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Erkelenz
Den Schutzwall direkt vor der Haustür

Erkelenz: Den Schutzwall direkt vor der Haustür
Kein schöner Ausblick: Michael (51), Monika (46) und Tim Königs (18) haben den Tagebauwall unmittelbar vor ihrer Haustüre. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Familie Königs aus Kaulhausen ist längst die schöne Aussicht losgeworden. Jahrzehntelang ging der Blick über die Äcker in Richtung Berverath und Unterwestrich. Heute ist der Tagebau-Schutzwall aufgeschüttet. Kommen soll noch ein See. Von Anke Backhaus

Wenn Michael, Monika und Tim Königs ihre Haustür öffnen, reicht der Blick weit über die Landschaft. Nachbarorte wie Berverath und Unterwestrich sind gut zu sehen, dazwischen liegen die Äcker der Landwirte. Für Familie Königs ein Idyll, das sie seit 1997 genießen. Das war das Jahr, in dem die Familie das Haus bezog, das sie an Michael Königs' Elternhaus in Kaulhausen angebaut hatten.

Mit der schönen Aussicht und der Idylle ist es allerdings längst vorbei. Sozusagen direkt vor der Haustür nämlich ist der Wall entstanden, den RWE Power im Zuge des Braunkohlentagebaus am Ortsrand von Kaulhausen aufgeschüttet hat. Bald werden auf dem Wall auch Bäume stehen, hinzukommen wird auch noch ein kleiner See, der dazu gedacht ist, das Wasser von der noch entstehenden Tagebaurandstraße aufzufangen. Dieser geplante See wird an Größe die komplette Front des Wohnhauses entlang beanspruchen. See und Haus trennt dann nur noch ein wenige Meter breiter Weg. Übrigens soll auch noch ein Radweg entstehen.

Die Bagger im Braunkohlentagebau Garzweiler II rücken immer weiter in Richtung Westen vor. FOTO: Jürgen Laaser (Archiv)

"Bei all den Plänen wäre es gut gewesen, man hätte mal frühzeitig mit den Anwohnern gesprochen", sagt Michael Königs, der nicht nur am Kaulhausener Ortsrand wohnt, sondern auf demselben Grundstück auch sein eigenes Unternehmen führt. Er holt einen Plan hervor, aus dem ersichtlich wird, was in Zukunft mal der Ist-Zustand am östlichen Rand des kleinen Dörfchens sein wird. Demnach ist die Sicherheitslinie bereits sehr nah gelegen am Ortseingang Kaulhausens. Damit wird auch klar, warum der Schutzwall genau am Wohnhaus der Familie Königs platziert worden ist. "Wo sind hier die 400 Meter Abstand zum Tagebaurand? Den fordert ja auch die Politik. In Holzweiler hat das doch auch funktioniert", betont Michael Königs. Und: "Die Frage muss doch lauten, was für die Kaulhausener Bürger insgesamt getan wird, um das Leben hier lebenswert zu gestalten?" In diesem Zusammenhang richtet sich sein Blick in Richtung Nachbarschaft. "Ein Landwirt hat das Pech, dass die Tagebaurandstraße genau durch sein Haus führt. Zuletzt bekam er noch die Baugenehmigung, um eine Scheune, die mittlerweile auch steht, zu bauen. Was soll das alles? Auch mit ihm ist übrigens nicht gesprochen worden."

Dem von Michael Königs angesprochenen Nachbarn und seiner eigenen Familie hat man im Gegensatz zu allen anderen Kaulhausenern den Umsiedlungsstatus versprochen. Königs hat RWE Power angeboten, über ein Umsiedeln an den westlichen Rand des Dorfes zu reden. "Darauf gab es allerdings keine Antwort - weder positiv, noch negativ."

Nur eine Sache sieht die Familie Königs optimistisch: "Wir haben hier sehr selten Ostwind. Insofern gehen wir davon aus, dass sich das Thema mit dem Schmutz nicht ganz so drastisch darstellen wird."

Und dann spricht Michael Königs wieder den geplanten See an. "Dass dieses Gewässer an dieser Stelle unmöglich ist, sollte verständlich sein. Statt dessen könnte man doch besser den trockenen Graben der Kückhovener Kläranlage nutzen." Für den kleinen Ort Kaulhausen hofft man insgesamt auch auf verkehrsberuhigende Maßnahmen.

"Insgesamt ist es doch so, dass wir uns nicht dagegen wehren können. Vor einigen Jahren hatten wir ja noch die Hoffnung, irgendetwas bewegen zu können", findet Michael Königs. Mit seiner Familie plant er unterdessen ein Fest. Am 23. September soll das erste Wallweinfest stattfinden. "Sehen Sie es ruhig als Protestfest. Sie können es aber auch Zukunftsfest nennen", erklärt er unserer Redaktion. Zum Hintergrund: Im September 2016 wurde auf Königs' Grundstück eine Weinrebe gepflanzt, die ein Zeichen dafür sein soll, das Leben am Tagebaurand zu gestalten. Die Weinrebe ist ein Geschenk von vier Planungsbüros, die sich mit der Zukunft nach dem Tagebau Garzweiler II beschäftigen. Neben Erkelenz ging auch je eine Rebe nach Jüchen, Titz und Mönchengladbach.

Quelle: RP
 
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