen anzulegen. Demnächst blühen an zwei Feldern die Sonnenblumen. Kommendes Jahr sollen alle rund 15 Felder, die Croon mit Erdbeerpflanzen bewirtschaftet, mit solche Streifen versehen sein.

Ein ganz wirtschaftlicher Grund hatte am Anfang aller Überlegungen gestanden, berichtet der 26-jährige Thomas Croon, dessen Eltern den Betrieb an der Hauptstraße in Lövenich leiten: "Labore finden heutzutage alles. Sollte bei der Behandlung eines benachbarten Feldes mit zum Beispiel einem Fungizid auch nur eine Kleinstmenge, wir sprechen meist von 0,01 Milligramm pro Kilogramm, in unseren Früchten gefunden werden, könnte das für unseren Betrieb zum Problem werden. Auch wenn das für die Gesundheit absolut ungefährlich ist, würden wir von unseren Großkunden als Lieferant gesperrt.

Deshalb die Idee, einen Blühstreifen als Abgrenzung zu Nachbarfeldern anzulegen." Darin sei keine Kritik an den Landwirten enthalten, die ihre Äcker in Nachbarschaft zu Croons Erdbeerfeldern bewirtschaften. Sie arbeiten Thomas Croon zufolge sehr präzise: "Aber schon ein Windhauch kann reichen, um unsere Früchte für den Markt unbrauchbar zu machen." Im wahrsten Wortsinne beflügelt wurde die Überlegung, Blühstreifen einzurichten, dann jedoch von weitergehenden Gedanken. Croon erzählt: "Wir haben in der Region viele aufgeräumte Felder. Da fehlt es oftmals an Insekten. Jetzt, wo wir an zwei Feldern die ersten Blühstreifen haben, summt es und brummt es, dass es eine wahre Freude ist. Den Insekten ist damit ein Lebensraum gegeben worden, und sie helfen uns auch noch bei der Bestäubung."

Zudem seien die Streifen - immerhin sechs mal 250 Meter - als Brutflächen für Vögel und als Rückzugsraum für Tiere während der Erntezeit mit den großen Landmaschinen anzusehen. Ziel seien künftig Blühstreifen für jedes Erdbeerfeld, wie er sie auch an Feldern seines Lövenicher Kollegen Heimanns gesehen habe und wie sie auch Lievre für kommendes Jahr planen: "Unser Betrieb käme dann auf rund 15.000 Quadratmeter, somit 1,5 Prozent der gesamten Betriebsfläche."

Dass hierauf keine Gewinne erwirtschaftet werden (und auch auf eine mögliche EU-Unterstützung wird verzichtet), nimmt Familie Croon in Kauf. "Als Landwirte müssen wir umdenken", sagt Thomas Croon, "Der Einsatz von Chemie kann auf Dauer nicht das alleinige Mittel sein. Vielmehr muss dieser absolut wichtige Baustein im Zusammenhang mit anderen, nicht chemischen Maßnahmen, wie die Anlage von Blühstreifen, in Kombination gebracht werden. Wir Landwirte müssen zeigen, dass wir mit der Natur verantwortungsvoll umgehen - das ist unser Beitrag."

Dieser Beitrag passt in eine Diskussion, die jüngst im Landschaftsbeirat des Kreises Heinsberg geführt wurde. Kritik, dass die Grünstreifen entlang von Wegen, Straßen und Feldern zu früh im Jahr gemäht würden, war dort von Naturschutzseite geäußert worden. Angeregt wurde, die Kreisverwaltung solle sowohl bei Landwirten als auch kommunalen Betriebshöfen kontrollierend eingreifen, wenn Blühpflanzen entfernt würden, noch bevor sie zur Blüte gelangt seien. Hierfür sah die in Heinsberg zuständige Fachabteilung keine Handhabe, versprach jedoch, das Anliegen mit ins nächste Jahresgespräch zwischen Kreisverwaltung und Vertretern der Landwirtschaft nehmen zu wollen.

Quelle: RP
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