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Erkelenz
"Die Wand" - Hooligans statt Heiterkeit im Karneval

Erkelenz. Karl Mones über Jugendliche, die zu Hunderten nach Granterath zogen zur eigenen Party - mit Pöbeleien. Von Gabi Laue

"Krawall mit Verletzten in Granterath" - eine unschöne Schlagzeile für den Ort, der doch nur fröhlich Karneval feiern will. Karl Mones, Präsident und Vorsitzender der Vereinsgemeinschaft 1977 Granterath, führte gestern etliche Telefonate wegen der Exzesse und Polizeieinsätze, die sich am Karnevalssamstag vor der Halle abgespielt hatten, während die Jecken drinnen friedlich Party machten. Und er hatte Wut: "Wir geben alles, damit Hunderte tollen Dorfkarneval feiern können. Und dann kommen solche Idioten von außerhalb, wagenweise mit Alkohol ausgestattet, die machen das Brauchtum Karneval kaputt." Mones kündigte an, man wolle sich nach Karneval gemeinsam mit der Polizei beraten, was künftig anders laufen könnte.

Dass es nicht zum ersten Mal zu Vorfällen mit betrunkenen gewaltbereiten Jugendlichen gekommen ist, erklärte Karl Mones am Rande des Prinzenempfangs. "Das sind Jugendliche, die sich seit Jahren über Facebook zusammenrotten und zu Fuß mit 400, 500 Leuten vom Erkelenzer Obi-Parkplatz übers Gewerbegebiet und Genehen nach Granterath gehen. Die nennen das ,Die Wand'", erzählte Mones. Schon gegen 12.30 Uhr am Samstag sei "Die Wand" auf Granterath zugerollt, fünf größere Karren mit Musikanlagen im Schlepptau und gestohlene Einkaufswagen, hoch beladen mit Alkohol. "Die machen sich im Umfeld der Halle breit, saufen und machen draußen Party", schimpfte der Granterather Präsident. Was ihn aufregt: "Die meisten sind minderjährig, aber den Eltern ist das wohl gleichgültig." Im vorigen Jahr hat er sogar ein Bild mit einer Drohung an seiner Tür gefunden.

Von weit und breit kämen die Jugendlichen, bis aus 100 Kilometer Entfernung, so Mones, und benähmen sich wie Vandalen. Bei stampfender Musik und steigendem Alkoholpegel arte die "Party" dann aus: "Untereinander pöbeln die sich an, verletzten sich in den eigenen Scherben." Die Halle wird mit Zäunen geschützt, die Vereine hatten acht Mann Security für viel Geld engagiert, letztlich sei man aber hilflos. "Wir wollten erst selber eingreifen", erzählte der Granterather, aber da habe man Schläge kassiert. Der Sicherheitsdienst wird von den Jugendlichen provoziert, "die dürfen die Pöbler ja nicht anfassen", und was sich die Polizei bieten lassen musste, "sowas geht gar nicht".

Mones sieht ein Problem darin, dass die Granterather als erster Umzug losgehen und an dem Samstag sonst nirgendwo etwas los ist. Die Jugendlichen aber stünden mit dem Rücken zum Zug, die interessiere der Karneval nicht. Dabei hätten die Granterather einen traumhaften Karneval mit einer super Stimmung am Zug gefeiert. Mones mit 39-jähriger Erfahrung sieht eine "Entwicklung, die das Brauchtum kaputt macht". Er könne verstehen, wenn viele sagen: Das tu ich mir nicht mehr an. "Wir haben keine Handhabe, uns gegen die Typen zu wehren", klagt er. Und kündigt ein Gespräch mit der Polizei an. "Was sollen wir anders machen? Wir können doch nicht ganz Granterath abzäunen."

Quelle: RP
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