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Erkelenz
Die menschlichen Seiten der tagebaubedingten Umsiedlung

Erkelenz: Die menschlichen Seiten der tagebaubedingten Umsiedlung
Kirchweihe Immerath (v.l.). Anti-Kohle-Kette. Altarweihe Borschemich. Klimademo im August. Abriss Haus Paland. FOTO: dpa (Archiv)
Erkelenz. Leitentscheidung, Beschluss des Braunkohlenplans, Bebauungsplan für den neuen Umsiedlungsort - viel ist 2015 über Fakten diskutiert worden, mehr noch standen aber Emotionen im Vordergrund. Von Texte von Andreas Speen

Die tagebaubedingte Umsiedlung ist für die betroffenen Menschen zuallererst mit Emotionen verbunden, erst im Weiteren mit kopfgesteuerten Planungen und Verhandlungen. Das hat dieses Jahr besonders verdeutlicht. Zweimal kamen die Erkelenzer zusammen, um in ihren neuen Orten neue Kirchen zu weihen und mit Leben zu füllen. Und zweimal haben Tausende Menschen am Tagebau, im August auch teils verbotener Weise im Tagebau, gegen einen weiteren Braunkohlenabbau demonstriert.

In einer überaus feierlichen Zeremonie am 29. März weihte Weihbischof Karl Borsch die Kapelle St. Lambertus samt Begegnungsstätte in Immerath (neu). Er gab der Gemeinde mit auf den Weg: "Kirche ist für die Menschen da. Nur so werden wir der Tempel Gottes. So werde also auch St. Lambertus zu einem Ort, von dem Segen ausgeht." Und ihm dankt Pfarrer Werner Rombach: "Mein lieber Karl, es ist toll, wie einfühlsam du mit uns diesen Gottesdienst gefeiert hast." Der Architekt des Gebäudeensembles ist Johannes Klomp, die künstlerische Innengestaltung lag vollständig in den Händen von Karl-Heinz Laufs. Fünf Wochen nach der Einweihung der Lambertuskapelle in Immerath (neu) war Weihbischof Dr. Johannes Bündgens nach Borschemich (neu) gekommen, um die von Architekt Elmar Paul Sommer entworfene Martinus-Kapelle zu segnen. Die Gefühle der Menschen brachte anschließend Hans Jürgen Goebels, der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft Borschemich, auf den Punkt: "Welch ein Freudentag für uns: Ab heute haben wir wieder eine Kirche vor Ort. Damit sind nun auch 46 Monate Pendeln zur Kirche in Borschemich (alt) und fünf Monate Gottesdienst in der Mehrzweckhalle vorbei. Mein Dank geht vor allem an den Kapellenvorstand."

FOTO: Laaser, Jürgen (jl)

Hand in Hand zum Tagebaurand. So lässt sich beschreiben, was sich am 25. April zwischen Keyenberg und Jackerath abspielte. Um 14 Uhr war die Anti-Kohle-Kette geschlossen, die 6000 Menschen bildeten, um der Energie-Politik zu zeigen, was sie von weiterem Braunkohleabbau halten: "Bis hier und nicht weiter!" Unterstützt worden war diese Aktion, zu der auch eine Podiumsdiskussion und eine Abschlusskundgebung in Immerath (alt) gehört hatten, von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis, regional wie europaweit. Ein weiteres Mal wurde am 15. August gegen den Tagebau demonstriert. Friedlich ging es dabei in Immerath (alt) und bei einer Mahnwache in Borschemich (alt) zu, jedoch drangen mehr als 800 Aktivisten illegal in den Tagebau ein. Es kam zu Gewalt, wozu Teilnehmer des vor der Demonstration stattgefundenen eineinhalbwöchigen Klimacamps in Lützerath selbst sagten: "Das hat uns frustriert."

"Zum Heulen" waren am Jahresende die wenigen Worte, die Wilfried Lörkens fand, als der letzte Besitzer von Haus Paland in Borschemich (alt) an den ersten Trümmern seiner Familiengeschichte stand. Das mehr als 1100-jährige Rittergut wurde für den Tagebau abgerissen.

Quelle: RP
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