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Erkelenz
Die Last der Umsiedlung abgelegt

Erkelenz: Die Last der Umsiedlung abgelegt
Im Auftrag von RWE Power hat der Berverather Künstler Michael Franke (r.) ein Halbrelief von Borschemich (alt) gestaltet. Das wurde dem Dorf, vertreten durch Hans Jürgen Goebels, von RWE zum Umsiedlungsabschluss geschenkt. FOTO: Knappe
Erkelenz. Nach zehn Jahren ist die Umsiedlung Borschemichs abgeschlossen worden. Bei einem Sommerfest erinnerten die Einwohner gemeinsam an ihre alte Heimat und blickten, die Zukunft positiv planend, nach vorne. Von Laura Dohmen

"Die Last der Umsiedlung haben wir jahrelang mit uns herumgeschleppt. Es war schwer, aber jetzt sind wir froh, dass es endlich einen Abschluss gefunden hat." Mit dieser Beschreibung fasste Hans Willi Schulte, Vertreter der Dorfgemeinschaft Borschemich, wohl die Gefühle aller Einwohner des umgesiedelten Ortes zusammen. Ein halbes Jahr nach Abschluss der Umsiedlung richtete die Dorfgemeinschaft gemeinsam mit Vertretern der RWE Power AG aus diesem Anlass am Samstag ein Sommerfest an der neuen Mehrzweckhalle aus.

Mit Fotos, vielen kleinen Gesprächen und in einigen Reden erinnerten Einwohner und Gäste an die Geschichte ihres alten und neuen Dorfes. "Es ist ein Tag der gemischten Gefühle", sagte Erik Schöddert von RWE Power und bedankte sich für die konstruktive Zusammenarbeit mit den Einwohnern, "manchmal trotz unterschiedlicher Meinungen".

Als Erinnerungsstück überreichte Elisabeth Mayers-Beecks, ebenfalls RWE Power, den Borschemichern ein Bronzerelief ihrer alten, weitestgehend inzwischen verschwundenen Heimat, auf dem die Kirche St. Martinus, das Haus Paland sowie die Dorflinde zu sehen sind. Geschaffen hatte es der Berverather Künstler Michael Franke. "Zwischen dem Gemeinschaftshaus und der Linde wird in den nächsten Wochen ein Platz geschaffen, auf dem das Relief stehen soll", erklärte Mayers-Beecks.

Auch Bürgermeister Peter Jansen zollte den Dorfbewohnern seinen Respekt: "Ich bin sehr dankbar, dass hier in den letzten Jahren so ein unglaublicher Wille erkennbar war, für ein Borschemich der Zukunft zu arbeiten." Wie steinig und langwierig dieser Weg aber für die Borschemicher selbst war, schilderte Hans Jürgen Goebels, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, in seiner Ansprache, die den sonst fröhlich feiernden Zuhörern im Saal sichtlich nahe ging. Er erinnerte an die Niedergeschlagenheit und den Versuch, sich gegen die Umsiedlung zu wehren und von den "letzten schweren Schritten", wie etwa die Entwidmung der Kirche. Er befand aber auch: "Wir haben es mit Zuversicht und viel Wir-Gefühl geschafft, in der neuen Heimat anzukommen." Und diesen Neuanfang feierten die Borschemicher bei ihrem Sommerfest bei gemütlichem Beisammensitzen sowie mit Karussell und Bullenreiten für die jüngsten Dorfbewohner.

Der Zusammenhalt im Dorf habe sich durch die Umsiedlung sogar noch verstärkt, stellte Goebels fest. Die Dorfgemeinschaft arbeite weiter daran, dieses Wir-Gefühl zu stärken. Die Altersstruktur habe sich aufgrund mangelnder Zuzüge in den vergangenen Jahren stark verschoben. "Deshalb müssen wir jetzt die Vereine stärken und die Jugendarbeit forcieren", kündigte Hans Willi Schulte an und plant damit bereits die Zukunft des neuen Borschemichs.

Quelle: RP
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