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Erkelenz
Den Nerv der Zeit getroffen

Erkelenz: Den Nerv der Zeit getroffen
Mama muss alles regeln: Tanja Schumann (l.) überzeugte in "Hotel Mama" als Mutter Veronika. Dustin Semmelrogge spielt Sohn Oliver, Joanna Semmelrogge mimt Tochter Jenni. FOTO: JÖRG KNAPPE
Erkelenz. Die Braunschweiger Komödie am Altstadtmarkt präsentierte in der Stadthalle das Theaterstück "Hotel Mama". Im Mittelpunkt: Tanja Schumann. Von Willi Spichartz

Flottes Thema, flotte Sprüche - anhaltender Beifall, rhythmisch: Das "Hotel Mama" als Theaterstück auf der Erkelenzer Stadthallen-Bühne hatte offensichtlich den Nerv der Zeit und damit den des Publikums getroffen. Im Mittelpunkt des Drei-Generationen-Stücks des Brauschweiger Theaters "Komödie am Altstadtmarkt" stand Mutter Veronika, besetzt mit der gut aufgelegten Tanja Schumann, die man immer noch mit der Ur-Mutter der Fernseh-Comedy "Samstag Nacht" auf RTL assoziiert.

Auf voller Bühne die Kleinbürger-Idylle pur: rote Blumentapete, Wohn-Esszimmer mit Couchgarnitur, Tisch mit sechs Stühlen, Schrankwand mit Büchern, hinter denen sich die Bar von Hausherr Ulli verbirgt, und ein paar Turnschuhe, über die die reinstürmende Veronika stolpert und die sie anschließend wegräumt. Da ist schon klar: In diesem Haus gibt es Menschen, die sich ganz auf Mama verlassen können einschließlich Vollpension. Sohn Oliver (Dustin Semmelrogge) hat mit 26 Jahren schon das vierte Studium begonnen ohne Abschluss, Tochter Jenni (Joanna Semmelrogge) ist 24, gerade arbeitslos und bevorzugt Grufti-Klamotten. Vater Ulli (Gernot Endemann) führt ein Fahrradgeschäft und pflegt in der Restzeit sein Hobby Modelleisenbahn.

In der Situation sind bei Mama Veronika die Alltagsmühen so kulminiert, dass sich was ändern muss: Die Kinder sollen ausziehen, Veronika und Ulli wollen das Leben genießen, und es gibt Hoffnung: Oliver will für ein Jahr nach Australien, Jenny zum Freund ziehen. "Endlich allein", seufzt Veronika spürbar erleichtert.

Zu früh gefreut - ihr Vater Hans (Werner H. Schuster) ist wegen seiner ausufernden Individualität inklusive Interesse am anderen Geschlecht schon wieder aus einer Seniorenresidenz geflogen - er bezieht kurzerhand Olivers Zimmer. Ullis Mutter Gertrud (Renate Koehler) kreuzt wegen eines Wasserschadens in ihrem Haus mit einem Koffer auf, sie kriegt übrigens Jennys Zimmer.

Man rauft sich turbulent und mit viel Wortwitz zusammen, da kommt Oliver vorzeitig aus Australien zurück und am Ende auch wieder Jenny - und alle brüllen "ins Hotel Mama". Der Beifall forderte mehrere und verdiente "Vorhänge" in der fast ausverkauften Stadthalle.

Quelle: RP
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