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Prälat Arnold Poll aus Erkelenz
Der "Vater" der Sternsinger ist gestorben

Prälat Arnold Poll aus Erkelenz: Der "Vater" der Sternsinger ist gestorben
In Hoverath feierte Arnold Poll - solange es die Gesundheit zuließ - noch täglich die Heilige Messe. Mit einer Festwoche hatte die Pfarre St. Laurentius seinen 90. Geburtstag am 14. September gewürdigt. Da ging es dem Seelsorger, der trotz hoher Ehrungen stets ortsverbunden geblieben war, schon nicht gut. Zu seinem FOTO: Laaser, Jürgen (jl)
Erkelenz. Prälat Arnold Poll hat am Samstag im Alter von 90 Jahren sein von tiefem Glauben erfülltes Leben in die Hand des Schöpfers zurückgegeben. Von 1979 bis zum Jahr 2000 leitete der Houverather das Aachener Kindermissionswerk. Von Gabi Laue

Er machte die Sternsinger zur weltweit größten Hilfsaktion von Kindern für Kinder. Für das Kindermissionswerk warb er beim DFB, beim Papst, im Fernsehen oder im Kanzleramt. Auch für den Austausch mit jungen Priestern aus Indien, Afrika oder Südamerika setzte er sich ein. Internationale Gäste gehörten im kleinen Houverath zum Alltag. Hier fühlte sich Arnold Poll zu Hause, und hier ist er am Samstag gestorben. Das teilten die Pfarrei Christkönig Erkelenz und das Kindermissionswerk mit.

"Priester ist man sein Leben lang" - nach dieser Devise hielt Prälat Poll bis zum vergangenen Herbst noch jeden Morgen Messe in St. Laurentius. Das Festhochamt zu seinem hohen runden Geburtstag zelebrierte der aktuelle Präsident des Kindermissionswerkes, Klaus Krämer. Und am 25. Februar wurde das Diamantene Priesterjubiläum in Houverath gefeiert. Da hatte seine Kraft merkbar nachgelassen, mit der er 60 Jahre seines Lebens unermüdlich im Dienst der Seelsorge und Jahrzehnte zum Wohl notleidender Kinder gewirkt hatte. Heute besteht Gelegenheit, von Prälat Arnold Poll in seiner Heimatkirche St. Laurentius Abschied zu nehmen, die Beisetzung folgt am kommenden Montag.

Als Ruheständler setzte Poll sein Engagement für arme Kinder in Entwicklungsländern fort, gründete den Verein "Kinder in die Mitte" und die "Prälat Arnold Poll Stiftung", mit denen er in Kooperation mit dem Kindermissionswerk dessen Anliegen weiter unterstützte. Unter seiner Leitung steigerte sich das Jahresaufkommen des Kindermissionswerks in 20 Jahren von zwölf Millionen Mark 1979 auf 106 Millionen Mark im Jahr 1999. Das kommentierte er bescheiden: "Ich habe das Sternsingen einfach deutschlandweit bekannter gemacht." Sein priesterlicher Leitspruch - ein Zitat Jesu aus der Bergpredigt: "Geht und macht zu Jüngern alle Völker!" Für die gute Sache suchte er daher den Kontakt zu Regierenden und Medien. 1983 fand erstmals der (heute traditionelle) Empfang der Sternsinger beim damaligen Bundespräsidenten Karl Carstens in Bonn statt. "Da waren vier Fernsehteams", erinnerte sich Poll. Als nächstes sprach er bei Helmut Kohl vor, entfachte auch dessen Begeisterung, in Aachen besuchte er den damaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun und nahm in mit ins Boot. "Die Welt war bei uns zu Hause. Und Houverath war in der Welt bekannt", hatte Gertrud Küppers, frühere Grundschulleiterin in Kleingladbach, beim Empfang zu Polls 85. gesagt. Doch der ließ "die Kirche im Dorf", mochte nie nach Aachen ziehen. "Ich wollte mit den Füßen auf dem Boden bleiben", hat Poll einmal betont. Bei Schützen, Kirchenchor, Missionsgruppen und Vereinen war er regelmäßig Gast.

Geboren wurde Arnold Poll am 14. September 1925 in Hürtgenwald-Gey. Von 1943 bis 1945 war er Soldat an der Ostfront, bis 1949 in russischer Kriegsgefangenschaft. Nach dem Abitur 1950 studierte er Theologie und Philosophie in Bonn, München und Aachen, 1956 erfolgte die Priesterweihe. Bis 1958 war er Kaplan in St. Stephan Krefeld, dann in St. Peter Hinsbeck, von wo aus er 1966 nach Erkelenz-Houverath zog. Arnold Poll sollte als Regionalpfarrer die Region Erkelenz-Geilenkirchen-Heinsberg aufbauen und als Pfarrer in St. Laurentius Houverath wirken. 1968 bis 1984 war er erster Regionaldekan, 1970 bis 1980 Missio-Diözesandirektor, ab 1979 Leiter des Kindermissionswerks "Die Sternsinger". Sein Wirken würdigten hohe Ehrungen: 1989 Bundesverdienstkreuz I. Klasse, 2001 Großes Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens, 2004 machte ihn die Stadt Erkelenz zum Ehrenbürger. Für die Houverather aber blieb er immer "der liebe Herr Pastor".

Quelle: RP
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